Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Sucher (Bild: ORF)
"Heil"-Sager
Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft
Der "Heil"-Sager von Walter Sucher vom "Ring Volkstreuer Verbände" am Parteitag der Wiener FPÖ am Sonntag hat ein Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft hat von Amts wegen Ermittlungen aufgenommen.
Prüfen, ob sich eine bewusste Anspielung auf den Hitler-Gruß ableiten lässt.
Möglicher Verstoß gegen das Verbotsgesetz
Untersucht werde ein möglicher Verstoß gegen das Verbotsgesetz, gab Walter Geyer, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft am Montag bekannt. Die Staatsanwaltschaft will sich zunächst einen Tonbandmitschnitt bzw. die Abschrift der Rede des Delegierten beschaffen und anhand dessen prüfen, ob sich daraus eine bewusste Anspielung an den Hitler-Gruß ableiten lässt.

"Aus dem Wort allein wird das schwer möglich sein", meinte dazu ein Experte aus dem Justizministerium. Möglicherweise tatbestandsmäßig wäre es dagegen, "wenn das ein verschlüsselter Code ans Publikum war".
Gruß selbst "ist für uns weder überraschend noch etwas Besonderes"
DÖW: Zeichen für FPÖ-Rechtsruck
Für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) ist Sucher "einer der führenden Rechtsextremisten in Wien". Die Tatsache, dass er am FPÖ-Parteitag sprechen durfte, sei ein "Zeichen für den Rechtsruck in der FPÖ", sagte Heribert Schiedel vom DÖW.

Der Gruß selbst "ist für uns weder überraschend noch etwas Besonderes". Der "Heil"-Sager sei für sich genommen "relativ belanglos" und sei auch kein Akt der nationalsozialistischen Wiederbetätigung, meinte der Rechtsextremismus-Experte.
Sucher warnte auch vor "Verleugnung des deutschen Volkstums und der Übersetzung des Deutschlandliedes ins Türkische".
Applaus von Delegierten
"Liebe Freunde, wir werden auch in Zukunft diese Säule unserer freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft hochhalten. Es ist aber auch wichtig, dass wir uns unsere Wortwahl, unsere Lieder nicht nehmen lassen", so Sucher, bevor er zu seinem Abschiedsgruß ansetzte.

"Ich möchte meine kurzen Worte mit einem Gruß beenden, der wirklich unser alter Gruß ist, nicht das 'Glück auf' von heute, nein, ich grüße euch alle mit einem kräftigen 'Heil' für die Zukunft" - so beendete Sucher seine Rede. Die Delegierten quittierten die Äußerung mit Applaus.

Zuvor hatte er vor Verleugnung des deutschen Volkstums und der Übersetzung des Deutschlandliedes ins Türkische gewarnt sowie zum Schutz des deutschen Volkstums aufgerufen.
Sucher im OT zum Nachhören:

Strache (Bild: APA)
Strache hat mit "Heil" als Gruß kein Problem.
Strache: "Im Westen ganz normal"
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hielt diese Verabschiedung für nichts Ungewöhnliches. Er habe einen Gruß zum Besten gegeben, der im Westen Österreichs - also Tirol und Vorarlberg - gang und gäbe und normal im Grußgebrauch sei, verteidigte Strache die Wortwahl.

"Ich bin jetzt permanent in den westlichen Bundesländern unterwegs und egal, wo ich hinkomme, werde ich mit diesem Gruß empfangen", so Strache.

Dass Sucher, Mitglied der Burschenschaft "Olympia" und Obmann des "Rings Volkstreuer Verbände", damit auf die Zeit des Nationalsozialismus angespielt habe, stellte Strache vehement in Abrede.
Strache: "Nein, er spielt darauf an, dass heute in unserer Medienlandschaft und vom politischen Mitbewerber immer Worte und Begrifflichkeiten auf diese eine Zeit, die wir ablehnen, reduziert werden. Genau das ist ja der Irrtum, der heute betrieben wird."
Rechtsextreme Burschenschaft
Das Problem entstehe aber durch Suchers Hintergrund als Mitglied der Burschenschaft "Olympia". Laut DÖW ist die "Akademische Burschenschaft Olympia" als rechtsextrem einzuschätzen. Der britische Holocaust-Leugner David Irving war im Vorjahr verhaftet worden, als er sich auf Einladung der Olympia in Österreich befand.
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