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Kolumne |
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Rotraud A. Perner |
01.01.2007 |
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Lernen von Natascha Kampusch
Am Mittwoch wird im ORF die erste Dokumentation zur Causa Natascha Kampusch gezeigt. Was jeder Mensch von der 18-Jährigen lernen kann, darüber schreibt Rotraud A. Perner in wien.ORF.at.
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Für viele scheint es unvorstellbar, dass andere etwas können sollen, was ihnen selbst unrealistisch scheint. |
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Vieles scheint unvorstellbar
Damit konfrontiert, was Menschen alles ertragen können ohne verrückt zu werden, fragen sich viele: Wie geht das denn? Und manche beginnen zu zweifeln, zu kritisieren oder gar zu spotten – so unvorstellbar scheint es ihnen, dass andere etwas können sollen, was ihnen selbst unrealistisch scheint.
Die Kompetenz, mit Widrigkeiten des Lebens selbstbehauptend umgehen zu können, heißt in psychologischer Fachsprache Resilienz. Natascha Kampusch hat sie. Und: Sie hat sie in einem Alter aus sich selbst heraus entwickelt, wo man dies Kindern und Jugendlichen am wenigsten zutraut – genau so wie die Fähigkeit, sich sprachlich wohlgestaltet ausdrücken zu können, ohne dazu von einem Professor Higgins trainiert worden zu sein.
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Entscheidungen schon im frühen Kindesalter. |
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Standfestigkeit entwickeln
Sich – depressiv – fallen lassen oder – aggressiv – Standfestigkeit entwickeln? Diese Frage stellt sich bereits Eineinhalbjährigen, wenn sie lieber getragen werden möchten als auf eigenen Beinen zu stehen, in diesem Lebensalter wird die Grundlage für spätere Widerstandskraft gelegt.
Kluge Eltern fördern ihre Kinder, indem sie sie in solchen Situationen "gezielt frustrieren" – auch wenn sie sich damit die Kritik Nahestehender einhandeln, die das Greinen des Kindes nicht aushalten (wollen) und meist den genervten Rat geben, "Jetzt hauen's dem Bankert endlich eine rein!"
All diejenigen vergessen, dass man durch Schläge nur wieder schlagen lernt - außer man verzichtet bewusst auf das Einspeichern dieser Lektion.
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Passende Augenblicke für passende Reaktionen. |
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Innezuhalten, bei sich zu bleiben
Man kann in Situationen der Gewalt nämlich auch anderes lernen: beobachten beispielsweise – und die Schwäche derjenigen wahrnehmen, die ihre Hilflosigkeit mittels Gewalthandlungen überkompensieren wollen. Und passende Augenblicke für passende Reaktionen abwarten – anstatt wie meist üblich, innere Spannungszustände sofort und unbedacht in Aktionen umzusetzen. Den Mund sprechen lassen – nicht die Fäuste.
Es bleibt zu hoffen, dass Kampusch mit ihrem Beispiel viele Menschen zur Nachahmung motiviert: innezuhalten, bei sich zu bleiben, die eigene Position zu vertreten, auf die eigenen Grenzen zu achten – konsequent, selbst wenn dieses Verhalten von anderen nicht unterstützt oder im Gegenteil missachtet wird.
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Welche Möglichkeiten habe ich? |
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Nachdenken und Zeit
Resilienz zu entwickeln, braucht Nachdenken und Zeit. Vor allem erfordert es, sich selbst zu fragen: Welche Möglichkeiten habe ich und welche will ich wählen. Wer blitzschnell die unterschiedlichen Verhaltensoptionen durchcheckt und sich für diejenige entscheidet, die das eigene Leben bestmöglich wahrt, übersteht Krisensituationen meist ohne die gravierenden psychischen Schädigungen, die diejenigen nicht erspart bleiben, die in der Opferrolle verharren.
Die Märtyrerrolle ist zwar oft verlockend, weil applausträchtig (selbst wenn sie negative Aufmerksamkeit nach sich zieht), aber nicht gesundheitsfördernd. Ich kenne das nur zu gut aus meiner jahrzehntelangen Arbeit mit Überlebenden von Vergewaltigungen.
Natascha Kampusch hat ein Gegenmodell aufgezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass der Respekt, den sie sich damit erworben hat, auch anderen Jugendlichen zuteil wird, wenn diese sich um Achtsamkeit und Wertschätzung bemühen.
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wien.ORF.at; 18.12.06
Über die Zeit nach ihrer Flucht, ihr "Star-Image" und Briefe von Verrückten hat Natascha Kampusch in ihrem zweiten TV-Interview erzählt. Am 3. Jänner zeigt der ORF die erste Dokumentation zum Fall Kampusch.
TV-Tipp
"Thema spezial - Der Fall Kampusch"
3. Jänner 2007, um 20.15 Uhr, ORF 2
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Rotraud A. Perner
Rotraud A. Perner ist als Psychoanalytikerin, Juristin und Supervisorin tätig. Jeden ersten Dienstag im Monat hilft sie Frauen von 10.00 bis 11.00 Uhr persönlich am NÖ Frauentelefon unter 0800 800 810. Jeden Montag schreibt Perner auch in wien.ORF.at eine eigene Kolumne.
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wien.ORF.at
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