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MI | 11.04.2012
Justizpalast (Bild: ORF / BeLicht)
Umbau
Renovierter Justizpalast mit Dachcafe
Nach 15 Jahren ist die Sanierung des Justizpalastes abgeschlossen. Die Kosten von 56 Millionen Euro flossen in die Infrastruktur, eine Bibliothek und ein Dachgeschoß - samt öffentlich zugänglichem Cafe mit Blick auf die Innere Stadt.
Oberlandesgericht Wien, Oberster Gerichtshof und Landesgericht für Zivilrechtssachen.
Drei Gerichte in einem Haus
550 bis 600 Mitarbeiter werden durch die Gänge des Justizpalastes marschieren, wenn ab Mai 2007 wieder der volle Betrieb anläuft. Dazu kommt eine Unzahl Anwälte, Gutachter, Kläger und Angeklagte.

Nach 15-jährigen Umbau- und Renovierungsarbeiten wird der Justizpalast wieder drei Gerichte beherbergen: Bereits einquartiert sind das Oberlandesgericht Wien (OLG) und der Oberste Gerichtshof (OGH).

Zusätzlich kehrt auch das Landesgericht für Zivilrechtssachen, das zwischenzeitlich am Schwarzenbergplatz war, zurück in das Gebäude am Schmerlingplatz.
Christoph Stadlhuber (BIG) und OLG-Präsident Harald Krammer (Bild: ORF / BeLicht)
Durch die Renovierung, die in mehreren Etappen erfolgte, wurde das Gebäude "technisch fit gemacht", wie Harald Krammer, Präsident des Oberlandesgerichts Wien, sagte.

Dazu gehören moderne Kommunikationsmittel, behindertengerechte Zugänge und die nötigen Installationen für Videobefragungen, etwa wenn Kinder in Missbrauchsfällen aussagen müssen.

Mit diesen Änderungen sei es laut Krammer gelungen, "die Erhaltung der historischen Substanz und die Erfordernisse eines modernen Gerichtsbetriebs" unter einen Hut zu bringen.
Am 27. Juli 1927 steckten Demonstranten den Justizpalast in Brand.
Provisorische Restaurierung nach Brand 1927
Eine - historisch gesehen - wichtige Neuerung sind die verbesserten Brandschutzmaßnahmen: Vor 80 Jahren, am 15. Juli 1927, steckten aufgebrachte Demonstranten nach dem Schattendorfer Urteil den Justizpalast in Brand.

Nach dem Feuer seien die Schäden nur wegkaschiert und nicht restauriert worden, wie Christoph Stadlhuber, Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), schildert. Die BIG ist seit 2001 Gebäudeeigner und damit Bauherr der Renovierungen.
Schlusssteinlegung durch Kaiser Franz Josef
Der Justizpalast wurde in den Jahren 1875 bis 1881 nach den Plänen von Alexander Wielemann errichtet. Am 22. Mai 1881 legte Kaiser Franz Josef I. den Schlussstein.
Eintritt nur "unbewaffnet und ohne Tiere".
Dachausbau mit Justizcafe
Zusätzlich zu den Renovierungen erhielt der Justizpalast einen Dachausbau mit neuen Büroräumlichkeiten und einer Cafeteria im Wert von 11,5 Millionen Euro. Vom öffentlich zugänglichen Lokal haben Besucher und Mitarbeiter einen Ausblick auf das Stadtzentrum.

Prinzipiell könne jeder ins Justizcafe gehen, wie Krammer sagte, allerdings "unbewaffnet und ohne Tiere", wie es für ein Gerichtsgebäude üblich sei.
Aussicht vom Justizcafe am Dach des Justizpalasts (Bild: ORF / BeLicht)
Die Wiener zeigen noch eine gewisse Scheu, so Krammer, durch die Sicherheitsschleusen beim Eingang in das Dachcafe zu gehen. Bisher seien es hauptsächlich Touristengruppen, die von ihren Führern in das als Geheimtipp geltende Lokal geführt werden und die Aussicht genießen.
Zwei Millionen Euro für neue Bibliothek.
Studienraum in "Lesebrücke"
Eine weitere Neuerung ist die Bibliothek, die im Wirtschaftshof des Justizpalastes ihren Platz fand. Diese "Lesebrücke" ist durch vier rundum verglaste Durchgänge mit dem Altbau verbunden. und kostete knapp über zwei Millionen Euro.
Die neue Bibliothek im Justizpalast (Bild: ORF / BeLicht)
In der Bücherei befinden sich neben den aktuellen Nachschlagewerken auch zahlreiche historische Bücher, die zum Teil den Brand von 1927 überstanden oder später der Bibliothek geschenkt wurden.
Derzeit genug Platz, aber in zehn Jahren vielleicht wieder Platzmangel.
"Justiz von Raumnot gekennzeichnet"
Insgesamt stehen den drei Gerichtsbehörden nun 49.000 Quadratmeter zur Verfügung. Dies sei momentan eine gute Situatione, aber, wie Krammer einschränkte, "die Justiz ist historisch von Raumnot gekennzeichnet". Es könne leicht sein, so Krammer schmunzelnd, dass der Justizpalast in zehn Jahren wieder einen Ausbau brauche.
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