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MO | 13.02.2012
Friedrich (Bild: ORF)
Familientragödie OÖ
Friedrich: Kein Vergleich mit Fall Kampusch
Nach Bekanntwerden einer Familientragödie in Oberösterreich hat sich auch der Wiener Kinderpsychiater Max Friedrich zu Wort gemeldet. Er sagt, ein Vergleich mit dem Fall Natascha Kampusch ist nicht möglich.
Für Friedrich kaum vorstellbar, dassdrei lebende Kinder einfach verschwinden können.
Ganz andere Bindung zur Mutter
"Das ist etwas völlig anderes, wenn die Mutter einen festhält", so Friedrich über mögliche Parallen zum Fall Kampusch. Es seien bereits seit Geburt ganz bestimmte Bindungen und Beziehungsstrukturen vorhanden. "Es ist nur tragisch, wenn genau die Hand fehlgeleitet ist, der man sich anvertraut."

Für Friedrich sei es kaum vorstellbar, dass drei lebende Kinder einfach verschwinden können. "Es gibt Einrichtungen, wie die Obsorgepflicht eines Kindes, die unangemeldet kontrollieren können." Und: "Was sagen Schulen, das Pflegschaftsgericht und der Vater dazu?"
Friedrich: "Kinder, die ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden, können nicht in Ruhe verarbeiten."
Kritik an Veröffentlichung
"Wenn es stimmt, dass die Kinder seit einem Jahr in einer therapeutischen Einrichtung sind, wäre es eigentlich eleganter gewesen, weiter zu schweigen. Der Medien-Hype tut den Kindern nicht gut", so Friedrich.

Posttraumatisierte Kinder, die ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden, können nicht in Ruhe verarbeiten, meint der Psychiater. Die Opfer, die in der Vorpubertät und Pubertät aus ihren sozialen Kontakten herausgeholt werden, können als Reaktion auf diese Geschehnisse ein autistisches Verhalten entwickeln.
Mühsamer Weg zurück ins "normale" Leben.
Suchprozess nach eigenem Ich nicht gelungen
Für die Kinder wird es laut Friedrich jetzt ein mühsamer Weg zurück in die Realität. Nun müsse man in jenes Lebensalter zurückgehen, vom Martyriumsbeginn an, um ein soziales Leben aufbauen zu können.

Den Kindern fehle es nicht nur an Bildung, auch der Suchprozess nach dem eigenen Ich, der Identifikation oder nach Leitbildern und Idealen sowie Intimität und das "Ablösen können" sei nicht gelungen.
Einsicht in das Unrecht bekommen.
Mutter dürfte Unrechtsbewusstsein fehlen
Jetzt gilt es laut Friedrich aber, nicht nur den Kindern, sondern auch der Mutter Hilfe anzubieten, damit sie Einsicht in das Unrecht ihres Tuns bekomme. Bei bestimmten Erkrankungen funktioniere dieses Unrechtsbewusstsein nicht.

Die Scheidung der Frau von ihrem Mann dürfte wahrscheinlich wie ein Queue-Anstoß gegen eine Billiardkugel gewesen sein, um ihr Verhalten in Bewegung zu setzen, so Friedrich.
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