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MO | 13.02.2012
Burgtheater (Bild: Bundestheater)
EM 2008
Burgtheater sucht Ausweichquartier
Das Burgtheater wird in der Zeit der Fußball-EM im Juni 2008 wegen der Fan-Meile nicht spielen können. Direktor Klaus Bachler fordert daher ein Ausweichquartier: "Wir werden woanders spielen und irgendjemand muss es zahlen."
"Natürlich können wir nicht spielen, vom Lärm und vom Zugang her", klagte Burgchef Bachler.
Shakespeare-Projekt gefährdet
"Skandalös" findet der Burg-Chef nicht das Vorhaben, in Wien eine Fan-Meile zu errichten und damit den Spielbetrieb seines Hauses zu verhindern, sondern die Art der Kommunikation beziehungsweise Nicht-Kommunikation darüber.
"Es interessiert keinen, was das für uns bedeutet."

Wäre man rechtzeitig informiert worden, hätte man sich sogar eigene Vorhaben überlegen können. So sei aber geplant gewesen, ein großes Shakespeare-Projekt im Mai 2008 herauszubringen. "Wenn wir das im Juni nicht spielen können, ist es sinnlos."

Auf Grund der Erfahrungen der Lärmbelästigung des Life Balls und wegen des radikal eingeschränkten Theater-Zugangs in der Zeit sei an einen Spielbetrieb im Burgtheater während der EURO 2008 nicht zu denken. Ebenso undenkbar ist für Bachler die Verkürzung der Spielsaison.
Museumsquartier als Theaterquartier?
Als mögliche Ausweichquartiere kommen für ihn das Museumsquartier, ein Zelt oder eine adaptierte Halle in Frage.
Sanierung notwendig
Sicher ist aber, dass man eine Schließung des Hauses von Juni bis August 2008 für dringende bauliche Sanierungsmaßnahmen gut gebrauchen könnte.

Auf 3,5 Millionen Euro beziffert der kaufmännische Direktor Thomas Drozda die dringendsten Investitionsnotwendigkeiten in Burg- und Akademietheater.
Auslastung bei 84 Prozent
Rekord bei Eigendeckung und Einnahmen
Eigentlicher Anlass der Burgtheater-Pressekonferenz war jedoch der Geschäftsbericht 2005/06 sowie die kommenden Spielplan-Vorhaben. "Die Zahlen sind hervorragend, das Burgtheater blüht und gedeiht und steht wunderbar dar", streute sich Bachler Rosen.

Laut Drozda habe man in der vergangenen Saison mit 20 Prozent die bisher beste Eigendeckung sowie Rekordeinnahmen aus dem Kartenverkauf in der Höhe von 6,21 Milionen Euro verbucht.
Burg sei am Ende ihrer Möglichkeiten, so Bachler.
Zuschuss von 2,4 Millionen Euro nötig
Trotz der "hervorragenden" Zahlen benötigt das Burgtheater für die laufende Saison bereits zum vierten Mal hintereinander einen Gesellschafterzuschuss der Holding, um ausgeglichen bilanzieren zu können. Dieser werde voraussichtlich 2,4 Millionen Euro betragen, 2007/08 2,8 Millionen Euro.

"Wir sind relativ zuversichtlich, dass es der Frau Bundesminister Schmied gelingen wird, diesen Bedarf bei den Budget-Verhandlungen auch durchzubringen", sagte Drozda.

Bachler dazu: Das Burgtheater sei in den vergangenen Jahren "Weltmeister in der Ausbeutung der Ressourcen" geworden, "aber irgendwann ist nichts mehr drinnen." Wenn ein "verbrecherischer Bankdirektor" eine Krise auslöse, seien ja auch "über Nacht Millionen da, um die Bank zu retten".
Gagen an der Untergrenze
Die Burgtheater-Gagen bewegten sich im internationalen Vergleich an der Untergrenze. "Der Herr Hartmann wird sich noch anschauen", sagte Bachler in Richtung seines Nachfolgers.
Shakespeare gilt weiterhin der Schwerpunkt im Programm.
Proben für "Julius Cäsar" laufen
Für die kommenden Monate stehen vor allem weitere Etappen des großen Shakespeare-Zyklus bevor. Nach dem Auftakt mit "Viel Lärm um nichts" und dem "Sommernachtstraum" wird derzeit etwa "Julius Caesar" geprobt.

Unter der Regie von Falk Richter spielt Peter Simonischek den Caesar, Michael Maertens den Marc Anton, Roland Koch den Brutus und Ignaz Kirchner den Cassius. Premiere ist am 14. März.

Am 28. April hat mit "Maß für Maß" die vorläufig letzte Burgtheater-Inszenierung von Karin Beier, die in Köln Theaterleiterin wird, Premiere.
"Romeo und Julia" zum Herbst-Auftakt
Am 30. Mai folgt als Festwochen-Koproduktion "König Lear" in der Regie von Luc Bondy mit Gert Voss als Lear, Andrea Clausen und Birgit Minichmayr. "Romeo und Julia" wird in der kommenden Saison die Eröffnungspremiere sein.
Klaus Bachler (Bild: APA) Vorletzte Saison für Bachler
Im Akademietheater wird am 14. April Dimitre Dinevs Auftragswerk "Das Haus des Richters" von Niklaus Helbling zur Uraufführung gebracht, am 5. Mai folgt die Österreichische Erstaufführung des neuen Handke-Stückes "Spuren der Verirrten" durch Friederike Heller und am 2. Juni "Der Sturm" in einer Inszenierung von Barbara Frey.

Elfriede Jelineks Hamburger Uraufführung von "Ulrike Maria Stuart" gastiert am 30. und 31. März im Burgtheater, mit "Babel" ist die Burg ihrerseits zum Holland Festival nach Amsterdam eingeladen.

Und für seine letzte Saison 2008/09 möchte Bachler noch einmal mit prägenden Regisseuren seiner Direktion zusammenarbeiten. Neben Andreas Kriegenburg hofft er dabei auch auf Martin Kusej.
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