Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Andrea Kdolsky (Bild: APA)
Ministerbesuch
Aufregung über Kdolskys Kondomaktion
Medienwirksam hat Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) in einer Schule Kondome verteilt. Einige Eltern sehen dadurch ihre Kinder für parteipolitische Zwecke missbraucht. Scharfe Kritik kommt auch von der SPÖ.
Das Ministerium für Gesundheit, Familie und Jugend spricht von einem Missverständnis, es sei um Aufklärung und Schutz gegangen.
Kdolsky lädt Eltern zu Gespräch ein
"Es tut uns Leid, wenn hier ein Missverständnis aufgekommen ist, und wir laden die Eltern daher gerne zu einem klärenden Gespräch ein", sagte Kdolsky-Sprecher Lukas Pohl.

Es habe sich um keine parteipolitische Veranstaltung gehandelt, sagte Pohl und verwies auf die aktuellen Zahlen der AIDS-Statistik. Der Besuch sei mit Stadtschulrat und Schuldirektor abgesprochen gewesen. Was Foto- und Filmmaterial betrifft, verwies Pohl darauf, dass dieses nicht vom Ministerium zur Verfügung gestellt wurde und die Veröffentlichung nicht vom Ministerium verwantwortet wird.
Eltern waren fassungslos.
Kondome an Schüler verteilt
Am 22. März besuchte Kdolsky das Gymnasium Hegelgasse im 1. Bezirk in Wien. Mit dabei waren Journalisten und Fotografen. Die Ministerin warnte vor AIDS und anderen Geschlechtskrankheiten und verteilte Kondome an die 15-jährigen Schüler. Die Ministerin sagte, natürlich habe auch eine Ministerin Sex, die Schüler sagen, die Ministerin sei sehr locker und lieb.

Am nächsten Tag sehen die fassungslosen Eltern ihre in einer Schachtel mit Kondomen wühlenden Töchter in fast allen Tageszeitungen des Landes und in einem Fall sogar auf der Titelseite.
"Ohne Rücksprache oder Zustimmung für äußerst fragwürdige politische Werbung missbraucht."
Eltern: "Für Parteipolitik missbraucht"
Sie würden ihre Töchter für parteipolitische Zwecke missbraucht sehen und sich das nicht gefallen lassen wollen, so die Rechtsanwältin einer betroffenen Familie, Maria Windhager.

"Dem Mädchen und seinen Eltern geht es jetzt in erster Linie darum, dass sie ohne Rücksprache oder Zustimmung für eine schon äußerst fragwürdige politische Werbung missbraucht wurden", sagte Windhager.

"Sie werden hier öffentlich präsentiert, ohne dass sie entsprechend darüber aufgeklärt wurden, dass hier überhaupt gefragt wurde, ob Aufnahmen gemacht werden dürfen."
Wer wusste von der Aktion?
Die Frage, wer von der Kondomverteilungsaktion gewusst hat, ist nicht geklärt. Der Sprecher von Kdolsky sagte, der Besuch sei nicht überraschend, sondern mit dem Direktor abgesprochen gewesen. Der wollte auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Im Bildungsministerium hieß es, zuständig sei der Stadtschulrat. Dort hieß es, der Direktor habe eine Viertelstunde vorher angerufen und den Besuch angekündigt.
Fotos sollen aus den Archiven verschwinden.
Fotos sollen nie wieder verwendet werden
Die Eltern wollen erreichen, dass die Fotos aus den Archiven verschwinden und nicht mehr von Medien verwendet werden dürfen, so Windhager. "Das Wichtigste ist, dass die Bilder einfach verschwinden. Die dürfen nicht mehr veröffentlicht werden."

"Natürlich stellen sich in diesem Zusammenhang auch zahlreiche Haftungsfragen und Schadenersatzfragen, das steht jetzt aber nicht im Vordergrund. Wichtig ist zu sagen: 'Stopp, das könnt ihr so nicht machen!' Hier muss eine entsprechende Stellungnahme erfolgen. Hier muss es eine Diskussion darüber geben und vor allem Bewusstsein geschaffen werden, was passiert ist", sagte Windhager.
Stadtschulrat prüft, die Aktion sei "unglücklich verlaufen".
"Unglücklich verlaufen"
Auch die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft schaltete sich ein: So könne man mit Jugendlichen nicht umgehen. Im Wiener Stadtschulrat wird der Besuch der Ministerin nun geprüft. Es sei alles unglücklich gelaufen.

Prinzipiell wollen die Schulbehörden wissen, welche Politiker welche Schulen warum besuchen. Man wolle unterscheiden zwischen politischer Information und parteipolitischer Propaganda. Laut geltender Rechtslage müssen über 14-Jährige, also mündige Minderjährige, zustimmen, dass ihre Bilder in Medien erscheinen.
SPÖ bezeichnet Kdolsky als "Pausenclown"
Eine scharfe Attacke gegen Kdolsky (ÖVP) kam von SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina. In einer Aussendung sah er die Ressortchefin am Weg zum "Pausenclown" und fordert sie auf von "Showeinlagen a la Kondomverteilung" Abstand zu nehmen.

ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger wies die Angriffe Kalinas hingegen wieder zurück. Das Ziel der Kondom-Verteilaktion die Gesundheitsprävention gewesen sei: "Diese Aktion hatte explizit keinen parteipolitischen Hintergrund." Die beinahe täglichen Vorwürfe der SPÖ erinnerten eher an Wahlkampfrhetorik und entbehrten jeglicher inhaltlicher Grundlage.
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