Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Franz Vranitzky im Banken-Ausschuss (Bild: APA)
Parlament
Vranitzky im Ausschuss: "Habe Flöttl beraten"
Er habe den Investmentbanker sehr wohl gegen Honorar beraten, hat am Freitag Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) im Banken-Ausschuss ausgesagt. Flöttl hatte dies bestritten. Die Befragung von Ex-BAWAG-Chef Elsner wurde abgebrochen.
Er habe sich nicht als Berater angeboten. Flöttl sei auf ihn zugekommen, sagte Vranitzky.
Beratung im Detail vereinbart
Laut Vereinbarung sollte es sich nicht um "irgendwelche devisentechnische Beratungen" handeln, sondern Vranitzky sollte Flöttl über politische Hintergründe in Europa im Zusammenhang mit der Diskussion rund um die Euro-Einführung informieren würde.

Damals hätten insbesondere in Großbritannien und den USA Zweifel an der Machbarkeit einer europäischen Währung bestanden. Springender Punkt sei für den Investor Flöttl das Dreiecksverhältnis Euro-Dollar-Yen gewesen. Er sei auch Berater der Westdeutschen Landesbank (WestLB) gewesen, erinnerte der Ex-Kanzler.

Er habe sich nicht als Berater angeboten, betonte Vranitzky, sondern Flöttl sei auf ihn zugekommen. "Dass ich zu Elsner gegangen wäre, ihm mich als Berater angeboten hätte, ist eine freie Erfindung", so Vranitzky.
Die Beratungen und Informationen für Flöttl habe er dann mehrmals auf telefonischem Weg geleistet. Flöttl habe ihn auch zwei Mal in Wien in seinem Büro besucht.
Der Ex-Kanzler wies sämtliche Angriffe zurück.
Vranitzky: "Das passt alles nicht zusammen"
"Flöttl hat sich bei allen Mitteilungen immer höflich bedankt", sagte Vranitzky. Umso unverständlicher sei es für ihn, dass sich Flöttl von dem Beratungsverhältnis distanziere - "mit wechselnden Erklärungsversuchen", so der Ex-Kanzler. "Ich möchte schon sagen, dass diese wechselnden Ursachen für seine derzeitige Distanzierung mir schon ein sehr seltsames und eigentümliches Bild des Herrn Flöttl vermitteln."

"Sieben Jahre danach draufzukommen, es habe keine Gegenleistung gegeben, das überzeugt mich nicht. Ich weise auch sämtliche Angriffe zurück", so Vranitzky. Flöttls Angaben, er sei von Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner unter Druck gesetzt worden, weil er wirtschaftlich abhängig gewesen sei, obwohl er ja nach seinen Angaben nicht mittellos sei, "das passt alles nicht zusammen", meinte der Ex-Kanzler.

Das Ende Jänner 1999 von Flöttl erhaltene Honorar habe er mit Einkommenssteuer versteuert und behalten, so der Ex-Kanzler. Er habe das Honorar nicht an die SPÖ überwiesen, so Vranitzky bei der Befragung.
Nicht zufrieden mit Antworten
Nicht richtig zufrieden zeigten sich Oppositionsabgeordnete mit den Angaben Vranitzkys. Der Grüne Abgeordnete Bruno Rossmann bezweifelte, dass Vranitzky in der Phase zwischen der Einführung des Euro-Buchgelds und des Euro-Münzgelds tatsächlich für Flöttl wichtige Beratungsdienstleistungen erbringen konnte.

Ausschuss-Obmann Martin Graf (FPÖ) wollte Genaueres über die von Vranitzky an Pretterebner zu zahlende Summe wissen. BZÖ-Abgeordneter Josef Bucher forderte in einer Aussendung eine Gegenüberstellung von Vranitzky, Elsner und Flöttl. "Dieses Triumvirat muss dem Untersuchungsausschuss demnächst Rede und Antwort stehen", so Bucher.
Elsner erneut im Banken-Ausschuss (Bild: APA) Elsner wirft Flöttl "glatte Lüge" vor
Der frühere BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner ist bei seiner Befragung vor dem Banken-Untersuchungsausschuss auf scharfen Konfrontationskurs mit seinem früheren Geschäftspartner Flöttl gegangen.

Elsner bestritt vehement, dass er sich bei Flöttl jun. für das Engagement von Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) als Berater Flöttls eingesetzt habe. "Wenn Flöttl das so ausgesagt hat, ist das eine glatte Lüge", sagte Elsner.

Er habe überhaupt nicht gewusst, dass Flöttl den Altbundeskanzler als Berater engagiert habe und habe dies, als er es im Jahr 2006 aus der Zeitung erfahren habe, eigentlich zunächst auch bezweifelt.
Verhältnis zu Vranitzky
Er kenne den Altbundeskanzler nur "sehr oberflächlich", sagte Elsner, privaten Kontakt habe er zu Vranitzky nie gehabt. Er bezweifle, dass Vranitzky ein Honorar in Anspruch nehmen würde für eine Leistung die er nicht erbrächte, sagte Elsner. Er sehe auch keinen Anlass, warum er auf Flöttl Druck ausgeübt haben sollte, um Vranitzky zu engagieren. "Der ganze Zusammenhang ist derart abstrus", echauffierte sich Elsner.

Nach seinem Verhältnis zu Vranitzky befragt sagte er, "eine Freundschaft hatte ich keinesfalls, eine langjährige Bekanntschaft kann man das auch nicht nennen."

Die Befragung Elsners durch die Abgeordneten von SPÖ, ÖVP, Grünen und FPÖ musste nach einer halben Stunde aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen werden. Offenbar war er zwischendurch wegen zu hohen Blutdrucks mit Sauerstoff behandelt worden.
Ex-BAWAG-Vorstand geladen
Auch der Generaldirektor und nunmehrige Ex-BAWAG-Vorstand Josef Schwarzecker sowie zwei weitere Auskunftspersonen werden am Freitag befragt. Schwarzecker hatte sich vergangene Woche vor dem Ausschuss entschuldigt. Er gehört zu den Angeklagten im BAWAG-Prozess.
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