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MI | 11.04.2012
Wiener Gebietskrankenkasse (Bild: APA/Hans Klaus Techt)
gesundheit
WGKK-Finanzmisere sorgt für Aufruhr
Keine Auswirkungen auf Patienten soll die Finanzmisere um die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) haben. Die politischen Verantwortlichen werden gesucht, der Hauptverband wartet auf ein Sanierungskonzept.
Arztbesuche und Apothekenkosten würden weiter bezahlt, versichert die WGKK.
"Patienten können beruhigt sein"
"Die Patienten können beruhigt sein, es wird sich nichts ändern", betonte WGKK-Direktor Jan Pazourek. Arztbesuche und Apothekenkosten würden weiter bezahlt. Im Jänner oder Februar könnte es allerdings soweit sein, dass die WGKK dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger die Gelder für die Spitäler schuldig bleiben werde.

Beruhigende Töne kommen auch aus dem Rathaus. Für die Patienten in Wiens Spitälern würden die knappen Kassenfinanzen keine Auswirkungen haben, hieß es aus dem Büro von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ).
Wiener Gebietskrankenkasse (Bild: APA/Hans Klaus Techt)
Die Schulden der WGKK sollen nicht in den Himmel wachsen.
Finanzmisere, keine Pleite
Bei einem Schuldenstand von exakt 543,7 Millionen ist Schluss. Mehr Geld will die Wiener Kasse nicht aufnehmen. Sollte dennoch weiteres Kapital gebraucht werden, soll um zehn Prozent weniger Geld an den Hauptverband der Sozialversicherungen überwiesen werden.

Das werde frühestens im Jänner passieren, hieß es bei der WGKK. Im Dezember habe man durch das Weihnachtsgeld der Versicherten etwas mehr Spielraum. Akute Pleitegefahr besteht demnach keine, aber eine "schwere Finanzmisere", hieß es.
Hanusch-Krankenhaus (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
Das Hanusch-Spital.
Wer trägt die politische Verantwortung?
SPÖ und ÖVP weisen die Verantwortung für die Finanzmisere von sich. Wiens Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ) ortet die Verantwortung bei der alten, ÖVP-geführten Bundesregierung und deren Entscheidungen wie etwa die Deckelung der Bundesbeiträge bei den Pensionisten und Arbeitslosen. Hätte es diese Entscheidungen nicht gegeben, wäre auch die WGKK im Plus.

Die Gesundheitssprecherin der Wiener ÖVP, Ingrid Korosec, bemängelt, dass die WGKK keine Einsparvorschläge mache. So sei etwa das defizitäre GKK-eigene Hanusch-Krankenhaus immer noch nicht in den Wiener Krankenanstaltenverbund eingegliedert.

Der stv. Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Bernhard Achitz, sieht die Schuld eindeutig bei der "untätigen Politik". Er forderte, jene politischen Maßnahmen der letzten Jahre zurückzunehmen, mit denen der Sozialversicherung Geld entzogen wurde. Es sollten zudem klare gesetzliche Regelungen geschaffen werden, um die Kassen dabei zu unterstützen, sich zu sanieren.
Franz Bittner vor einem WGKK-Plakat
Obmann Franz Bittner soll bis Anfang Dezember als Basis für weitere Diskussionen einen Sanierungsplan vorlegen.
"Entbehrliches" bei Leistungen kürzen
Der Obmann der WGKK, Franz Bittner, hatte am Montag die Kasse für pleite erklärt. Für das laufende Jahr sei ein Minus von 140 Mio. Euro vorberechnet. Der Vorstandsvorsitzende im Hauptverband, Erich Laminger, glaubt aber, dass das Defizit etwas geringer ausfallen wird.

Einsparungspotenzial sieht er nicht bei der Verwaltung, die mache nur drei Prozent des Aufwandes auf. Es sollte vielmehr "Entbehrliches" bei den Leistungen gekürzt werden, etwa nicht abgeholte Medikamente oder die überdurchschnittlichen Ausgaben in Orthopädie, Radiologie und Labor.

Zu hinterfragen sei auch der Lebensstil der Wiener, diese hätten im Durchschnitt "nicht den gesündesten Lebensstil". Laminger hält insgesamt Einsparungen von vier Prozent für möglich. Bittner habe ihm für Anfang Dezember einen Sanierungsplan als Basis für weitere Diskussionen zugesagt.
Mehr Leistung, mehr Honorar, meint man bei der Kammer.
Bittner stößt bei Ärztekammer auf Granit
Ein klare Absage erteilte Bittner Johannes Steinhart, Vizepräsident der Ärztekammer für Wien: "Mehr Patienten, aber weniger Einkommen? Diesen Deal werden wir sicherlich nicht mittragen", betonte er. Der Vizepräsident reagierte damit auf die neuerliche Beteuerung Bittners, die Kasse sei bankrott.

Bittners Forderung nach einem Deckel der ärztlichen Honorare stoße bei ihm auf "absoluten Granit", so Steinhart. Die Wiener Arztpraxen würden einen jährlichen Patientenzuwachs von vier bis fünf Prozent verzeichnen. Die Zunahme an Leistungen müsse den Ärzten bezahlt werden, "wie in jedem anderen Beruf auch".
"So schlimm wie in Wien ist es bei uns nicht", heißt es etwa aus dem Burgenland.
Keine Hilfe aus anderen Kassen
Auf Hilfe von anderen Gebietskrankenkassen kann die WGKK wohl nicht zählen: "Das ist eine illusorische Frage, denn selbst wenn wir wollten, würden wir das nicht schaffen", so beispielsweise Christian Moder, Direktor der Burgenländischen Gebietskrankenkasse. "Auch wir haben keinen Euro über. Wir sind auch in keiner einfachen finanziellen Lage, aber so schlimm wie in Wien ist es nicht", sagte er.
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