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DI | 14.02.2012
Netzbett (Bild: ORF)
Missstände
Psychiatrie-Vorwürfe für KAV "unhaltbar"
Die Vorwürfe gegen die Akutpsychiatrie im Otto-Wagner-Spital sind laut dem Krankenanstaltenverbund (KAV) "unhaltbar". In der "Wiener Zeitung" sprach zuletzt eine Pflegerin von "unmenschlichen Zuständen".
Keine Hinweise bei Begehung
"Auf die anonymen Anschuldigungen hat der KAV umgehend reagiert und sofort alle nötigen Maßnahmen zur Überprüfung der Behauptungen eingeleitet", so Susanne Drapalik, Leiterin der Stabsstelle für besondere administrative Angelegenheiten und Sofortmaßnahmen im KAV, am Samstag in einer Aussendung.

Noch am Donnerstag habe man umgehend eine Begehung aller in Frage kommenden Stationen eingeleitet. Bei der Begehung konnte keiner der vorgebrachten Vorwürfe bestätigt werden.

Zudem sei die Interne Revision des KAV noch am selben Tag mit einer tiefer gehenden Überprüfung beauftragt worden, hieß es in der Aussendung.
Missstände bei Patientenbetreuung wegen Personalnotstands - diese Vorwürfe gibt es gegen das Otto-Wagner-Spital.
Weggesperrt und vernachlässigt?
Patienten würden übermäßig lange in Netzbetten weggesperrt und müssten dort oft stundenlang in ihren eigenen Exkrementen liegen, weil Personalnotstand herrsche und die Pfleger oft schlicht überfordert seien, so eine Pflegerin des Spitals gegenüber der "Wiener Zeitung".

"Es gibt keine geschlossene Abteilung und auch kein Sicherheitspersonal im Spital. Also werden die Menschen eingesperrt und mit Medikamenten ruhiggestellt", wird die Pflegerin zitiert. Ebenso immer häufiger würden Patienten über einen längeren Zeitraum "fixiert", also an Händen und Füßen mit Gurten ans Bett gefesselt.

Die Pflegerin hat auch Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, wie deren Sprecher Gerhard Jarosch gegenüber Radio Wien bestätigt hat. Die Vorwürfe würden nun geprüft.
Erinnerungen an Lainz
Zuletzt hatte 2003 der Altenpflegeskandal von Lainz für Schlagzeilen gesorgt. In der Folge wurden die damalige Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (SPÖ) abgelöst und die Leitung des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) neu besetzt.

Die Bettenzahl in Lainz wurde sukzessive reduziert, bis 2015 wird das damals in Geriatriezentrum Am Wienerwald (GZW) umbenannte Pflegeheim geschlossen.
Grüne fordern Aufklärung
Eine unverzügliche Aufklärung der Vorfälle forderten die Wiener Grünen in einer Aussendung. "Die chronische Unterversorgung in der Psychiatrie wird seit Jahren von den politisch Verantwortlichen ignoriert", hieß es darin.

Dass nun auch Vorwürfe des unzulässigen Freiheitsentzugs, der Überbelegung und der Vernachlässigung erhoben werden, zeigt laut den Grünen, dass dringender Handlungsbedarf besteht.
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