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DI | 14.02.2012
Netzbett (Bild: ORF)
otto-wagner-spital
Psychiatrie sorgt erneut für Schlagzeilen
Über neue Vorwürfe gegen die Psychiatrie im Otto-Wagner-Spital berichtet die Tageszeitung "Kurier". Eine Frau habe sich im fixierten Zustand angezündet, das Spital will aber kein Schmerzensgeld zahlen.
"Kurier": Frau hatte sich im fixierten Zustand angezündet.
Selbstmordversuche nach gescheiterter OP
Die Frau hatte laut "Kurier" im April 2005 nach einer gescheiterten Operation und zwei Selbstmordversuchen in der Psychiatrie Hilfe gesucht. Statt eines Arztgesprächs wollte man ihr Beruhigungsmittel verabreichen. Als sie das verweigerte, da sie Epileptikerin sei und Angst vor Anfällen hatte, wie sie heute sagt, wurde die Frau fixiert.

Wie im Polizeibericht vermerkt, wollte sich die Frau mittels Feuerzeug daraufhin von den Fesseln befreien und zündete sich dabei selbst an. "Ich dachte, dann muss die Ärztin mich anhören", erklärte die Frau in der ZiB2, "aber ich hätte niemals damit gerechnet, dass das so ausgeht." Das Bettzeug fing Feuer, 35 Prozent der Haut der Frau verbrannten.
KAV weist Schuld zurück
Der Krankenanstaltsverbund (KAV) weist jede Schuld von sich, es habe kein Fehlverhalten von Mitarbeitern gegeben. Die Patientin hätte versuchen können, die Flammen mit einer Decke zu löschen, hieß es.
Folge von Personalmangel?
Der Unfall sei "direkte Folge des akuten Personalmangels", so der Rechtsanwalt der Frau im "Kurier". Er forderte rund 70.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld von der Stadt Wien.

Eine Verletzung der Aufsichtspflicht hat die Rechtsabteilung des Spitals aber nicht gesehen. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits 2006 keinen strafrechtlichen Tatbestand feststellen können. Nun will man zivilrechtlich klagen.
Während die Grünen an weiteren "Tiefpunkt" glauben, spricht der KAV von einer "Kampagne".
Wehselys Rücktritt gefordert
Das Spital war bereits Ende 2007 in die Schlagzeilen geraten, nachdem eine Pflegerin über schwere Missstände in der Akut-Psychiatrie geklagt hatte. Dieser Fall sei ein "weiterer, erschütternder Tiefpunkt einer ganzen Reihe von Missständen", so die Gesundheitssprecherin der Grünen Wien, Sigrid Pilz. Sie forderte den Rücktritt von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ).

Die Stadträtin reagierte auf die Kritik, indem sie in der ZiB2 betonte, dass es eine Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft durch den KAV gegeben habe. "Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren niedergeschlagen, weil kein Fremdverschulden zu sehen war", so Wehsely.

Genau im Einstellen des Verfahrens sieht Pilz das Problem: "Das kann niemanden zufrieden stellen. Und es kann die Rechte dieser Frau nicht außer Kraft setzen."

Der Kritik der Grünen schließt sich die ÖVP an: "Einer der Hauptgründe für eine Fixierung ist, den Patienten vor einer möglichen Selbstverletzung zu bewahren. Im Otto-Wagner-Spital kann das offenbar nicht gewährleistet werden", so Ingrid Korosec. Aus Sicht der Gemeinderätin ist Wehsely "rücktrittsreif".
Rücktrittsforderung für FPÖ übertrieben.
FPÖ: Defizite seit Jahren bekannt
Für den Gesundheitssprecher der Wiener FPÖ, David Lasar, ist der Fall ein Beleg für dringenden Handlungsbedarf in dem Spital. Man wisse seit Jahren von Defiziten, passiert sei aber wenig. Bei allem Verständnis für die aktuelle Aufregung sei jedoch jetzt niemandem mit vorschnellen Rücktrittsaufforderungen und mediengerechter Selbstinszenierung geholfen, meinte er.
KAV wehrt sich gegen Vorwürfe
Wilhelm Marhold, Generaldirektor des Wiener KAV, zeigte sich gegenüber der APA "persönlich betroffen" von der "unseriösen Kampagne der Grünen".

Es sei unverhältnismäßig, einen "furchtbaren und bedauerlichen Fall eines Suizid- und Selbstverstümmelungsversuchs" zu benutzen, um die gesamte Psychiatrie zu diffamieren, so Marhold. Man habe Belastungen in der Psychiatrie erkannt und darauf reagiert: Ab Februar bzw. März gebe es zusätzlich zwölf Ärzte- und 18 Pflegedienstposten im Otto-Wagner-Spital.
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