Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Wiener Sängerknaben. (Bild: ORF)
Kommunales
Augarten: Sängerknaben als "Billigmieter"
Der Schlussapplaus schien im Dezember mit der Entscheidung für das Sängerknaben-Projekt im Augarten schon gespendet. Doch als Zugabe folgt nun neue Kritik der Grünen an der niedrigen Miete für den geplanten "Konzertkristall".
10.000 Euro jährlich über 67 Jahre.
Raum "geradezu verschenkt"
"Das sind versteckte Kultursubventionen", wirft der Grüne Kultursprecher im Nationalrat, Wolfgang Zinggl, dem Bund vor. Der Bund bekomme 10.000 Euro Mietzins pro Jahr über eine Vertragsdauer von 67 Jahren, bezog sich Zinggl auf ein Schreiben von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP).

Angesichts der guten Lage und der Standortgröße von 12.000 Quadratmetern werde hier öffentlicher Raum "geradezu verschenkt", so Zinggl. Laut Experten wäre ein Jahresbetrag von bis zu 400.000 Euro angemessen. Aufgerechnet auf die gesamte Vertragslaufzeit entgingen dem Staat damit rund 20 Mio. Euro an potenzieller Miete.
Burghauptmann rechnet mit 190.000 Euro.
"Gutes Geschäft für den Bund"
Im Gegensatz dazu spricht Burghauptmann Wolfgang Beer von einem guten Geschäft für den Bund. Allein die Tatsache, dass das Gebäude nach 67 Jahren an den Bund zurückfällt, rechtfertige die im Vergleich niedrige Jahresmiete.

Laut Beer werden nur 1.744 Quadratmeter an die Sängerknaben vermietet, 1.300 davon sollen verbaut werden. Es sei möglich, dass der gesamte Spitz 12.000 Quadratmeter groß sei. Mehr als die 1.744 Quadratmeter seien aber nach derzeitiger Flächenwidmung nicht bebaubar.

Von einem Verlustgeschäft könne keine Rede sein, so Beer weiter. Die Sängerknaben müssen sowohl für die zwölf Mio. Euro teure Errichtung als auch für die laufenden Kosten aufkommen. Dividiere man Errichtungskosten durch Vertragslaufzeit komme man auf einen Mietbeitrag von 180.000 Euro plus die bereits fixierten 10.000 Euro, so Beer.
Modell neuer Konzertsaal Sängerknaben (Bild: APA)
Anrainer wollen 10.001 Euro Miete zahlen.
Anrainer wollen einen Euro mehr zahlen
Die "Freunde des Augartens", eine Anrainer-Initiative, wollen dem Bund nun eine jährliche Miete von 10.001 Euro für die Nutzung des Standortes anbieten. Da der Bund seine Entscheidung für die Sängerknaben mit wirtschaftlichen Überlegungen begründet habe, wolle man dem Wirtschaftsminister ein besseres Angebot unterbreiten.

Das Geld für die Jahresmiete soll laut Vereinssprecherin Daniela Kraus mit einem kleinen Schanigarten innerhalb weniger Tage erwirtschaftet werden.
Ein langwieriger Konflikt schwelt weiter.
Filmarchiv scheiterte mit Kulturzentrum
Die Wiener Sängerknaben wollen mit dem in dem Augarten-Areal geplanten "Konzertkristall" ein Kompetenzzentrum für Gesang, Musikpädagogik und Nachwuchsförderung schaffen.

Das Filmarchiv hatte ein Filmkulturzentrum geplant, das unter anderem zwei Kinosäle mit insgesamt 240 Plätzen, Ausstellungsflächen sowie eine Freiluftkino-Tribüne für das Sommerkino umfasst hätte.

Inzwischen schwelt der Streit zwischen Bund, Stadt, Parteien, Sängerknaben, Filmarchiv und Bürgerinitiativen um die Nutzung des Areals schon seit Jahren. Im vergangenen Dezember hatte das Wirtschaftsministerium schlussendlich grünes Licht für den Bau gegeben. Bürgerinitiativen hoffen nun auf einen negativen Bescheid des Denkmalamts, um den Bau des Kristalls doch noch zu verhindern.
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News