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MO | 13.02.2012
Paul Chaim Eisenberg und Kardinal Christoph Schönborn (Bild: APA/Georg Hochmuth)
Geschichte
Opfern von Novemberpogrom gedacht
Heute vor 70 Jahren hat die Novemberpogromnacht stattgefunden. 42 jüdische Synagogen wurden in Wien in Brand gesetzt, 4.600 Menschen ins KZ deportiert. In Wien wurde an zahreichen Orten der Opfer gedacht.
Muzikant und Prammer (Bild: APA/Georg Hochmuth)
IKG-Präsident Muzicant und Nationalratspräsidentin Prammer bei Gedenkveranstaltung.
Veranstaltungen gegen das Vergessen
Die Synagoge in der Seitenstettengasse in der Innenstadt ist als einzige in Wien im November 1938 nicht zerstört worden. Oberrabbiner Paul Eisenberg, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Ariel Muzikant und Kardinal Christoph Schönborn erinnerten an die Ereignisse vor 70 Jahren. Das Gedenken endete mit dem Kaddish, dem traditionellen jüdischen Totengebet.

Bei einer Matinee im Theater in der Josefstadt haben Schauspieler wie Herbert Föttinger und Karl Markovics aus den Erinnerungen von Überlebenden des Holocaust gelesen.

Auch das Parlament hat zur Gedenkveranstaltung ins Palais Epstein geladen. Auf dem ehemaligen Aspangbahnhof, von dem Zehntausende Juden zur NS-Zeit in die Vernichtungslager abtransportiert wurden, fand eine Mahnwache statt.

Auf den November 1938 blickten zudem die Bezirksmuseen Brigittenau und Leopoldstadt mit Vorträgen und Ausstellungen zurück.
SA-Männer bei Hetzmarsch gegen uden (Bild: DPA/sv/hpl)
Mit Pogromen begann die gezielte Judenverfolgung.
Nazis sprachen von "Reichskristallnacht"
Am 9. November 1938 erhielt die SS in Wien gegen 23.00 Uhr die ersten Anweisungen zum Beginn der geplanten Pogrome. Heute oft noch mit dem Nazi-Ausdruck "Reichskristallnacht" bezeichnet, bedeuteten die Pogrome für viele Historiker den Beginn der Shoa, der gezielten Auslöschung der jüdischen Bevölkerung.

Um 2.10 Uhr derselben Nacht wurden auch alle Staatspolizeileitstellen und Sicherheitsdienst-Abschnitte durch ein Telegramm vom geplanten Pogrom verständigt: "Es werden in kürzester Frist in ganz Deutschland Aktionen gegen Juden, insbesondere gegen deren Kultusgemeinden und Synagogen stattfinden. Sie sind nicht zu stören (...)."

Die gezielten Ausschreitungen nach der Aktivierung der SS-Ortsgruppen beschränkten sich allerdings nicht auf eine Nacht, sondern dauerten mehrere Tage an.
Gedemütigt und deportiert
Allein im "Kreis Wien I" wurden 30 Juden getötet, 1.950 Wohnungen zwangsgeräumt und 42 Synagogen und Bethäuser in Brand gesteckt und verwüstet. 6.547 Wiener Juden kamen in Haft, 3.700 davon wurden in das KZ Dachau deportiert.

Die Ereignisse dieses 10. November 1938 bedeuteten einen Wendepunkt für die jüdische Bevölkerung. Bis Mai 1939 verließen rund 120.000 Juden Wien.
Juden mussten für Schäden zahlen
Hermann Göring, Verantwortlicher für den Vierjahresplan des "Deutschen Reiches", erlegte den Juden nach dem Pogrom eine "Sühneabgabe" von einer Milliarde Reichsmark auf. Sie wurde später noch um 25 Prozent erhöht und war binnen eines Jahres zu zahlen. Für die angerichteten Schäden musste die jüdische Bevölkerung ebenfalls aufkommen.
Attentat diente als Vorwand
Der Begriff "Pogrom" kommt laut Duden aus dem Russischen und bedeutet eigentlich "Verwüstung" und "Unwetter". Die NS-Propaganda versuchte, die Aktion das als spontane Antwort der Bevölkerung auf den Tod des deutschen Diplomaten Ernst von Rath auszugeben.

Dieser war am 7. November 1938 in Paris von einem 17-jährigen Juden namens Herschel Grynszpan niedergeschossen worden und starb später. Grynszpan hatte ursprünglich ein Attentat auf den deutschen Botschafter in Paris geplant, mit dem er gegen die Abschiebung tausender polnischstämmiger Juden protestieren wollte.

Statt des Botschafters trafen seine Schüsse jedoch den jungen Botschaftssekretär Rath. Für die NS-Führung ein willkommener Anlass, die Vorgangsweise gegen die jüdische Bevölkerung unter dem Vorwand des "Zorns der kochenden Volksseele" zu verschärfen.
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