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MI | 11.04.2012
The Rake's Progress (Bild: APA/HANS JOERG MICHEL / THEATER AN DER WIEN)
kultur
Strenges Jugendverbot bei "Rake's Progress"
Regisseur Martin Kusej und Dirigent Nikolaus Harnoncourt bringen ab Donnerstag im Theater an der Wien Igor Strawinskys "The Rake's Progress" auf die Bühne. Wegen einer Nacktszene sind die Aufführungen allerdings nicht jugendfrei.
Roland Geyer (Bild: APA)
Direktor Geyer entschied: erst ab 18 Jahren.
Werk verjüngt - aber nicht für die Jungen
Verführbarkeit durch Medien und Populismus stehen im Zentrum der laut Intendant Roland Geyer "für unser Programm zentralen" Inszenierung. Strawinskys Werk solle "absolut ins Heute", ins "Wien 2008" versetzt werden, so Regisseur Kusej und Dirigent Harnoncourt.

Nicht dabei sein kann allerdings die Jugend von heute, die laut dem Regisseur gerade der Medienscheinwelt verfallen ist. Wegen einer expliziten Freudenhausszene erlaubte nämlich Geyer, der die Szene "schlüssig" findet, auf Empfehlung einer Schulpsychologin den Besuch der Aufführungen erst ab 18 Jahren.
Martin Kusej und Nikolaus Harnoncourt (Bild: APA/Roland Schlager)
Kusej und Harnoncourt verwundert
Bei Regisseur und Dirigent schwang Erstaunen mit. "Dann dürfen meine Enkelkinder also nicht kommen?", fragte Harnoncourt vor Journalisten. Und: "Aber wählen darf man ab 16?" Kusej hätte "kein Problem" damit, sein achtjähriges Kind in die Aufführung mitzunehmen - mehr Bedenken hätte er da schon bei seiner Mutter, sagte er.
Kusej wünscht sich einmal ein "klasses Stück" zu Haiders Tod.
Inszenierung als politisches Statement
Eine derartige Inszenierung zu zeigen bezeichnete Kusej als ein "politisches Statement" in der "österreichischen Gesamtkultur, wo Kärnten leider dazugehört". Denn in Österreich gebe es derzeit eine "beunruhigende und beängstigende Zeit".

"Ich will dazu offen Stellung beziehen", auch auf der Bühne, sagte der Regisseur. Er wolle aber dennoch keine "aktualitätssüchtige" Inszenierung liefern, indem er etwa den Umgang mit dem Tod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider thematisiere. Obwohl dieser Umgang "dramatisch" sei und Kusej hofft, dass es dazu einmal ein "klasses Stück" geben wird.
Das Gespann Kusej/Harnoncourt sorgt immer wieder für Aufsehen.
"Antitraditioneller" Blick auf Strawinsky
Die Erwartungen sind hoch: Kusejs und Harnoncourts Zusammenarbeit sorgte seit dem Salzburger "Don Giovanni" 2002 immer wieder für Aufsehen. Für Kusej, der mit Salzburg abgeschlossen hat, ist das auch die letzte Inszenierung in Wien. Er wolle das Werk mit seinem "anti-traditionellen Blick" unter die Lupe nehmen, aber "realistisch auflösen".
Kusej ab 2011 in München
Der Regisseur, der ab 2011 Chef des Bayerischen Staatsschauspiels München sein wird, will sich nach dieser letzten Wiener Inszenierung "langsam auf meine Aufgaben in München konzentrieren". Seinen dortigen Kollegen, den neuen Münchner Opernchef Klaus Bachler, sieht er als "Seelenverwandten".
Harnoncourt weicht ab von der Einspielung, bei der Strawinsky selbst dirigierte.
Eigenes Verständnis von Werktreue
Harnoncourt will sich bei der musikalischen Interpretation nicht an die wohl maßgeblichste Aufnahme des Stückes halten - jene Einspielung, bei der Strawinsky selbst dirigierte. "Strawinsky hat sich zu seinen eigenen Noten verhalten wie alle Komponisten", sagte Harnoncourt: Er habe seine eigenen Vorgaben zum Teil "überhaupt nicht eingehalten".

Der Dirigent findet diesen Werktreuebegriff "falsch. Werktreue heißt, das Werk zu verstehen und dem getreu zu sein, und nicht Buchstabentreue."

In der Rolle desjenigen, der die "Strippen zieht", steht Alastair Miles ("Nick Shadow") auf der Bühne, Toby Spence spielt den zentralen Tom Rakewell, Anne Sofie von Otter die bärtige Frau "Baba the turk". Harnoncourt leitet bei der Koproduktion mit dem Opernhaus Zürich die Wiener Symphoniker.
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