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MI | 11.04.2012
Lotte und Hans Hass (Bild: APA/Herbert Neubauer)
Menschen
90. Geburtstag von Unterwasserpionier Hass
Der Meeresforscher und Unterwasserpionier Hans Hass feiert seinen 90. Geburtstag. Schon seit über einer Woche wird der Wiener, der mit dem Film "Abenteuer im Roten Meer" weltberühmt wurde, gefeiert.
Hans Hass (Bild: APA/Herbert Neubauer)
Hass "in erster Reihe der Phantastischen Realisten der Wissenschaft".
Auch Ehefrau des "Herr der Haie" gewürdigt
Mit einem Fest im Naturhistorischen Museum Wien (NHM) wurde nicht nur der 90. von Hans Hass gefeiert, sondern auch gleich der 80. Geburtstag seiner Frau Lotte.

Als "Flossenmensch und Herrn der Haie" sowie als "Visionär voll von schöpferischer Fantasie" bezeichnete NHM-Direktor Bernd Lötsch Hans Hass bei der Feier, zu der langjährige Gefährten und Freunde wie der Humanethologe Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Maler Arik Brauer, Meeresbiologe Jörg Ott und Filmemacher wie Manfred Christ und Erich Pröll gekommen waren.

Dass es ihm gelungen ist, in den wirtschaftlich schlechten Nachkriegsjahren das Forschungsschiff "Xarifa" zu realisieren, stelle ihn "in die erste Reihe der Phantastischen Realisten der Wissenschaft", sagte Lötsch.
Noch heute ist der Ruf von Hans Hass als Taucherikone ungebrochen.
Hass: "Stets auf der Suche nach dem Neuen"
Eigentlich hat Hass die Taucherei als Hauptberuf vor über 45 Jahren an den Nagel gehängt. Doch in der Öffentlichkeit gilt der Wiener auch zu seinem 90. Geburtstag am 23. Jänner immer noch als Österreichs Parade-Unterwasserforscher.

"Ein Leben lang auf Expedition" titelte Michael Jung seine 1994 erschienene Biografie über´Hass. Das ist zugleich auch das Credo des Wieners. "Ich war und bin stets auf der Suche nach dem Neuen, nach Dingen, die andere nicht machen", sagte Hass einmal.

Zur weltweiten Legende wurde Hass durch seine zum Großteil selbst finanzierten Forschungsreisen. Mehrere Kinofilme und viele Vorträge auf der ganzen Welt spielten die Kosten etwa für zwei Expeditionen mit seinem aufwendig und eigens für wissenschaftliche Zwecke adaptierten Schoner "Xarifa" ein.
Hans und Lotte Hass (Bild: APA)
Von Anfang an mit von der Partie war stets seine Assistentin und spätere Frau Lotte Baierl.
Hans und Lotte Hass unter Wasser. (Bild: ORF)
Seine Filme wurde mehrfach ausgezeichnet.
Vom Roten Meer bis nach Polynesien
Die Reisen führten Hass und seine jeweilige Crew in die Ägäis, ins Rote Meer, nach Polynesien, Australien, zu den Galapagos Inseln und in den Indischen Ozean.

1951 bekam Haas für "Abenteuer im Roten Meer" den ersten Preis der Biennale Venedig, für seine Naturaufnahmen erhielt er die Auszeichnung "Outstanding Underwater Photographer of the Year 1959" in Los Angeles und 2004 den "Christopher Parsons Award" beim "Wildscreen"-Filmfestival in Bristol.
Kämpfte für das Image der Haie
31 Bücher, 24 Fernsehfilme und sechs Kinofilme entstanden nach den Reisen: Mit Irenäus Eibl-Eibesfeldt schrieb Hans Hass etwa das Buch "Neue Wege der Humanethologie".

Gemeinsam mit dem Verhaltensforscher hat sich Hass auch für die "Ehrenrettung" des zur "mörderischen Bestie" hoch stilisierten Hais eingesetzt. Nach Hass wurden 1959 die bei den Malediven entdeckten Röhrenaale benannt: "Xarifania hassi", heute "Heteroconger hassi".
Hans Hass und Lotte Hass unter Wasser
Die Anerkennung in der wissenschaftlichen Welt als Theoretiker blieb Hass versagt.
Als Theoretiker weniger erfolgreich
Nach 1960 wandte sich Hass der Theoretischen Biologie zu. Sein Interesse galt dem Studium der Evolution des Lebens, der Entstehung des Menschen, seiner Wirtschaftsformen und seiner staatlichen Organisation. Er verfasste zwar auch weiterhin Bücher über seine Arbeiten und Theorien, doch Aufsätze in wissenschaftlichen Fachzeitschriften blieben eher die Ausnahme.

Dies ist nach Ansicht von Beobachtern auch der Knackpunkt, warum etwa Hass' Energontheorie in der wissenschaftlichen Welt praktisch nie ernsthaft diskutiert wurde.
Die Energontheorie von Hans Hass
Wie der Name "Energon" schon andeutet, spielt Energie in der Hass'schen Theorie die Hauptrolle. Ein Organismus kann nur dann überleben, wenn er Energie im Überschuss erwirtschaftet, also mehr aufnimmt als er verbraucht, lautet eine zentrale Aussage der Theorie. Und das Gleiche gilt auch für vom Menschen geschaffene, künstliche Einheiten. Auch Wirtschaftsbetriebe müssen mehr Energie - in welcher Form auch immer - erwerben als verbrauchen, wenn sie überleben wollen.

Mit seinen Erkenntnissen hat Hass vor allem in Wirtschaftskreisen Aufsehen erregt. So leitete er Seminare für Managementstrategie und betätigte sich als erfolgreicher Unternehmensberater.
Hans Hass Taucherbrille statt Aktendeckel
Die Leidenschaft von Hans Hass für die Taucherei begann 1937, als der 18-jährige, frisch gebackene Maturant an der französischen Riviera mit dem Tauchsport - damals ausgeübt mit einer einfachen Unterwasserbrille und einer Harpune zur Fischjagd - in Berührung kam.

Hass, geboren am 23. Jänner 1919 in Wien als Sohn eines Rechtsanwaltes, sollte ursprünglich seinem Vater in die Anwaltskanzlei folgen, brach nach zwei Semestern aber das Jus-Studium ab und sattelte auf Zoologie um.

Bis zu seiner Promotion im Jahre 1943 hatte Hass schon mehrere Bücher verfasst, darunter "Jagd unter Wasser mit Harpune und Kamera" (1939) und "Unter Korallen und Haien" (1941).
Hans Hass und Ehefrau Lotte
Wie ein Fisch unter Fischen bewegen
Fotografierte als erster Haie unter Wasser
Doch schon bald tauschte Hans Hass die Harpune gegen die Kamera ein: Ein Wiener Kunstschlosser hatte nach seinen Anweisungen die Umhüllung für seine erste Unterwasserkamera angefertigt. Auch die Entwicklung eines Tauchgerätes ließ nicht lange auf sich warten.

1941 war der Wiener erstmals frei vom ständigen Zwang, an die Oberfläche schwimmen zu müssen, um Luft zu schöpfen. "Ich wollte mich wie ein Fisch unter Fischen bewegen", so der Meeresforscher.

Im Gegensatz zu seinem ewigen Konkurrenten, dem verstorbenen französischen Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau, der Pressluft-Geräte entwickelte, versuchte sich Hass an geschlossenen Sauerstoff-Kreislauf-Geräten. Völlig geräuschlos konnte sich der Forscher so den Fischen nähern, um sie zu fotografieren. Auch für wissenschaftliche Beobachtungen erwies sich die blasenfreie, künstliche Lunge als großer Vorteil.
Gegen Unterwasserjagd
In den späteren Jahren entwickelte sich Hass mehr und mehr zum Kämpfer gegen die Umweltzerstörung. Er wandte sich in einem Manifest an alle Sporttaucher gegen die Unterwasserjagd, die er einst selbst betrieben hatte. Die Jagd mit "Unterwasser-Gewehren" sei unsportlich und bedrohe inzwischen die maritimen Ökosysteme an den Küsten.
Etliche Auszeichnungen
1977 erhielt der Wiener den Professorentitel, 1999 wurde ihm die Ehrenmedaille in Gold der Stadt Wien verliehen. Im März 1998 wurde Hass mit der höchsten heimischen Auszeichnung für Wissenschafter, dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, ausgezeichnet.

Weiters ist er Träger des vom Umweltministerium vergebenen Konrad-Lorenz-Staatspreises und wurde 2000 gemeinsam mit seiner Frau Lotte in die "International Scuba Diving Hall of Fame" aufgenommen.

Auf den Forscher geht auch das Hans-Hass-Institut für Submarine Forschung und Tauchtechnik (HIST) zurück. Es betreibt nach eigenen Worten "Forschung und Forschungsförderung im Bereich der Unterwasserwissenschaften im Dienste der Allgemeinheit.
Hans Hass mit dem damaligen Umweltminister Bartenstein
Jean-Michel Cousteau umarmt Lotte Hass. (Bild: ORF) Fest auch für Lotte Hass
Lotte Hass habe an der Seite ihres Ehemannes nicht nur den Tauchsport, sondern auch die Unterwasser-Fotografie und die Dokumentations-Filme weltberühmt gemacht.

Bei dem Fest für die beiden wurden Zuspielungen des ORF-"Universums"-Beitrags "Hans Hass - Der Mann, der das Meer entdeckte" sowie aktuelle Aufnahmen des "Universum"-Filmers Erich Prölls von seiner jüngsten Tauchfahrt mit dem Ehepaar Hass an das Rote Meer gezeigt.
Ehepaar Hass
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