Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Hubsi Kramar (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
sicherheit
Mediensatire findet unter Polizeischutz statt
Schon die erste Ankündigung zu Hubsi Kramars neuem Stück hatte für Aufschreie in Medien und Politik gesorgt. Zur Premiere von "Pension Fritzl" am 23. Februar soll nun ein Polizeiaufgebot anrücken. Kramar hatte Drohungen erhalten.
Keine Inzestkomödie, sondern eine Mediensatire will das Stück sein.
Kramar: "Opfer einer Hetzkampagne"
"Mir bleibt die Sprache weg, täglich, stündlich, in diesem Land", empörte sich Theatermacher Hubsi Kramar am Donnerstag, bei einer Pressekonferenz zu seiner "Keller-Soap" mit dem provokanten und scharf kritisierten Titel "Pension Fritzl", die am 23. Februar in seinem Wiener 3raum-anatomietheater Premiere hat.

Seit der ersten Ankündigung des Stücks sei er seitens der FPÖ sowie von einigen Medien einer "Hetzkampagne" ausgeliefert gewesen, die bis zur Forderung nach Streichung seiner Subvention und Haftstrafe für ihn selbst gegangen sei. All das sei ausgelegt, seine "Lebensgrundlage zu vernichten", zeigte sich Kramar überzeugt.

"Es ist völlig neurotisch zu denken, dass jemand wie ich eine Inzestkomödie machen würde. Ich plane eine Mediensatire", verteidigte er sich.
Hubsi Kramar (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
Bewaffnete Polizisten bei Pressekonferenz
Schließlich gaben die Veranstalter bekannt: "Pension Fritzl" wird unter Polizeischutz aufgeführt. Nach Drohungen an Kramar seien diese Vorkehrungen notwendig geworden. Auch bei der Pressekonferenz, an der zahlreiche internationale Journalisten teilnahmen, waren zwei bewaffnete Beamte zugegen.
Die Handlung kann sich noch ändern - auch nach der Premiere.
"Sie alle sind die Autoren"
Die Reaktionen der Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen habe seinem Konzept nun noch ungeahnt mehr Nahrung gegeben. "Sie alle sind die eigentlichen Autoren dieses Stücks", wandte er sich an die Journalisten. "Ich führe nur Protokoll."

Was genau auf der Bühne zu erwarten sein wird, konnte und wollte Kramar noch nicht näher ausführen. "Ich habe eine Struktur im Kopf und alle diese Texte gesammelt", so der Regisseur, der auch als Darsteller fungieren wird.

Die "laufenden Ereignisse" könnten allerdings noch manches verändern. Die bereits ausverkaufte Premiere könnte sich so auch durchaus von den nachfolgenden Vorstellungen unterscheiden.
Wut über Berichterstattung
Ursprünglich habe Kramar das Stück "Der Herr Fritzl", frei nach dem "Herrn Karl", betiteln wollen, denn es gehe um ein gesellschaftliches Phänomen "und sicher nicht um die Familie aus Amstetten", so Kramar, der vor allem die Berichterstattung scharf kritisierte. "Über Inzest redet man nicht, nur dann wenn man es pornographisieren kann."
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