Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Mouhanad Khorchide (Bild: ORF)
Chronik
Neue Standards für Islam-Religionslehrer
Nachdem laut einer Studie jeder fünfte Islam-Religionslehrer Demokratie als unvereinbar mit dem Islam ablehnt, fordert der Studienautor Konsequenzen. Es müssten moderne Qualitätsstandards im Unterricht eingeführt werden.
Islam-Studie unter Lehrern sorgt in Wien für Aufregung.
Khorchide: "Interessierte niemanden"
In der Vergangenheit habe sich offenbar niemand um den Islam-Unterricht gekümmert, so Studienautor und Religionssoziologe Mouhanad Khorchide. Das Ergebnis der Studie sei ein Beweis dafür.

Konkret gibt es seit 27 Jahren an den öffentlichen Schulen islamischen Religionsunterricht mit knapp 350 Lehrern und 32.000 Schülern. Seit Einführung des Unterrichts 1982 habe es aber keine wissenschaftliche Untersuchung dessen, was dort wer wie unterrichtet, gegeben, so Khorchide.

Die Studie bringt nun die unerfreulichen Fakten ans Tageslicht: 40 Prozent der jetzt tätigen Religionslehrer haben laut Khorchide überhaupt keine pädagogische Ausbildung, 37 Prozent haben weder eine theologische noch eine pädagogische Ausbildung.
Unterrichtsmethoden alles andere als zeitgemäß.
Mangelhafte Ausbildung
Erst seit 1998 gibt es in Österreich laut Khorchide eine eigene Ausbildungsstätte für muslimische Religionslehrer. Davor sind die Lehrer aus arabischen Ländern und unter den hier lebenden Muslimen rekrutiert worden. Bis in die 90er seien auch Anhänger radikaler Gruppen eingestellt worden, viele würden heute noch unterrichten.

Die Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft Amina Baghajati sagte dazu gegenüber Ö1, ihr sei die Studie noch nicht bekannt.

Das Unterrichtsministerium forderte bereits am Dienstag von der Glaubensgemeinschaft einen Rechenschaftsbericht. Zudem will man sich mit den Ergebnissen der Studie auseinandersetzen und auch den Autor der Studie befragen.
Glaubensgemeinschaft für Inhalte zuständig
Fakt ist: Der Religionsuntericht an den öffentlichen Schulen wird in Österreich vom Staat bezahlt. Für die Inhalte und die organisatorische Durchführung ist in dieser Causa die islamische Glaubensgemeinschaft zuständig.
SPÖ will Demokratiewerte in Kursen vermitteln.
Al-Rawi: "Schockierende Ergebnisse"
Der SPÖ-Gemeinderat und Integrationsbeauftragte Omar Al-Rawi sprach im Zusammenhang mit der Studie von "schockierenden" Ergebnissen. Die Glaubensgemeinschaft bekenne sich zu Europa, Demokratie und Menschenrechten, und das "haben alle mitzutragen". Al-Rawi sieht nun vor allem eine Herausforderung für bessere Aufklärung.

Laut Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) sollen Kurse für die Lehrer vor allem vermitteln, dass Menschen- und Frauenrechte nicht diskutierbar und Werte der Demokratie hoch zu halten sind.
"Keine antidemokratischen Tendenzen"
Der muslimische Lehrerverein in Oberösterreich meinte indes in einer Aussendung, man könne "garantieren", dass es keine "antidemokratischen oder verfassungsfeindlichen Tendenzen" unter den Kollegen gebe, da diese "voll und ganz inakzeptabel wären". Die Mehrheit der Lehrer sei außerdem "sehr wohl qualifiziert".
Opposition sieht den Bürgermeister gefordert
ÖVP-Klubobmann Matthias Tschirf forderte, dass der Stadtschulrat auf die Lehrpläne Einfluss nehmen solle. Zudem sei es Aufgabe des Bürgermeisters, entsprechend auf die Islamische Glaubensgemeinschaft Einfluss zu nehmen.

Die Grünen wollen eine verpflichtende staatliche Ausbildung für Religionslehrer. Die gestzlichen Grundlagen für eine entsprechende Aufsicht sind veraltet. Sie erwarte sich ein Engagement von Bürgermeister Michael Häupl, damit es zu einer baldigen Gesetzesänderung komme, so Klubchefin Maria Vassilakou.

Die FPÖ forderte, dass der Bürgermeister als oberste Instanz im Stadtschulrat radikale Lehrer suspendiert. Zudem sollte der Islamischen Glaubensgemeinschaft der Status einer anerkannten Religionsgemeinschaft entzogen wird, "damit nicht wir alle für die radikalen Lehrer bezahlen müssen", so Eduard Schock, Klubobmann der FPÖ.
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News