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MI | 11.04.2012
Augarten-Räumung (Bild: ORF)
CHRONIK
Polizei trug Augarten-Besetzer weg
Die Polizei hat Mittwochfrüh den Augartenspitz geräumt. Demonstranten hatten einen Bereich besetzt, um gegen die Errichtung des Konzertsaals der Sängerknaben zu protestieren. Kritik an der Vorgangsweise kam vom Bezirkschef.
Demonstranten waren angekettet
Die Burghauptmannschaft als Grundbesitzer hatte die Räumung verlangt. Die Polizei forderte die Demonstranten gegen 7.00 Uhr auf, ihre illegale Besetzung zu beenden und das Grundstück zu räumen.

Diese kamen der Aufforderung aber nicht nach. Die Polizei begann daraufhin, etwa ein Dutzend Demonstranten wegzutragen. Einige Demonstranten, die sich an das Eingangstor gekettet hatten, mussten erst losgeschnitten werden. Die Aktion war nach etwa 40 Minuten beendet.

Die Aktivisten zeigten sich erbost. Sie wollen ihre Proteste fortsetzen. Der Ort werde nun noch mehr Aufmerksamkeit erhalten, so Sprecherin Raja Schwahn-Reichmann.
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Ministerium hat laut Bezirkschef im "Alleingang" entschieden.
Vorgangsweise in Wien "nicht üblich"
Bezirksvorsteher Gerhard Kubik (SPÖ) bezeichnete die Ereignisse als "äußerst bedauerlich". Er zeigte sich überzeugt, dass, wenn der Bund als Eigentümer des Areals sich an die vereinbarte Vorgangsweise gehalten hätte, es nicht so weit gekommen wäre.

Geplant sei ursprünglich gewesen, einen Leitbildprozess durchzuführen und erst danach zu entscheiden, was im Augarten passieren soll. Das Ministerium habe damals "im Alleingang" entschieden, dass der Sängerknaben-Konzertsaal gebaut werden soll.

Die Räumung sei auf Verlangen der zuständigen Burghauptmannschaft durchgeführt worden. Kubik: "Solche Vorgangsweisen sind in Wien nicht üblich, bei uns in der Stadt setzen wir auf Gespräche, wenn es ein Problem gibt und nicht auf den Konfrontationskurs, wie ihn der Bund und die Burghauptmannschaft als Vertreterin des Bundes hier fahren."
Augartenspitz nach Besetzung (Bild: APA/BARBARA GINDL)
Für Grüne "unverhältnismäßige Härte"
Rückendeckung erhielten die Konzertsaal-Gegner auch von den Grünen. Deren Kultursprecher Wolfgang Zinggl kritisierte, dass die Besetzung mit "unverhältnismäßiger Härte" beendet worden sei.

Verteidigt wurde das Vorgehen der Behörde hingegen vom nicht amtsführenden VP-Stadtrat Norbert Walter. Der Rechtsstaat, so betonte er in einer Aussendung, müsse auch im Augarten gelten. Er betonte, dass die Polizei zunächst mit den Aktivisten verhandelt habe. Erst als die Verhandlungen gescheitert seien, seien die Besetzer entfernt worden.

Die Wiener Freiheitlichen drängen darauf, dass der Konzertsaal rasch gebaut werden soll. Die Sängerknaben als kulturelles Aushängeschild Österreichs würden diesen Konzertsaal dringend benötigen, so der Wiener FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.
Burghauptmann: Protest kommt zu spät
Kein Verständnis für den Protest der Aktivisten hat der Vertreter des Liegenschaftseigentümers Bund, Burghauptmann Wolfgang Beer. "Erst dann zu protestierten, wenn das fertige Projekt da ist, ist ein bisschen zu spät", sagte er.

So hätten die Aktivisten beispielsweise versäumt, den Flächenwidmungsplan zu beeinspruchen. Dabei habe es seit Jahren Verhandlungen gegeben und einen abgeschlossenen Leitbildprozess.

Er als Liegenschaftseigentümer habe heute jedenfalls die Räumung des Areals verlangen müssen, als der Verein Wiener Sängerknaben auf ihn mit dieser Bitte zugekommen sei. Nur so habe man die notwendigen Probebohrungen, die in den kommenden Tagen erfolgen sollen, sichern können.
Bürgerinitiative gegen Bau
Am Augartenspitz soll der Konzertsaal für die Wiener Sängerknaben errichtet werden. Das Projekt wird seit Jahren geplant und ist sehr umstritten. Gegen den Bau hat sich eine Bürgerinitiative gebildet.
Zeltstadt bim Augartenspitz (Bild: ORF) Zeltlager errichtet
Die Demonstranten hatten unter anderem ein kleines Zeltlager errichtet, Infostände aufgestellt und einen Kinderspielplatz eingerichtet.

Am Dienstag waren mehrere prominente Baumpaten ernannt und vorgestellt worden, darunter Viennale-Chef Hans Hurch. Sie sollten verhindern, dass Bäume am Augartenspitz für Bauvorbereitungen gefällt werden.
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