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MI | 11.04.2012
Heinrich Schweiger
KULTUR
Heinrich Schweiger 77-jährig gestorben
Der Wiener Kammerschauspieler Heinrich Schweiger ist 77-jährig nach einem Herz-Kreislauf-Versagen infolge einer Gehirnblutung gestorben. Er spielte Paraderollen von Richard III. bis zu Mackie Messer.
Burgtheater-Ehrenmitglied starb nach Gehirnschlag.
Zuletzt im "Wallenstein" zu sehen
Das Burgtheater-Ehrenmitglied gehörte seit 1949 dem Haus am Ring an und spielte dort die großen klassischen Rollen der Weltliteratur, etwa in Schillers "Don Carlos", Shakespeares "Othello" und "Richard III.", aber auch den Mackie Messer in der "Dreigroschenoper".

Zuletzt war der Kammerschauspieler als Tiefenbach in Thomas Langhoffs "Wallenstein"-Inszenierung an der Burg, im "Land des Lächelns" an der Volksoper (2008) sowie in der ORF-Serie "Der Winzerkönig" zu sehen.
Schweiger (Bild: APA/BARBARA GINDL)
Heinrich Schweiger als Hansi waehrend der Probe des Stückes "Transdanubia-Dreaming" im Akademietheater.
Theater als "größte Leidenschaft"
Schweiger wurde am 23. Juli 1931 in Wien geboren und studierte dort am Max-Reinhardt-Seminar. Bereits als 18-Jähriger debütierte er am Burgtheater. Mit 22 Jahren gelang ihm in einer legendären Aufführung von Arthur Schnitzlers "Komtesse Mizzi" der Durchbruch.

Schweiger, der das Theater einmal als "schönste Zuflucht und große Leidenschaft" bezeichnet hat, gastierte in den 60er Jahren auch an der Freien Volksbühne Berlin (unter Erwin Piscator), am Theater am Kurfürstendamm Berlin (1965, unter Leonard Steckel) und am Thalia Theater Hamburg (1972/73 unter Boy Gobert).

Als Teufel und Mammon gehörte er zwölf Jahre lang zum Ensemble des Salzburger Festspiel-"Jedermann". Er führte auch mehrmals Regie, so 1979/80 bei Nestroys "Mädl aus der Vorstadt" (Akademietheater) und bei den Perchtoldsdorfer Sommerspielen.
Schweiger und Stenzel (Bild: APA/ROBERT JAEGER)
Begeisterter Hobbyfotograf und Gatte von Ursula Stenzel.
Auch im Fernsehen erfolgreich
Im Fernsehen trat Schweiger unter anderem in "Tatort"-Folgen, in den Serien "Ringstraßenpalais" (1981) und "Kommissar Rex" sowie im "Seniorenclub" auf. Zu seinen Kinoerfolgen zählen u. a. die Hauptrolle in "Franz Schubert - ein unvollendetes Leben" (1957) und Franz Antels Filmreihe "Der Bockerer" (1981, 1996, 2000, 2003).

Mit dem Fotoband "Bilder eines Schauspielers" machte sich der Hobbyfotograf, der seit 1983 in dritter Ehe mit der Bezirksvorsteherin von Wien Innere Stadt, Ursula Stenzel, verheiratet war, auch als Theaterchronist einen Namen.

Das Begräbnis soll voraussichtlich Mitte August stattfinden.
Reaktionen von SPÖ und ÖVP
Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) betrauerte den Verlust eines "vielschichtigen Charakterdarstellers, der die großen Rollen der Weltliteratur beherrschte und gleichzeitig in der Wiener Kaffeehausliteratur zu Hause war". Schweiger habe die Gabe besessen, sowohl auf der Bühne als auch im Fernsehen ein breites Publikum zu fesseln.

Schweiger sei ein begnadeter Schauspieler und unverwechselbarer Darsteller großer Charaktere gewesen, so ÖVP-Kultursprecherin Silvia Fuhrmann: "Vom einfachen Mann bis zum Grandseigneur, vom Leutseligen bis zum Polterer - er hat allen Leben eingehaucht, Stimme gegeben, Profil verliehen."
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