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MO | 13.02.2012
Proteste bei pro:woman-Empfang (Bild: ORF)
CHRONIK
Proteste bei pro:woman-Empfang
Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Ambulatoriums "Pro:Woman" versammelten sich laut Polizei rund 700 Demonstranten am Donnerstag vor dem Rathausplatz. Seit Tagen sorgte die Veranstaltung für Diskussionen.
Proteste bei pro:woman-Empfang (Bild: ORF)
Gruppierungen demonstrieren für und gegen Abtreibung.
Große Aufregung wegen kleiner Feier
Es kam zu keinen Ausschreitungen oder Zwischenfällen, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger. "Die Christen", die auf ihrer Homepage unter dem Motto "Nein zur Ehrung der Abtreibungsklinik" aufgerufen hatten, versammelten rund 350 Personen.

Ebenso viele Befürworter traten bei der Gegendemonstration unter dem Motto "Abtreibung ist Frauenrecht" auf. Unter ihnen auch die ehemalige Frauenministerin Johanna Dohnal (SPÖ).

Die Feier anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Ambulatoriums wurde in den Rathauskeller verlegt, wobei der Empfang ursprünglich im Stadtsenatssitzungssaal hätte stattfinden sollen. Die Verlegung musste laut Rathaus aus technischen Gründen erfolgen.
Proteste bei pro:woman-Empfang (Bild: ORF)
Polit-Prominenz würdigte Ambulatorium
Trotz der Proteste ging der Empfang feierlich über die Bühne. Rund 230 geladene Gäste - Mitarbeiter und Wegbegleiter des Ambulatoriums - ließen sich von den Demonstranten nicht beirren und feierten das 30-jährige Bestehen der Einrichtung.

Unter den Anwesenden war auch Ex-Frauenministerin Johanna Dohnal (SPÖ), die mit langanhaltendem Applaus von den Gästen begrüßt wurde.

Dass der Empfang einen solchen Wirbel verursachen würde, hätte sich SPÖ-Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, die Gastgeberin des Abends, nicht gedacht: "Ich habe nicht damit gerechnet, dass eine Regelung (die Fristenlösung, Anm.), die es seit fast 35 Jahren in Österreich gibt, noch immer nicht akzeptiert wird", meinte sie.
Kritik: Thema "zu ernst für Cocktailpartys".
Kardinal forderte Absage des Festes
Kardinal Christoph Schönborn hatte die Debatte ausgelöst und Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) öffentlich aufgefordert, die Feier abzusagen. Durch eine solche Veranstaltung würde deutlich gemacht, dass es "offenbar keinen Konsens im Hinblick auf den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis an gibt", so Schönborn.

Kritik kam wenig später auch von Familienstaatssekretärin Christine Marek (ÖVP). Das Thema sei "zu ernst für Cocktailpartys", richtete sie dem Rathaus aus.

Dort wurde betont, dass eine Absage des Empfangs "keine Option" sei. Stadträtin Wehsely erklärte, dass das Recht der Frau auf Selbstbestimmung und damit über ihren eigenen Körper für sie und die SPÖ unantastbar sei.
Grüne: Eingriffe in allen Spitälern ermöglichen
Im Zuge der schwelenden Diskussion wegen der Feierlichkeiten forderten die Wiener Grünen die "Entkriminalisierung" von Abtreibungen. Die Partei wünscht sich, dass Schwangerschaftsabbrüche künftig von Krankenkassen übernommen werden und diese in allen öffentlichen Spitälern möglich sind.
Ambulatorium gibt es seit 1979
Das Ambulatorium auf dem Fleischmarkt besteht seit 1979. Neben Abtreibungen werden bis heute kostenlose Beratungen etwa zum Thema Empfängnisverhütung geboten sowie Schwangerschaftstests und Sterilisationen durchgeführt.

Im Mai 2006 folgte eine Namensänderung: Seit damals heißt die Einrichtung offiziell pro:woman Ambulatorium.

Das Durchschnittsalter der betreuten Frauen liegt bei 32,3 Jahren. Allerdings stieg der Anteil der Klientinnen zwischen 14 und 19 Jahren zwischen 2005 und 2008 von vier auf zwölf Prozent.
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