Wien ORF.at
wetter.ORF.at
SO | 12.02.2012
Ottakringer (Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)
WIRTSCHAFT
Ottakringer wieder rein österreichisch
Bei der Ottakringer-Brauerei steht die Trennung vom langjährigen Miteigentümer Brau-Union/Heineken bevor. Nach mehr als elf Jahren steigen die Erzrivalen der Ottakringer aus. Zur Feier des Tages gab es Freibier für alle.
Stillschweigen über Kaufpreis. Momentan wären Anteile 17 Mio. Euro wert.
Einstieg damals als "feindlich" eingestuft
Der Ottakringer-Erzkonkurrent Brau-Union war seit mehr als elf Jahren an dem Wiener Braukonzern beteiligt. Dem vom Ottakringer-Vorstand als "Kriegserklärung" gewerteten Einstieg war damals ein familieninterner Streit von Ottakringer-Granden vorangegangen.

Die Befürchtungen waren groß, dass die Brau-Union eine Gesamtübernahme von Ottakringer schaffen könnte. Ihren Anteil von 13,43 Prozent am Grundkapital übernehmen nun die Ottakringer-Haupteigentümerfamilien.

Zu aktuellen Börsenkursen wäre das Ottakringer-Aktienpaket von Brau-Union/Heineken rund 17 Mio. Euro wert. Zum vereinbarten Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
200 Mitarbeiter und 80 Mio. Umsatz
Ottakringer hat mehr als 200 Mitarbeiter und setzt rund 80 Mio. Euro um. Sie beschreibt sich als "zweitgrößte Privatbrauerei Österreichs".
Fusion mit Vöslauer beschleunigte Ausstieg
Die Börsenhochzeit von Ottakringer mit dem Mineralwasserhersteller Vöslauer hatte die Trennung von der Brau-Union beschleunigt. Der Ausstieg wird noch per 17. September vollzogen, also vor der Sonderhauptversammlung, bei der Ottakringer Vöslauer durch Verschmelzung unter ihr Börsendach nimmt.

Das ermöglicht der Brau-Union einen Ausstieg zu einem Zeitpunkt, bevor ihr Streubesitzanteil auf 6,2 Prozent verwässert worden wäre.

Ottakringer und Vöslauer gehören bisher über eine von den Familien Wenckheim und Menz dominierte Familienholding zusammen. Diese Familienholding greift auch die frei gewordenen Aktien auf, baut damit ihre Mehrheit noch einmal aus - auf dann rund 92,46 Prozent der Stimmrechte.
Keine strategischen Partnerschaften in den vergangenen Jahren möglich.
Heineken: "Kamen keinen Schritt weiter"
Über die Trennung verhandelt hatten Ottakringer-Chef Sigi Menz und für Heineken-Zentraleuropa-Chef Nico Nusmeier und seine österreichischen Vorstandskollegen seit Monaten. "Jetzt mit Vöslauer hat es eine neue Entwicklung gegeben", sagte Nusmeier.

Der Heineken-Manager bestätigte, dass er einmal an einem Mehr an Ottakringer interessiert war. Wettbewerbsgesetze und europäisches Übernahmerecht sprachen dagegen, ebenso das Beharren der Ottakringer-Braufamilien Wenckheim und Menz auf der Mehrheit ("Unverkäuflich") und schließlich eigene Markt- und Markenüberlegungen.

"Ottakringer ist ein gutes Unternehmen, aber wir kamen keinen Schritt weiter", sagte Nusmeier. Dass der langjährige Brau-Union-Anteil für Ottakringer eine "Poison Pill" war, die die Wiener Brauer daran hinderte, andere - strategische - Partnerschaften zu finden, spielt Nusmeier heute herunter: "Vielleicht ein schlecht schmeckendes Bonbon, aber keine Poison Pill."
Rasinger: Alle gleich behandeln
Gleich nach der offiziellen Bekanntgabe, dass sich Ottakringer freigekauft hat, folgten Begehrlichkeiten vonseiten der Aktionärsschützer. Die Kleinaktionäre seien gleich zu behandeln, verlangte Wilhelm Rasinger, Chef des Interessenverbandes für Anleger (IVA).

Es wäre "nur recht und billig", den restlichen Streubesitzaktionären dasselbe Angebot zu machen wie dem qualifizierten Minderheitsaktionär, der Brau-Union, sagte Rasinger. Konzernchef Menz lud zur Feier des Tages sogar zu Freibier.
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News