Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Besetztes Baugelände am Augartenspitz (Bild: ORF)
CHRONIK
Sängerknaben klagen Besetzer
Die Sängerknaben klagen Aktivisten, die im Augartenspitz den Bau des Konzertsaals durch eine Besetzung seit Wochen verhindern. Die Rathaus-Opposition zeigt sich gespalten, die Grünen wollen eine Gegenklage prüfen.
Nach mehreren Wochen Besetzung ist die Geduld Walter Nettigs zu Ende.
Nettig: "Frauen und Kinder angepöbelt"
"Keinesfalls können und werden wir es zulassen, dass Sängerknaben und deren Familien angepöbelt und bedroht werden", so Sängerknaben-Präsident Walter Nettig in einer schriftlichen Stellungnahme. Außerdem werde der Eingangsbereich des Augartenspitzes mit Gerümpel verbarrikadiert.

Man habe die Besetzer mehrfach ersucht, ihre Aktionen abzubrechen, so Nettig: "Der fortwährende Rechtsbruch durch eine kleine Gruppe radikaler Aktivisten, die sowohl die demokratischen Spielregeln als auch die Rechtsgrundlagen unseres Staates ignorieren, hat dem internationalen Ruf Wiens bereits geschadet."
Räumungs- und Unterlassungsklagen
Der Augartenspitz sei keine öffentliche Fläche, sondern gehöre der Republik. Die Sängerknaben bezahlten dafür Miete. Seit Jahren liege eine gültige Flächenwidmung vor, das Konzertsaalprojekt sei von Stadt und Bundesdenkmalamt genehmigt, die Bewilligungen für Probebohrungen lägen vor, so Nettig weiter.

Er brachte am Mittwoch Unterlassungs- und Räumungsklagen gegen die Aktivisten ein.
Aktivisten weisen Vorwürfe zurück
Die Aktivisten sprechen von Unterstellungen. Man habe niemals Frauen und Kinder angepöbelt, so Raja Schwahn-Reichmann vom "Josefinischen Belustigungskomitee", das das Gelände besetzt hält. Die Vorwürfe seien "nachprüfbar nicht wahr".

Man werde nun entscheiden, wie man weiter vorgehe. Klar sei aber jedenfalls: "Wir werden standhaft bleiben."
Unterstützung für beide Seiten
Schützenhilfe bekommen die Besetzer von den Wiener Grünen. Planungssprecherin Sabine Gretner sprach von einer "vollkommen überzogenen und unverhältnismäßigen Reaktion" der Sängerknaben.

Die Konzerthallenbetreiber würden vor Verleumdungen und Drohungen nicht zurückschrecken und den Konflikt schüren. Gretner kündigte an, eine Verleumdungsklage einzubringen.

Schützenhilfe für die Sängerknaben kam hingegen von der ÖVP, die Verständnis für die Klagen zeigte. Es gebe gültige Verträge, so Stadtrat Norbert Walterd, die Besetzer hätten sich an den Rechtsstaat zu halten. Die Ansage der Sprecherin der Aktivisten, standhaft zu bleiben, sei eher eine Provokation als ein Beitrag zur Deeskalation.
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News