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DI | 14.02.2012
Schönborn (Bild: APA/Hochmuth)
RELIGION
Schönborn: Aus für Kirchenbeitrag denkbar
Für Kardinal Christoph Schönborn sind andere Modelle als der verpflichtende Kirchenbeitrag durchaus vorstellbar. Es fehle derzeit aber am "politischen Willen". Eine Trendumkehr beim Katholikenschwund erwartet er nicht.
Steuerliche Erleichterung von Spenden
Spenden statt Kirchensteuer: Ein Modell ähnlich dem US-amerikanischen System wäre für Schönborn eine gute Alternative. Es sollte einfach ganz massive steuerliche Erleichterungen für Spenden an die Kirchen, an die Sozialeinrichtungen etc. geben.

Das sei zwar derzeit noch lange nicht der Fall, trotzdem lobte der Kardinal die jüngste "deutliche Verbesserung in diesem Bereich", nämlich die Erhöhung des Absetzbetrags auf 200 Euro im Zuge der Steuerreform. "Das ist ein guter Schritt, aber das ist natürlich nicht genügend, um das System grundsätzlich zu ändern."
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Viel Geld für Erhaltung der Kirchen
Schönborn bemängelt auch, dass die römisch-katholische Kirche mehr an Mehrwertsteuern an den Bund zahlt, als der Bund an Subventionen für die Erhaltung der Kirchen ausgibt.

Schönborn: "Wir empfinden das als schweres Unrecht vonseiten der öffentlichen Hand, denn es ist nicht einzusehen, dass eine kleiner werdende Zahl von Katholiken in ganz Österreich die Kulturdenkmäler in Österreich erhalten soll und der Bund sich dabei eigentlich ein Geschäft macht. Das kann auf die Dauer nicht gehen."

Solange dieses System bestehe, sieht der Kardinal ebenfalls keinen alternativen Weg zur verpflichtenden Kirchensteuer. "1,1 Prozent des versteuerbaren Einkommens für die Kirche zu geben, ist wirklich nicht zu viel."
Beziehung zur Gemeinschaft der Kirche fehlen laut Schönborn.
Schwelle zum Austritt niedrig
Dass der Kirchenbeitrag primär schuld an den Austritten ist, glaubt der Kardinal nicht. "Ich glaube, der entscheidende Grund ist, dass Menschen keine Beziehung zur Gemeinschaft der Kirche haben, sie ist ihnen fremd geworden." Viele seien nicht damit aufgewachsen und hätten nur eine "vage Idee" von der Kirche.

"Wenn dann ein Erlagschein kommt, und man ihnen sagt, sie müssen 100 Euro zahlen, dann ist bei manchen die Schwelle zum Austritt sehr niedrig", so Schönborn. Auch katholische Traditionen kämen mit der jetzigen Großeltern-Generation immer mehr abhanden.

Interessant sei aber, dass die Zahl der Kircheneintritte und der Erwachsenentaufen kontinuierlich steige, so Schönborn: "Parallel zum Abbrechen der christlichen Traditionen in unserem Land nimmt die persönliche Entscheidung für diesen Weg zu."
Menschen von Evangelium überzeugen.
Eine Mission ohne Zwang
Hoffnung setzt die Erzdiözese Wien in das Großprojekt "Apostelgeschichte 2010", das im Oktober einen ersten Höhepunkt mit einer großen Diözesanversammlung erreichen wird. "Das Wort Mission sollte uns nicht schrecken. Jedes Unternehmen hat sein Mission Statement, das gehört sozusagen zur Leitbildkultur unserer Unternehmen."

Eine "Mission mit Zwang" lehnt der Kardinal vehement ab, "das kann sicher nicht das sein, was Jesus gewollt hat". Aber: "Wenn ich überzeugt bin, dass das Evangelium für mich und auch für die Gesellschaft ein guter Weg ist, dann werde ich versuchen, diesen Weg bekanntzumachen."
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