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MI | 11.04.2012
Augarten-Besetzung (Bild: APA/HERBERT P. OCZERET)
LOKALES
Nächtliche Räumaktion beim Augartenspitz
Die Besetzung des Augartenspitzes ist in der Nacht auf Mittwoch durch ein privates Sicherheitsunternehmen beendet worden. Gegner hatten dort seit August gegen den Bau des Sängerknaben-Konzertsaales protestiert.
Augartenspitz (Bild: ORF) Polizei anwesend
Die zwölf Mitarbeiter einer Security-Firma entfernten um 4.00 Uhr sieben Aktivisten, darunter den grünen Bezirksrat Peter Horn, von dem Gelände. Die Polizei sei anwesend gewesen, habe aber nicht eingegriffen.

Die Räumung war demnach um 5.21 Uhr beendet. Ermöglicht wurde die Aktion laut Polizei durch einen gültigen Bescheid der Burghauptmannschaft, der die mit den Bauarbeiten beauftragte Firma zur Räumung des Geländes ermächtigt.
Augartenspitz (Bild: APA/HERBERT P. OCZERET)
Laut Aktivisten wurde die Räumung gewaltsam vollzogen.
Gegenseitige Anzeigen
Die Besetzer sprachen nach der Räumung von einem gewaltsamen "Rauszerren". Die drei Polizeibeamten wollten von Gewaltszenen nichts mitbekommen haben, wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage von Radio Wien erklärte. Man habe nicht einschreiten müssen, es sei alles ruhig abgelaufen.

Der grüne Bezirksrat erstattete aber Anzeige wegen versuchter Körperverletzung, die Sicherheitsfirma wiederum wegen Sachbeschädigung, weil im Zuge der Räumung eine Kamera beschädigt wurde.

Georg Bürstmayr, Anwalt der Besetzer, nannte die Räumung "rechtsstaatlich seltsam". Derartige Maßnahmen seien von uniformierten Beamten durchzuführen und nicht von "vermummten, anonymen Männern", betonte Bürstmayr: "So geht das nicht in einem Rechtsstaat."
Nicht die erste Räumung
Eine erste Besetzung des Augartenspitzes war bereits Anfang Juli von der Burghauptmannschaft als Besitzer des Grundstücks beendet worden. Die Aktivisten hatten das Gelände jedoch im August erneut besetzt, um Probebohrungen zu unterbinden, die der Bauvorbereitung dienten. Mitte September hatten die Sängerknaben Unterlassungs- und Räumungsklagen gegen die Besetzer eingebracht.
Keine Aktivisten mehr am Gelände
Nachdem zunächst noch eine Aktivistin innerhalb der mit Bauzäunen umzogenen Fläche ausharrte, habe auch sie im Lauf des Tages das Areal verlassen, teilte Eva Hottenroth vom Verein "Freunde des Augartens" mit.
Konzertsaal für 380 Besucher
Visualisierung des geplanten Konzertsaals der Wiener Saengerknaben im Wiener Augarten (Bild: APA/ARCHIPEL ARCHITEKTUR + KOMMUNIKATION)
Der Konzertsaal der Sängerknaben soll im Endausbau rund 380 Besuchern Platz bieten. Auch Bereiche für Ausstellungen, einen Shop und ein Cafe sind geplant. Die Fertigstellung ist für 2011 vorgesehen. Die Baukosten werden mit zwölf Mio. Euro beziffert und von der POK Pühringer Privatstiftung finanziert.
Nur "zwei Promille des Augartens" verbaut
Der Präsident der Wiener Sängerknaben, Walter Nettig, verteidigte die Räumung des Augartenspitzes. Seit Dienstag liege der gültige Baubescheid vor. Nettig davon aus, dass der Baubeginn der Konzerthalle nach Plan verlaufen wird. Demnächst soll der Spatenstich spätestens im Frühjahr 2010 erfolgen.

Auch bei den zuvor noch nötigen Probebohrungen und Vorbereitungsarbeiten werde es keinerlei Verzögerungen geben, so Nettig.

Das Konzept, das nun umgesetzt werde, sei hervorragend und wichtig für die Sängerknaben sowie die gesamte Kulturstadt. Man verbaue mit 1.000 Quadratmetern schließlich nur zwei Promille des Augartens. Auch die Aktivisten hätten sich nun an die Regeln des Rechtsstaates zu halten.
Filmarchiv überlegt rechtliche Schritte
Betroffen von der erfolgten Räumung ist auch das benachbarte Filmarchiv. Ein Teil der vom Augartenspitz entfernten Gegenstände - etwa Zelte oder Kunstwerke von Besetzern - versperren nun die Zufahrt des Areals.

Filmarchiv-Chef Ernst Kieninger, der ebenfalls vor Ort war, sprach von Behinderungen und Einschränkungen des Betriebs. "Wir werden unsere Nutzungsinteressen notfalls auch mit rechtlichen Schritten durchsetzen", kündigte Kieninger an.
ÖVP und FPÖ begrüßen die Räumung
Die Wiener Oppositionsparteien ÖVP und FPÖ haben die Räumung des Augartenspitzes begrüßt. ÖVP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter freute sich via Aussendung über die "Durchsetzung des Rechtsstaates und Beendigung des Chaos".

Der freiheitliche Gemeinderat Toni Mahdalik meinte gar: "Ein guter Tag beginnt mit einer Augartenräumung."

Die Grüne Klubobfrau Maria Vassilakou appellierte dagegen an Bürgermeister Michael Häupl (S), in den nächsten zehn Tagen Gespräche mit den Konzertsaal-Gegnern aufzunehmen. Vassilakou kritisierte die "rüde Vorgangsweise" des privaten Sicherheitsdienstes.
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