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MI | 11.04.2012
Lueger-Statue (Bild: ORF)
KOMMUNALES
Angewandte will Lueger-Statue umgestalten
Die Universität für angewandte Kunst hat einen internationalen Wettbewerb zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals in der City in ein Mahnmal gegen Antisemitismus ausgelobt. FPÖ und ÖVP lehnen die Idee ab, die Grünen sind dafür.
Es geht nicht um die Demontage der Statue.
Künstlerischer Diskurs gestartet
"Das Thema Lueger ist in Wien kein neues", sagte der Rektor der Angewandten, Gerald Bast. Er erinnerte damit an vergangene Debatten über die Umbenennungen des Dr.-Karl-Lueger-Rings bzw. -Platzes.

Auf dem nach dem ehemaligen Wiener Bürgermeister benannten Platz beim Stubentor befindet sich auch das Denkmal. Man wolle nun einen betont künstlerischen Diskurs starten, bei dem es nicht um eine Demontage oder Zerstörung der Statue gehe, so Bast.
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Statue soll zu einem Mahnmal werden.
Ausstellung mit allen Einreichungen
Studierende schlossen sich zu einem Arbeitskreis zusammen, der einen internationalen Wettbewerb auslobte. Gesucht werden Vorschläge, wie die 1926 enthülllte Erinnerungsstätte an Lueger zu einem Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus in Österreich umgestaltet werden kann.

Projekte können bis 1. März 2010 eingereicht werden. Bis Ende März soll eine Jury, der neben Bast unter anderen der Schriftsteller Doron Rabinovici und die Künstlerin Lisl Ponger angehören, den Sieger ermitteln. Danach solle sich der Arbeitskreis für die Umsetzung einsetzen, so Initiator Martin Krenn.

Sämtliche Einreichungen sollen in einer Ausstellung und in einer Publikation präsentiert werden.
Karl-Lueger-Denkmal (Bild: ORF)
Auch Bezüge zur Gegenwart sind möglich.
"Antisemitismus als politisches Kalkül"
Das jetzige Denkmal heroisiere Lueger, hieß es bei der Präsentation der Aktion am Mittwoch. Es werde jedoch verschwiegen, "dass er das Amt aufgrund seiner populistischen und antisemitischen Hetze erreicht hat". Bei Vorschlägen zur Umgestaltung können laut den Einreichkriterien neben historischen Umständen auch Bezüge zur Gegenwart hergestellt werden.

Die Historikerin Heidemarie Uhl gehört neben Robert Schindel, Barbara Albert und Isolde Charim dem Unterstützungskomitee der Aktion an. Sie verwies darauf, dass der 1844 geborene Lueger "Antisemitismus als politisches Kalkül" eingesetzt habe.

Zudem habe der Gründer der Christlichsozialen Partei, der von 1897 bis zu seinem Tod 1910 Wiener Bürgermeister war, das Mittel der Ausgrenzung salonfähig gemacht.
Grüne wollen auch andere Straße umbenennen.
Grüne: Platz soll auch umbenannt werden
"Wir unterstützen den Wettbewerb der Angewandten für eine Umgestaltung des Lueger-Denkmals. Wir regen seit Jahren an, auch den Lueger-Ring und den Lueger Platz umzubenennen", so die Kultursprecherin der Grünen Wien, Marie Ringler.

Lueger sei Antisemit und damit ein Wegbereiter des Nationalsozialimus. "Leider ist Lueger nicht der einzige Antisemit, nach dem eine Gasse in Wien benannt ist. Auch die Stauracz-Gasse im 5. Bezirk ist immer noch nach dem Antisemiten Franz Stauracz benannt", so Ringler.
Leistung des Bürgermeisters Lueger nicht schmälern.
FPÖ: Hände weg vom Denkmal
Die FPÖ sprach sich in einer Aussendung gegen eine Umgestaltung des Denkmals aus und sprach von einer "ideologisch motivierten Denkmalstürmerei". FPÖ-Abgeordnete Veronika Matiasek forderte Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) auf, einzuschreiten.

"Das im Jahre 1926 zu Ehren Luegers errichtete Denkmal sei aus seiner Zeit heraus zu verstehen und müsse in dieser Form auch weiter bestehen bleiben", hieß es in der Aussendung. Lueger habe als Bürgermeister Wiens unglaublich viel geleistet. Dies sei auch von politisch Andersdenkenden so zu akzeptieren.
Um Entwicklung der Stadt verdient gemacht.
ÖVP: "Kein adäquates Mittel"
"Der Antisemitismus Luegers ist selbstverständlich eindeutig klar und entschieden zu verurteilen und abzulehnen. Zweifellos hat er sich aber als großer Bürgermeister auch um die Entwicklung der Stadt Wien verdient gemacht", so ÖVP-Wien- Kultursprecher Franz Ferdinand Wolf.

Die Umgestaltung des Lueger-Denkmals sei aber kein adäquates Mittel, den Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts mit Totalitarismus und Holocaust gerecht zu werden. Aufklärende Informationen bei entsprechenden Denkmälern wären für das Geschichtsbewusstsein der Stadt wesentlich zielführender, so Wolf.
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