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SO | 12.02.2012
Protestzug in Wien gegen Ermordung koptischer Christen (Bild: ORF)
CHRONIK
Demo gegen "Christenermordung in Ägypten"
Der Ring ist am Donnerstagnachmittag wegen einer Großdemonstration gesperrt gewesen. Rund 800 Teilnehmer versammelten sich, um auf die "Ermordung und Unterdrückung" von Kopten in Ägypten aufmerksam zu machen.
Protestzug in Wien gegen Ermordung koptischer Christen (Bild: ORF)
Mit Särgen, Kruzifixen und Bildern des Blutbades vom 6. Jänner gegen die "Christenermordung" in Ägypten.
"Wir fordern Glaubensfreiheit"
15 Tage nach dem Anschlag vor einer Kirche in Oberägypten zum koptischen Weihnachtsfest, bei dem acht Kopten getötet und sieben weitere verletzt wurden, gingen in Wien rund 800 Demonstranten auf die Straße.

Mit Särgen auf den Schultern, Kruzifixen und Bildern des Blutbades marschierten die Demonstranten die Ringstraße entlang und machten ihrem Unmut gegen die Verfolgung der Christen in Ägypten Luft. "Christenermordung in Ägypten" und "Wir fordern Glaubensfreiheit und Gleichberechtigung" war auf den Plakaten zu lesen.

Von dem Aufmarsch erhoffen sich die österreichischen Kopten mehr Aufmerksamkeit in der Bevölkerung, vor allem aber auch die Aufmerksamkeit der Europäischen Union.
Protestzug in Wien gegen Ermordung koptischer Christen (Bild: ORF)
Manifest als Druckmittel erstellt
"Wir haben ein Manifest erstellt, das der EU als Druckmittel gegen die ägyptische Regierung dienen soll", so William Tadros, Sprecher der koptischen Gemeinde Österreichs. Das Manifest wurde im Rahmen der Abschlusskundgebung vor dem Haus der Europäischen Union an Richard Kühnel, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, übergeben.

Die konkreten Forderungen der koptisch-orthodoxen Kirche beinhalten gerechte Strafen für die Täter und Hintermänner der Massaker, die Entschädigung der Opfer und Hinterbliebenen sowie eine Entschuldigung der Regierung und insbesondere des Innenministers, welcher laut Tadros für das Versagen der Sicherheitskräfte verantwortlich sei.
"Es wird zu wenig für die Kopten gemacht"
Seit den 1980er Jahren kommt es immer wieder zu Übergriffen gegen koptische Christen in Ägypten. "Es wird zu wenig für die Kopten gemacht. Wir setzen uns für die Einhaltung der Menschenrechte, Religionsfreiheit und Minderheitenschutz ein", erklärte Tadros.

Seit das islamische Recht (Sharia) unter dem früheren Staatspräsidenten Anwar as-Sadat als einzige Quelle der Gesetzgebung eingeführt wurde, seien die Kopten rechtlich nicht mehr geschützt und somit zu Bürgern zweiter Klasse geworden.

Von der koptischen Gemeinschaft wird vor allem die fehlende Unterstützung des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak bemängelt.
Massaker als Auslöser für Demo in Wien
Bei dem jüngsten Massaker in am 6. Jänner, dem Vorabend des koptischen Weihnachtsfestes, haben muslimische Fanatiker nach der Messe in einer Kirche in Nag Hammadi acht koptische Christen und einen muslimischen Polizisten erschossen. Es war dies der folgenschwerste Angriff seit der Attacke von El Kosheh in der Silvesternacht 2000/2001, bei dem 21 Kopten die Kehle durchgeschnitten wurde.

Die Kopten umfassen gemeinsam mit anderen christlichen Minderheiten rund 15 Prozent der ägyptischen Bevölkerung. In Österreich zählt die koptisch-orthodoxe Kirche derzeit zwischen 5.000 und 6.000 Anhänger. 3.000 davon leben in Wien. Seit dem Jahr 2003 gilt die koptisch-orthodoxe Kirche in Österreich als gesetzlich anerkannte Kirche.
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