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MI | 11.04.2012
Wiens erster Bücherschrank wird enthüllt (Bild: ORF/Sandra Knopp)
CHRONIK
Wiens erster "offener Bücherschrank"
Bonn, Berlin, Mainz und Graz hatten schon einen. Nun hat auch Wien einen offenen Bücherschrank bekommen. Er wurde am Freitag in Wien-Neubau eröffnet und ist ein Projekt des 1973 in Wien geborenen Künstlers Frank Gassner.
Offener Bücherschrank (Bild: ORF/Sandra Knopp)
Zum Anfang mit Kochbüchern, Surf-Basisliteratur und Michael Köhlmeier bestückt.
Gegenmodell zu "Kommerzkäse"
"Der öffentliche Raum ist in Wien großteils geprägt von Kommerzkäse", sagte Gassner bei der Eröffnung seines Gegenmodells. 24 Stunden am Tag ist der Bücherschrank an der Ecke Zieglergasse/Westbahnstraße in Wien-Neubau geöffnet.

Gut bestückt durch die Spende einer "leider ungenannt bleiben wollenden Institution" befanden sich Werke wie Michael Köhlmeiers "Idylle mit ertrinkendem Hund", Kochbücher und ein Einführungswerk zum Thema Surfen und die "Öko-Bilanz Österreich" in den Regalen.

Der Bücherschrank steht schief. Dadurch würde ein besserer Witterungsschutz erreicht, die Bücher nicht so leicht umfallen und die Türen leichter schließen. Gassner errichtete ihn ohne öffentliche Gelder.
Aufkleber signalisiert Ausscheiden aus dem Warenkreislauf.
Dauerhaftes Geben und Nehmen
Der offene Bücherschrank beruht auf dem Prinzip von Geben und Nehmen: Der Bücherschrank ist immer offen. Jeder kann, ganz ohne irgendwelche Anmeldungen und Kosten, Bücher herausnehmen und hineinstellen. Rund 250 Bücher sollen in den Schrank passen.

Gassner will damit im Laufe der Zeit erreichen, dass sich der Bücherschrank quasi autark erhält. Neu eingestellte Bücher bekommen einen Aufkleber, mit dem symbolisiert werden soll, dass die Bücher "dauerhaft dem Warenkreislauf, also dem Tausch gegen Geld, entzogen sein sollen", heißt es auf der Website des Betreibers.
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Betreiber hofft, dass sich die Idee in Wien bewährt.
Aktion bis 11. Juni beschränkt
Das Projekt ist vorerst bis 11. Juni des Jahres beschränkt. Dann läuft die Genehmigung des Bezirks ab. Gassner rief auf seiner Website allerdings dazu auf, sich beim Bezirk für eine Verlängerung der Aktion einzusetzen.

Die Idee eines "offenen Bücherschranks" ist vor allem im deutschsprachigen Raum nicht neu. Ähnliche Initiativen gab bzw. gibt es etwa in Bonn, Mainz und Berlin. Auch in Graz gab es Anfang der 1990er Jahre bereits eine "offene Bibliothek". "Es besteht also die Möglichkeit, dass es auch in Wien funktioniert", gab sich Gassner zuversichtlich.
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