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MI | 11.04.2012
Rodungsarbeiten im Augarten (Bild: ORF)
CHRONIK
Baubeginn: "Alarmstufe Rot" im Augarten
Am Montag haben die Bauarbeiten an dem Konzertsaal für die Wiener Sängerknaben im Augarten begonnen. Die Gegner des Projekts riefen "Alarmstufe Rot" aus, besetzten Bäume und Baugelände. Die Polizei schritt ein.
Aktivisten banden sich auf Bäumen fest.
Acht Baumbesetzer auf Baugelände
Acht Aktivisten waren im Laufe des Vormittags auf Bäume im Augartenspitz geklettert. Die in der Früh begonnenen Rodungsarbeiten waren einige Stunden unterbrochen, wurden dann aber wieder aufgenommen. Die Polizei ging nicht gegen die Baumbesetzer vor.

Sehr wohl aber wurden jene Personen vom Baugrund entfernt, die zu Fuß in das Areal eingedrungen waren. Dabei hatten sie einen Bauzaun überwunden. Eine etwa 70 Jahre alte Frau, die Polizisten vom Grundstück weggetragen hatten, klagte danach über Schmerzen und Herzprobleme. Die Rettung brachte die Frau ins Krankenhaus.

Unterstützung bekamen die Aktivisten am Nachmittag von rund 15 Personen, die das Baugelände stürmten und eine Menschenkette bildeten. Die Demonstranten wurden von der Polizei von dem Areal entfernt.
Gegner des Konzertsaal-Projekts (Bild: ORF) "Kulturlose Institution"
Trotz der Proteste begannen Arbeiter, die Äste der Bäume abzusägen. Lautstark forderten die Aktivisten, die Bauarbeiten einzustellen. Eva Hottenroth, Sprecher in des Vereins Freunde des Augartens über die Vorgehensweise der Wiener Sängerknaben: "Die wollen über uns drüberwalzen, das ist eine kulturlose Institution."

Für Dienstag ist laut der Bürgerinitiative eine Pressekonferenz mit prominenten Unterstützern geplant.

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Gespräche mit Gegner führten laut Sängerknaben zu nichts.
"Keine Verschiebung mehr möglich"
Die Sängerknaben betonten, nichts gegen jene Menschen unternehmen zu wollen, die auf die Bäume geklettert waren. Es solle niemand gefährdet werden. "Wir hoffen weiterhin auf Vernunft und die Einsicht der Gegner, sich mit ihren Argumenten und Forderungen nicht durchgesetzt zu haben", sagte ein Sprecher der Sängerknaben.

"Wir dürfen, wollen und werden bauen", hatte es Montagfrüh in einer kurzen Stellungnahme der Sängerknaben zum Baubeginn geheißen. Arbeiter begannen damit, die Baustelle einzurichten. Eine weitere Verschiebung der nächsten Schritte sei nicht mehr möglich. Umpflanzungen und Fällungen müssten jetzt erfolgen.

Laut dem Sprecher der Errichtungsgesellschaft, Paul Ferstel, wurde öfters versucht, mit den Gegnern über die Bauphase zu reden, doch vergeblich: "Wann immer wir Anläufe genommen haben, darüber zu reden, mussten wir feststellen, dass das zu nichts führt."
Grünen-Kritik an Polizei, FPÖ-Kritik an Protest
Die Wiener Grünen bezeichneten das Vorgehen von Polizei und Bauverantwortlichen gegenüber den Demonstranten als "unverhältnismäßig hart". Sie forderten Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) auf, Sängerknaben-Präsident Walter Nettig und die Augartenschützer endlich an einen Tisch zu bringen, statt massiv Polizei anrücken zu lassen.

Ganz anders der Obmann der FPÖ-Leopoldstadt, Wolfgang Seidl. Der neue Konzertsaal verfüge über alle notwendigen Genehmigungen. Sollten die "grüngesteuerten Berufsdemonstranten" die Bauarbeiten weiter verzögern, sollten sie mit Schadenersatzklagen "eingedeckt" werden, hieß es in einer Aussendung am Montag.
"Dr.-Eugen-Jesser-Saal" mit 380 Plätzen
Das Musikzentrum der Sängerknaben hätte bis Ende 2009 fertiggestellt sein sollen. Allerdings hatten nicht nur das benachbarte Filmarchiv, das den Standort für eigene Zwecke nutzen wollte, und das Denkmalamt Einspruch erhoben. Der vorgesehene Abriss des Pförtnerhauses und eines Teils der Augartenmauer war nicht genehmigt worden.

Der Konzertsaal wurde verkleinert. Die Planungen sehen nun 380 statt mehr als 400 Sitzplätze für den nach dem Vorgänger Nettigs als Sängerknaben-Präsident benannten "Dr.-Eugen-Jesser-Saal" vor.
Visualisierung des geplanten Konzertsaals der Wiener Saengerknaben im Wiener Augarten (Bild: APA/ARCHIPEL ARCHITEKTUR + KOMMUNIKATION)
Langer Streit um Konzertsaal
Der Streit zwischen Sängerknaben und Bürgerinitiativen dauert bereits seit Monaten an. Zuletzt sollte es Mitte Februar ein Treffen geben, um Probleme zu erörtern. Der Termin war jedoch gescheitert, worauf Walter Nettig, Präsident der Sängerknaben, gegenüber der APA ankündigte, am projektierten Musikzentrum nicht mehr rütteln zu wollen.
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