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CHRONIK |
12.03.2010 |
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Missbrauch: Sängerknaben prüfen Vorwürfe
Die Wiener Sängerknaben wollen die von zwei Ex-Mitgliedern erhobenen Missbrauchsvorwürfe prüfen. Auch eine Hotline wird eingerichtet. Einer der Betroffenen schilderte gegenüber "Wien heute", was damals vorgefallen sein soll.
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Hand auf den Oberschenkel gelegt
Von einem Kapellmeister, der ihm während einer Busfahrt eine Stunde lang die Hand auf den Oberschenkel gelegt habe, berichtete ein heute 51-jähriger Psychologe in der Tageszeitung "Der Standard". Er bestätigte seine Vorwürfe auch persönlich gegenüber "Wien heute".
"Eine Geschichte, die ich selber erlebt habe, ist, dass sich mein Chorleiter neben mich gesetzt hat bei einer Busfahrt und dann eine Stunde lang, ich habe das jedenfalls als wahnsinnig lange in Erinnerung, seine sehr große Hand, er war ein sehr guter Klavierspieler, seine große Hand auf meinen Oberschenkel gelegt hat. Ich habe mich dann nicht rühren getraut und nicht aufstehen getraut, es war eigentlich eine unangenehme Situation, die ich selber nicht lösen konnte", sagte der Mann.
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Übergriffe in den 60er und 80er Jahren. |
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Erzieher und ältere Schüler beschuldigt
Ein heute 33-jähriger Arzt berichtete zudem im "Standard" (Freitag-Ausgabe) von Duschritualen unter Anwesenheit der Präfekten. Von einem älteren Schüler sei er als Neunjähriger während einer US-Tournee in einem Zimmer zu oralem Sex gezwungen worden.
Die Vorwürfe der beiden ehemaligen Sängerknaben reichen in die 1960er und 1980er Jahre zurück. Die Sängerknaben sollen demnach durch Kapellmeister, Erzieher und ältere Schüler gequält worden sein.
Die beiden früheren Sängerknaben sprachen von einer "Terror- und Angstatmosphäre" sowie extrem autoritären Strukturen. Ein Betroffener forderte "Aufklärung und Wiedergutmachung", etwa durch die Bezahlung von Psychotherapien.
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Archive werden geöffnet, Betroffene sollen sich melden. |
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"Noch keine konkreten Aussagen möglich"
Es seien noch keine konkreten Aussagen zu den Fällen möglich, teilten die Sängerknaben in einer Stellungnahme mit. Die derzeit vorliegenden Angaben würden keine Zuordnung zu einem einzelnen Chor oder einer einzelnen Klasse ermöglichen. "Auch wenn wir uns daher nicht im Detail damit auseinandersetzen können, ist es uns dennoch bewusst, dass es in der Vergangenheit zu Fällen von Missbrauch gekommen sein kann", hieß es.
Die Vorwürfe, die Jahrzehnte zurücklägen, würden auf jeden Fall geprüft. Akten würden nun im Archiv ausgehoben. "Wir hoffen, dass sich allfällig betroffene Personen entweder direkt oder über eine Person ihres Vertrauens mit uns in Verbindung setzen", hieß es.
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Die Hotline ist unter 01/216 38 42 45 erreichbar. Mit saengerknaben_hotline@live.at wurde auch eine spezielle E-Mail-Adresse für Betroffene eingerichtet.
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Sängerknaben: Alle pädagogischen Richtlinien laufend aktualisiert. |
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Reihe von Vorsichtsmaßnahmen
"Wir können die Vorfälle nicht ungeschehen machen", wurde bei den Sängerknaben betont und gleichzeitig auf aktuelle Maßnahmen verwiesen: So würden alle pädagogischen Vorgaben und Richtlinien der Wiener Sängerknaben laufend dem aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst.
Sämtliche mit der Betreuung der Kinder befassten Erzieher müssen demnach eine entsprechende pädagogische Ausbildung vorweisen, Supervision gehöre zum selbstverständlichen Angebot.
Immer wieder hat es bei den Sängerknaben Gerüchte über sexuellen Missbrauch gegeben. Laut Sängerknaben-Präsident Walter Nettig hätten aber alle bisherigen Vorwürfe nicht gestimmt.
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wien.ORF.at; 11.3.10
Seitdem immer mehr Missbrauchsfälle in der Kirche bekanntwerden, laufen bei den Ombudsstellen der Erzdiözesen die Telefone heiß. In Wien wurden bisher fast so viele Anrufe registriert wie im gesamten Vorjahr.
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