Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Demonstration (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
POLIZEI
Nigerianische Fußballspieler abgeschoben
Jene zwei Nigerianer, die bei einem Fußballtraining des FC Sans Papiers in Wien festgenommen worden waren, sind am Dienstag abgeschoben worden. Die Demonstrationen gegen die Abschiebung blieben damit wirkungslos.
Proteste noch auf Flughafen
Die beiden seien aufgrund negativer Asylbescheide zusammen mit 19 anderen Personen abgeschoben worden, erklärte der Direktor der Bundespolizeidirektion Schwechat, Leo Lauber, am Dienstagabend auf APA-Anfrage.

Auch auf dem Flughafen protestierten noch 35 Personen friedlich dagegen. Bereits zu Mittag hatte es eine etwa größere Kundgebung gegeben.
"Solidarität" gefordert
Treffpunkt für die Teilnehmer war das Polizeianhaltezentrum (PAZ) Roßauer Lände, wo sie mit Transparenten den Verkehr blockierten. Von dort ging es dann in Richtung Schwedenplatz, weiter über den Ring zum Schwarzenbergplatz und dann in Richtung Laxenburger Straße zum Asylgerichtshof.

Die Demonstranten forderten auf ihren Plakaten "Solidarität" sowie die Abschaffung von Abschiebungen. "No border, no nation, stop deportation", riefen sie unter anderem. In das Trommel- und Pfeifkonzert der Marschierenden stimmten auch noch die verärgerten Autofahrer mit ihren Hupen ein.

Bei der Behörde angekommen, habe man die Forderung nach dem Bleiberecht für die Betroffenen deponiert, erklärte der Obmann des Fußballvereins, Di-Tutu Bukasa, gegenüber der APA.
Demo (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
Demo (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
Polizei verstärkt Einsatz
Die beiden Nigerianer waren am Donnerstag bei einem Fußballtraining des FC Sans Papiers in Wien-Hernals festgenommen worden. Bei den beiden handelt es sich um einen 25-Jährigen, der sich seit August 2002 in Österreich aufhielt, und einen 21-Jährigen, der seit Juli 2004 im Land war.

Um einen störungsfreien Abtransport zu gewährleisten, "war die Polizei mit entsprechendem Personaleinsatz vor dem Schubhaftzentrum", erklärte Polizeisprecher Roman Hahslinger vor Journalisten.
Vorwurf des Rassismus gegen Behörden
Bukasa warf den Behörden bei den Verfahren gegen Nigerianer mangelnde Objektivität und Rassismus vor. Auch am Mittwoch ist eine Kundgebung in Wien geplant.

Der Grünen-Gemeinderat und Sprecher von Grüne Andersrum, Marco Schreuder, verwies auf die Homosexualität eines Schubhäftlings.

"Er ist aus dem Norden Nigerias geflohen, einem Gebiet, in dem die islamistische Scharia gilt. Einen schwulen Asylwerber in ein Land mit Scharia-Recht abzuschieben kann für homosexuelle Menschen das Todesurteil bedeuten. Das ist völlig inakzeptabel", so Schreuder.

In Nigeria wird Homosexualität mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft, in zwölf nördlichen Bundesstaaten droht sogar die Todesstrafe durch Steinigung.
Demo in Hernals (Bild: APA/Herbert Neubauer) Demonstration gegen Abschiebung
Bereits am Donnerstagabend hatten rund 250 Demonstranten auf dem Hernalser Gürtel gegen die Überstellung eines der Männer vom Polizeianhaltezentrum Hernals ins Anhaltezentrum Roßauer Lände protestiert.

Die Versammlung wurde von der Exekutive aufgelöst, wobei 42 Personen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz vorläufig festgenommen wurden. Aufgrund der Demo musste ein Fahrstreifen auf dem Gürtel gesperrt werden, was einen Stau zurück bis zur Mariahilfer Straße zur Folge hatte.

Am Samstag kam es erneut zu Demonstrationen für das Bleiberecht. Bei einer davon wurden fünf Personen vorläufig festgenommen.
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