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MO | 13.02.2012
Bull Terrier während einer "Hundeführschein-Prüfung" (Bild: APA/Robert Jäger)
POLITIK
Kritik an Hundeführschein reißt nicht ab
ÖVP, Grüne und FPÖ haben erneut den seit vier Wochen in Wien geltenden Hundeführschein ins Visier genommen. Das Tierschutzhaus will "intelligente Lösungsvorschläge", die SPÖ ein "Resozialisierungsprogramm" für Problemhunde.
Rasseliste "willkürlich zusammengesetzt".
ÖVP: "Zurück an den Start"
"Das Gesetz ist ein Murks", und "Hier ist ein Schnellschuss passiert": Matthias Tschirf, Klubobmann der Wiener ÖVP, fand klare Worte. Seine Kritik richtet sich besonders an die Rasseliste, die "willkürlich zusammengestellt" worden sei. So finde sich etwa der Schäferhund nicht auf der Liste, "warum auch immer", obwohl es immer wieder Probleme mit dieser Rasse gebe.

Die ÖVP erwarte sich eine länderübergreifende Regelung und die Herabsetzung des Mindestalters für Prüflinge beim Hundeführschein von 16 auf 14 Jahre. Zudem müssten in dem Gesetz Absurditäten beseitigt werden. Derzeit könne im Krankheitsfall des Führscheinbesitzers nicht einmal ein Familienmitglied mit dem Tier ins Freie gehen. Das Motto sei "Zurück an den Start", so Tschirf.
Rasseregelungen seien nicht durchführbar.
Grüne: "Von Anfang an falsch angepackt"
"Die SPÖ hat dieses Gesetz durchgezogen, obwohl sich die kritischen Stimmen im Vorfeld gehäuft haben", sagte die Klubobfrau der Wiener Grünen, Maria Vassilakou. Der Hundeführschein für einzelne Rassen mache einfach keinen Sinn und sei nicht durchführbar. In anderen Ländern seien Rasseregelungen wieder abgeschafft worden.

Auch Vassilakou vermisste den Schäferhund auf der Rasseliste, obwohl dieser zu starken Aggressionen neige. Zudem sei eine Zuordnung bei Mischlingen schwer durchführbar. "Der Hundeführschein wurde von der SPÖ von Anfang an falsch angepackt", so Vassilakou. Er müsse für alle Hunderassen gelten.
Klage gegen den Hundeführschein eingebracht.
FPÖ: Führschein für alle Hundebesitzer
"Nicht der Hund ist gefährlich, sondern der Besitzer, der diesen zu einem sogenannten 'Kampfhund' ausbildet", so FPÖ-Gemeinderat Herbert Madejski. Es wäre sinnvoller, einen Führschein für alle Hundebesitzer vorzuschreiben, wobei eine Gewichtsbeschränkung der Tiere angedacht werden könnte.

Er sei dagegen, einzelne Rassen zu diskriminieren, so Madejski. Aber auch er vermisste den Schäferhund sowie den Dobermann auf der Rasseliste. Er verwies auf eine Klage beim Verfassungsgerichtshof, die die FPÖ am 2. Juli eingebracht habe. Die Häupl-SPÖ habe die Diskussion völlig aus dem Ruder laufen lassen.
Tierschutzhaus überfüllt
Aus dem Tierschutzhaus heißt es dazu, es gehe "gerade noch irgendwie". Derzeit kümmere man sich um 180 Hunde jener Rassen, die vom Hundeführschein betroffen sind. Zu Weihnachten seien es noch rund 120 gewesen. Die politische Debatte und die aufgeheizte Stimmung rund um den Hundeführschein hätte manchen Hunden ein derart schlechtes Image verpasst, dass viele von ihnen abgegeben wurden und nun nicht mehr vermittelbar seien.

"Wir erwarten uns von Niederösterreich und Wien intelligente Lösungsvorschläge", sagte ein Sprecher des Tierschutzhauses. Es könne nicht sein, "dass ein privates Tierheim das schultern muss".
Spezielles Training soll Kampfhunde wieder vergabetauglicher machen.
SPÖ kündigt "Resozialisierungsprogramm" an
Die SPÖ verwies in ihrer Reaktion auf das Ergebnis der Volksbefragung. Gemeinderat Erich Valentin sagte, es sei erstaunlich, wie vehement ÖVP und FPÖ die Umsetzung eines Bevölkerungswunsches torpedieren würden. Der Hundeführschein solle Ängste nehmen und Risiken minimieren. Laut Valentin wurden bisher 540 Hundeführscheine beantragt, die Helpline verzeichne täglich rund 100 Anrufe zu dem Thema.

Valentin kündigte zudem ein Pilotprojekt zur "Resozialisierung" von Problemhunden an. Wiener Tierschutzverein und Tierschutz-Ombudsstelle Wien sollen mit wissenschaftlicher Unterstützung ein Programm dafür entwickeln. Ziel solle sein, dass die Hunde durch gezieltes Training Vertrauen in ihre zukünftigen Halter gewinnen. Dadurch solle auch die Tiervergabe verbessert und beschleunigt werden.
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