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MO | 13.02.2012
Ravidass-Prozess mit Zeugenbefragung fortgesetzt (Bild: ORF)
JUSTIZ
Ravidass-Prozess: Guru im Zeugenstand
Im Straflandesgericht sind am Freitag im Prozess um die Schießerei in einem Tempel der Ravidass-Gemeinschaft in Rudolfsheim die ersten Zeugen vernommen worden. Auch der damals angeschossene Guru wurde befragt.
68-jähriger Guru hatte Anschlag schwer verletzt überlebt.
Aussage unter hohen Sicherheitsvorkehrungen
Von einem Großaufgebot an Wega-Beamten bewacht betrat der Guru Sant Niranjan Dass knapp nach 13.00 Uhr den Verhandlungssaal. Unter den Zuhörern befanden sich zahlreiche Anhänger der Ravidass-Gemeinschaft, die sich beim Eintritt ihres ranghohen Würdenträgers, der im Unterschied zu Guru Sant Rama Nand den Anschlag in dem Tempel überlebt hatte, von ihren Sitzen erhoben.

Der 68-Jährige segnete die Anwesenden, ehe er sich mühsam zum Zeugenstand schleppte. Inhaltlich dürfte der Zeugenauftritt des Gurus für das Verfahren keine wesentlichen Aufschlüsse erbracht haben.

Sant Niranjan Dass machte einen angeschlagenen Eindruck und beantwortete zahlreiche Fragen - so etwa nach seinem Geburtsdatum oder nach Differenzen zwischen seiner Glaubensrichtung und den Regeln der Sikh - mit "Ich weiß es nicht".
Einvernahme nach 30 Minuten beendet
"Wir haben gebetet. Kurze Zeit später sind Schüsse gefallen. Ich bin ohnmächtig geworden. Ich weiß gar nicht, was passiert ist", erinnerte er sich an die Situation in dem Tempel. Ein Mann habe sich ihm unmittelbar vor den Schüssen angenähert: "Ich habe geglaubt, dass er sich verbeugen wollte. Da hat er sich aufgestellt und im Stehen geschossen."

Der 68-Jährige war - nachdem er im Spital versorgt wurde - zurück nach Indien geflogen. Er reiste nun extra an, um seine Aussage zu machen. Auf die Frage, ob er noch an Beschwerden leide, erwiderte der Guru: "Ich habe Schmerzen. Ich kann nicht längere Zeit gehen. Ich nehme Medikamente."

Von den Angeklagten - der mutmaßliche Haupttäter soll die Schüsse abgebeben, fünf Mitangeklagte ihn insofern unterstützt haben, als sie mit Dolchen und Fäusten auf gläubige Ravidass losgingen, um ihm die Flucht aus dem Tempel zu ermöglichen - erkannte der Sant Niranjan Dass keinen wieder. Er konnte auch keine Personsbeschreibung des Angreifers und seiner Helfer abgeben. Nach rund 30 Minuten war die Einvernahme beendet.
Prozess gestaltet sich schwierig
Bereits am Vormittag wurden drei Zeugen befragt - unter ihnen Gurbhej Singh, der Vereinsobmann des Sikh-Tempels in der Langobardenstraße in Wien-Donaustadt.

Bei einer Polizeieinvernahme hat er die Angeklagten teilweise belastet - an diese Aussagen konnte er sich heute nicht mehr erinnern und hat den damaligen Dolmetscher beschuldigt, dass er etwas falsch verstanden habe. Die Staatsanwältin hat dem Mann dann mit einem Verfahren wegen falscher Zeugenaussage gedroht.Außerdem hat der Vereinsobmann auch den mutmaßlichen Haupttäter plötzlich nicht mehr wieder erkannt.

Bis jetzt war der Prozess für die Richterin und die Geschworenen ein hartes Stück Arbeit, weil die Befragten mehrmals angegeben haben, sich an nichts erinnern zu können. Auch die Sprachunterschiede und sie strenge4n Sicherheitsvorkehrungen erschweren die Arbeit vor Gericht.
Urteil frühestens Ende September
Bei den tumultartigen Auseinandersetzungen in dem Ravidass-Tempel in der Pelzgasse waren am 24. Mai 2009 die aus Indien angereisten Gurus Sant Rama Nand und Sant Niranjan Dass getötet bzw. schwer verletzt wurden.

Hintergrund der Bluttat, deretwegen sich nun sechs Sikh wegen vollendeten und versuchten Mordes vor Geschworenen verantworten müssen, sollen religiöse Meinungsverschiedenheiten gewesen sein.

Der Prozess, in dem es für die Angeklagten um zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft geht, wird am kommenden Montag fortgesetzt.
Ein Urteil könnte frühestens Ende September fallen.
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