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MI | 11.04.2012
Aktion "The Wall" Ecological Continuum Initative (Bild: WWF)
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Tierschutzmauer versperrt Schwedenplatz
Die Errichtung eines "Alpen-Karpaten-Korridors" ist das Ziel der heutigen "Mauer-Aktion" am Schwedenplatz. Die Mauer, die seit heute Früh den Platz versperrt, soll die Hürden zeigen, die der Mensch den Wildtieren entgegensetzt.
Die "Mauer-Aktion" soll auf die Lebensraum-Zerschneidungen aufmerksam machen.
Verkehrswege behindern Wildtiere
"Mit der Aktion soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass Wildtiere auf ihren Wanderungen an den Verkehrssperren, Schnellstraßen und Bahntrassen der Menschen scheitern", erklärte Claudia Mohl vom Verein World Wide Fund For Nature (WWF).

Mit der "Tierschutz-Mauer", die unter anderem vom WWF ins Leben gerufen wurde, soll auf die Probleme und die Lösungen der Lebensraum-Zerschneidungen aufmerksam gemacht werden.

Herzstück der Aktion ist das Plädoyer für einen biologischen "Alpen-Karpaten-Korridor", so Mohl. Damit könnte den Wildtieren ein Lebensraum von 150 Kilometern bereitgestellt werden, auf dem sie sich frei bewegen können." Auch könne der genetische Austausch von Pflanzen und Tieren so garantiert werden.
Wien ist nicht allein
Aktion "The Wall" Ecological Continuum Initative (Bild: WWF)
Noch bis 18.00 Uhr ist die Installation auf Franz Josefs Kai/Ecke Hafnersteig zu sehen, bevor sie wieder abgebaut wird. Auch in Ljubljana, Zürich, München, Mailand und Lyon werden heute 13 Meter lange Mauern errichtet, um zu zeigen, wie ernst es um die Lebensräume von Wildtieren steht.
Karte Alpen-Karpaten-Korridor-Projekt (Bild: WWF) Zerschnittene Migrationsroute
"Ursprünglich konnten die Wildtiere in den Alpen und Karpaten ungestört wandern", erklärt Mohl. "Diese Migrationsroute reicht von den östlichen Ausläufern der Alpen, über das Rosaliengebirge, das Leithagebirge, den Maria Ellender Wald, die Donau- und Marchauen bis zu den Kleinen Karpaten." Damit quert sie den Raum zwischen
Wien, Bratislava und Sopron.

Vier Autobahnen und Schnellstraßen zerschneiden heute den ehemals geschlossenen Wanderkorridor. Nur die S4 wurde bisher mit einer Grünbrücke durchgängig gestaltet.

Die Folgen: "Wenn die Wanderung durch Barrieren verhindert wird, kann das zur genetischen Verarmung und zum Aussterben
kleinerer Populationen führen", so Mohl. Intakte Inseln in der Kulturlandschaft, wie der Nationalpark Donau-Auen, können auf sich alleine gestellt die genetische Vielfalt nicht sichern.
Das Alpen-Karpaten-Korridor-Projekt läuft von 2009 bis 2012.
Engpass für die Natur
Ein Vergleich: In Österreich ist das Straßennetz 270.000 Kilometer lang, die Länge aller Fließgewässer beträgt hingegen nur rund 100.000 Kilometer. "Es wird eng für die Natur", warnt Gerhard Egger vom WWF-Alpen-Karpaten-Korridorprojekt.

Zudem ist die "Abstimmung kompliziert, obwohl das Thema 'Green Infrastructure' in der EU gerade derzeit ein großes Thema ist. Wir laufen immer wieder gegen Barrieren, wenn es um Vernetzung geht", berichtet Professor Chris Walzer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie an der Uni Wien.

Das Projekt will nun den Korridor für Wildtiere wieder durchgängig machen. Es hat eine Laufzeit von 2009 bis 2012.
Umbauten in Österreich und der Slowakei
Auf österreichischer Seite wird dafür an der
Ost-Autobahn (A4) eine neue Grünbrücke errichtet. Auf slowakischer Seite erfolgt die
technische Planung einer Grünbrücke über die D2 in der Zahorie Tiefebene. In Gebieten mit intensiver Landnutzung wird der Korridor zudem durch die gezielte Anlage von Waldstrukturen,
Brachen und ungestörten Bereichen verbessert.

"Es handelt sich hier um einen Wert, der in Euro nicht zu messen ist. Gerade deshalb sollten wir ihn nicht leichtfertig aufs Spiel setzen", konkretisiert Aurelia Ullrich von der Alpenschutzkommission CIPRA.
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