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MI | 11.04.2012
Roland Neuwirth (Bild: APA/Stefan Zoltan)
KULTUR
Roland Neuwirth feiert 60. Geburtstag
Er zählt mit seinen "Extremschrammeln" zu den bekanntesten Wienerlied-Interpreten. Außerdem hat er Musik für zahlreiche Theaterstücke und Filme komponiert. Am Sonntag hat Roland Neuwirth seinen 60. Geburtstag gefeiert.
Roland Neuwirth (Bild: Lukas Beck) Gelernter Schriftsetzer und Gitarre-Autodidakt
Aufgewachsen ist Roland Neuwirth in Wien-Floridsdorf, seine Mutter war Sonderschullehrerin, sein Vater Maler und Bildhauer. Neuwirth absolvierte zunächst eine Lehre als Schriftsetzer und arbeitete in einer Druckerei für Partezettel.

Bereits als Kind beschäftigte er sich mit Musik, nachdem sein Onkel ihm eine Mundharmonika geschenkt hatte. Als Autodidakt lernte er Gitarre-Spielen. Einen Auftritt bei einer Teenager-Party im Wurstelprater beschreibt er auf seiner Homepage als Meilenstein:

"Ich war zu schüchtern, um zu tanzen, und so war es klar, daß ich meine 'Klampfe' mitbrachte und den Freunden zum Tanzen einheizte. Zufällig war auch ein - sogar professioneller - Schlagzeuger anwesend. So geigten wir mehrere Stunden lang und wurden mit Komplimenten nur so überschüttet."

Im Alter von 23 Jahren begann er dann eine Gitarre-Ausbildung. In seiner Studienzeit an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst gründete er die "Neuwirth Schrammeln". Aus dieser Gruppe gingen die "Extremschrammeln" hervor.
Roland Neuwirth & Extremschrammeln (Bild: Dietmar Lipkovich)
Mehr als 300 Eigenkompositionen stammen aus der Feder Roland Neuwirths.
Neue Interpretationen des Wienerliedes
In seiner Zeit an der Akademie entstand die Besessenheit für das Wienerlied:
"Ich grub mich durch sämtliche Notenarchive und fand faszinierende 'Weanatanz', die mit Besessenheit studiert wurden. Es tat sich eine neue Welt auf, die noch viel exotischer war, als beispielsweise die alten Blues aus dem Mississippi-Delta, die mir viel näher lagen."

Erste eigene Kompositionen folgten, wobei Neuwirth neue Wege ging: "Ich wollte nichts mit der widerlichen Operettenclique bei den Heurigen und subventionierten Liederabenden zu tun haben, die unserer Generation die wirkliche Musik vorenthalten hatten. Ich haßte sie dafür, diese oberflächlichen, rührseligen und unsensiblen Grausgestalten, bei deren Interpretationen mir nur übel wurde."

1978 nahm er seine erste LP auf, elf weitere Tonträger folgten. In seiner Karriere hat er bisher mehr als 300 Lieder geschrieben - "An manche Sachen kann ich mich gar nicht mehr selbst erinnern", kommentiert er. Dazu kamen Tänze, Walzer sowie Musik für Filme und Theaterstücke. So hat Neuwirth zuletzt die Musik für das Stück "Moser oder Die Passion des Wochenend-Wohnzimmergottes" im Theater in der Josefstadt komponiert.
Florian Teichtmeister, Hubsi Kramar, Sandra Cervik, Erwin Steinhauer, Roland Neuwirth (Bild: Erich Reismann/Theater in der Josefstadt)
Tourneen und Gastauftritte
Neben den Auftritten mit seinen "Extremschrammeln" ist Neuwirth auch als Buchautor sowie als Gastlehrer an Schulen und der Wiener Musikuniversität tätig.

Mit den "Extremschrammeln" haben ihn Tourneen in die ganze Welt geführt, mit Musikern aus anderen Bereichen hat er ebenfalls Konzerte gegeben. So spielte er mit Opernstar Angelika Kirchschlager bei der Eröffnung der Wiener Festwochen im Jahr 2008.
Roland Neuwirth mit Angelika Kirchschlager bei der Eröffnung der Wiener Festwochen 2008 (Bild: APA/ORF/Ali Schafler)
Nestroyring und Silbernes Ehrenzeichen für einen "Einzelgänger".
"Letzter Saurier einer Gattung"
Sich selbst bezeichnet Neuwirth auf seiner Homepage als "eine Art letzer Saurier einer Gattung, deren Tage - trotz der Geburt meiner Rock-Schrammeln - gezählt sind".

Trotz einiger Initiativen im ländlichen Raum fühle er sich als einsamer Kämpfer: "Da hilft sicher auch kein "Konzert für Schrammelquartett und Orchester" im Musikverein, heute nicht mehr, das sind Fleißaufgaben eines Ausgeflippten. Aber ein Einzelgänger und stiller Grübler war ich ja, wie gesagt, schon immer."

Für seine Musik wurde Neuwirth mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1994 mit dem Nestroyring und 2002 mit dem Silbernen Ehrenzeichen der Stadt Wien.
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