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MI | 11.04.2012
Therme (Bild: ORF)
CHRONIK
Serie von CO-Vergiftungen: Zu wenig gelüftet?
Innerhalb von sechs Tagen hat sich am Montag in Wien der vierte Unfall mit einer Gastherme ereignet. Mangelnde Frischluftzufuhr könnte die Ursache sein. FPÖ und ÖVP sehen die Stadt und Wiener Wohnen gefordert.
Sauserstoffmangel durch gut gedämmte Räume und Abluftventilatoren - CO entsteht.
Stoßlüften kann Risiko verringern
Zu wenig Sauerstoff in der Raumluft könnte die Serie von Kohlenmonoxidvergiftungen erklären. Das Abgas entsteht nämlich, wenn die Gastherme bei der Verbrennung zu wenig Sauerstoff bekommt. Immer mehr Wohnungen seien immer besser gedämmt, erklärte Alexander Schrötter von der Installateurinnung.

"Eine zu dichte Gebäudehülle und neue Fenster bedeuten, dass zu wenig Luft nachströmt, und wir einen Unterdruck im Raum erzeugen", so Schrötter. Es bilde sich Luftmangel, der zum Austritt von Abgas und zur Bildung von Kohlenmonoxid (CO) führen könne. Verschärft wird das Problem in Badezimmern oft noch durch Abluftventilatoren, die zusätzlich Luft absaugen.

Schrötter empfiehlt daher, regelmäßig zu lüften sowie den Rauchfangkehrer messen zu lassen, ob die Gastherme überhaupt genug Luft bekommt. Abgesehen davon appellieren Feuerwehr, Wiengas und Installateure einmal mehr dringend, dass eine Gastherme einmal im Jahr von einem Fachmann gewartet werden muss.
Unsichtbare Gefahr
Kohlenmonoxid ist unsichtbar, riecht nicht, ist geschmacklos und kann binnen weniger Minuten selbst in kleinen Mengen zu einer tödlichen Vergiftung führen. Als Symptome einer Vergiftung treten zunächst Kopfschmerzen mit Übelkeit auf, gefolgt von einem Schwächegefühl mit Schwindel und einem Brechreiz.
Frau wurde in der Nacht übel.
Frau brach zusammen
Zuletzt war eine dreiköpfige Familie am Montag mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung ins Spital gebracht worden. Eine 31-jährige Frau war gegen 3.00 Uhr aufgestanden. Ihr war übel. Sie ging in die Küche, um ein Glas Wasser zu trinken. Kurz darauf brach die Frau zusammen. Ihr Mann verständigte die Rettung.

In der Wohnung wurde eine erhöhte Kohlenmonoxid (CO)-Konzentration gemessen. Das Gas war wieder durch eine defekte Therme ausgetreten. Vater, Mutter und die dreijährige Tochter wurden mit Verdacht auf eine Kohlenmonoxid-Vergiftung ins Spital gebracht.
Gas trat aus defekten Thermen aus.
Drei Fälle von Mittwoch bis Sonntag
Die Serie von Kohlenmonoxid-Vergiftungen hatte am vergangenen Mittwoch begonnen. Ein Vater konnte seine beiden schon bewusstlosen Kinder gerade noch rechtzeitig retten. Am Samstag alarmierte eine Frau die Rettung, nachdem ihre Freundin am Telefon über Übelkeit geklagt hatte. Am Sonntag erlitt eine Neunjährige beim Duschen einen Schwächeanfall.

In allen Fällen handelte es sich um Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Das Gas war aus defekten Thermen ausgetreten.
Wien Energie und Wiener Wohnen sind nach Ansicht der Opposition gefordert.
FPÖ und ÖVP appellieren an die Stadt
Als Reaktion auf die Unfallserie will die Wiener FPÖ im Gemeinderat beantragen, dass Wien Energie die Kosten für die jährliche Wartung der Thermen zumindest in Gemeindebauten übernimmt. Da der Gaspreis um 20 Prozent zu hoch sei, solle Wien Energie die Überschüsse investieren und die Kosten übernehmen, so Wohnbauexpertin Henriette Frank.

Die Wiener ÖVP will ihrerseits Wiener Wohnen in die Pflicht nehmen. "Es müssen alle Gas-Thermen auf Baujahr, qualitativen Zustand und ihren technischen Stand geprüft und gegebenenfalls saniert oder ausgestauscht werden", so Wohnbausprecher Norbert Walter. Besonderes Augenmerk müsse auf schlechter gestellte Mieter gerichtet werden.
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