Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Einsatzfahrzeug des Arbeitersamariterbundes (Bild: Arbeitersamariterbund)
CHRONIK
Falscher Notarzt: Eine Patientin tot
Gegen jenen 38-jährigen Mann, der sich wochenlang beim Samariterbund als Notarzt ausgegeben hatte, wird nun auch wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Eine Patientin verstarb nach der Fahrt mit dem "Notarzt".
Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft belastet den falschen Notarzt.
Bei zwei Patientinnen falsch gehandelt
Für das medizinische Gutachten wurden im Auftrag der Staatsanwaltschaft alle Fahrten des falschen Notarztes überprüft. Neben dem Samariterbund in Wien war der Mann auch für das niederösterreichische Rote Kreuz als Notarzt im Einsatz.

Für den Samariterbund war der 38-jährige Deutsche knapp einen Monat lang unterwegs - auch bei medizinischen Notfällen.

Wie das fünfseitige, medizinische Gutachten - das "Wien heute" vorliegt - zeigt, soll der Mann bei mindestens zwei Patientinnen falsch oder nicht gehandelt haben.
Gutachten "Notarzt" las Befunde, statt zu helfen
Laut dem Gutachten erlitt eine 63-jährige Frau während eines Transports plötzlich einen Herzkreislaufstillstand. Anstatt selbst zu helfen, las der 38-jährige Befunde und ließ die Sanitäter helfen. Der Frau wurden dabei im Rettungswagen keine Medikamente verabreicht.

Wäre das geschehen, hätte laut dem Gutachten "eine mangelnde Sauerstoffversorgung des Gehirns verhindert werden können". Die Frau liegt seitdem im Koma.
Mann bleibt weiter in U-Haft.
Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung
Ein weiterer Fall ereignete sich ebenfalls bei einer Fahrt des Samariterbundes, bei der eine 68-jährige Patientin mit Kreislaufproblemen abgeholt wurde.

Während der Fahrt kam es zu Komplikationen, die Frau wurde bewusstlos und starb kurz darauf im Spital. Laut dem Gutachten hat der Mann auch diesmal die richtige Behandlung unterlassen: "Allein aufgrund der Unterlassung kam es zu keiner Verbesserung des Gesundheitszustandes."

Die Staatsanwaltschaft bereitet derzeit die Anklage gegen den 38-jährigen Schauspieler vor. Die Anklagebehörde ermittelt nunmehr nach Vorliegen des Gutachtens nicht nur wegen schweren Betruges und Kurpfuscherei, sondern "auch wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen". Der Verdächtige bleibt weiter in U-Haft.
Anwalt will Gutachten prüfen lassen
Der Mann kann sich nicht vorstellen, dass er für den Tod und den Hirnschaden der zwei Patientinnen verantwortlich sein soll, sagte sein Anwalt gegenüber "Wien heute". Ferner wolle der Anwalt das Gutachten überprüfen lassen.
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