Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Gerichtsakten (Bild: ORF)
GERICHT
Studentin als Mordopfer abgedruckt: Verurteilt
Eine Tageszeitung ist nicht rechtskräftig zu einer Entschädigung in Höhe von 20.000 Euro verurteilt worden. Sie hatte fälschlicherweise das Foto einer slowakischen Studentin als Abbildung eines Mordopfers ausgewiesen
Das Mordopfer hatte als Prostituierte gearbeitet.
23-Jährige hatte den gleichen Namen
Die 23-jährige Studentin hatte den selben Namen und stammte ebenso wie das Mordopfer aus der Slowakei. Unter anderem die Tageszeitung "Österreich" hatte das Foto vom sozialen Netzwerk "Facebook" aus dem Internet übernommen und publiziert.

Die junge Frau, die sich im Urlaub befunden hatte, als die Fotos in Österreich durch die Zeitungen gingen, erlebte bei ihrer Rückkehr ihr blaues Wunder, wie sie bei der Erstverhandlung berichtete. "Als ich am 31. August aus dem Urlaub zurückgekommen bin, hat mich ein Freund angerufen und mich gefragt, ob mir nichts passiert ist", erzählte die Studentin.

Binnen kürzester Zeit wäre sie von Familienangehörigen, weiteren Freunden, Bekannten und Kommilitonen kontaktiert worden: "Alle haben mich gefragt, ob ich in Ordnung bin."
Vor Erscheinen nicht kontaktiert
Als sie herausfand, woher das plötzliche Interesse an ihrem Befinden rührte, sei sie schockiert gewesen und habe auch gesundheitliche Probleme bekommen. "Ich wurde depressiv. Ich möchte Lehrerin werden. Ich habe Angst, dass das meinen Berufsweg beeinflussen kann."

Die österreichischen Medienberichte wären "durch die ganze Slowakei gesickert", berichtete die 23-Jährige.

Die junge Frau betonte, sie wäre von keiner einzigen Zeitung vor Erscheinen ihres Fotos angerufen worden: "Man hat einfach mein privates Foto genommen und offensichtlich angenommen, dass ich die Prostituierte bin."
In Wohnung erstochen
Das Mordopfer, eine 22-jährige Frau aus der Slowakei, war Ende August 2010 in ihrer Wohnung in Rudolfsheim-Fünfhaus erstochen aufgefunden worden. Die 22-Jährige hatte als Prostituierte gearbeitet.

Als Täter wurde knapp zwei Wochen später ein Lehrling ausgeforscht. Er hatte das Opfer über eine Begleitagentur kennengelernt und bei einem Streit um Geld mit einem Herzstich getötet.
Entschädigung für Kränkung
Die 23-Jährige verlangte nun eine angemessene Entschädigung für die erlittene Kränkung. Laut dem Branchendienst "etat.at" wurden ihr 20.000 Euro zugesprochen.

Mit anderen Medienbetreibern einigte sich die Frau demnach bereits außergerichtlich auf eine finanzielle Wiedergutmachung. Auch mit dem "Kurier" soll es laut "etat.at" bereits eine Einigung geben.
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