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MI | 11.04.2012
Meerschweinchen (Bild: Fotolia/Sabine Immken)
WISSENSCHAFT
Liebe macht Meerschweinchen dümmer
Singles haben es leichter: Das gilt zumindest für Meerschweinchen, wie Untersuchungen von Verhaltensbiologen der Universität Wien gezeigt haben. Denn Liebe verursacht bei den Nagern Stress und macht sie dümmer.
Einzeln gehaltene Tiere verbesserten Lernleistung deutlich.
Singles fanden Leckerbissen schneller
Die Haustiere wurden mehrere Wochen alleine bzw. gemeinsam gehalten. Im Anschluss untersuchten die Forscher an fünf aufeinander folgenden Tagen anhand eines Labyrinths, das die Tiere überwinden mussten, ihre Lernleistungen. Als Anreiz diente dabei ein an jeweils gleicher Stelle platzierter Leckerbissen.

Wie sich zeigte, konnten einzeln gehaltene Tiere ihre Lernleistung deutlich verbessern. "Sowohl die Zahl der Fehler als auch die Zeit, die die Tiere benötigten, um zum Köder zu gelangen, verringerte sich im Laufe der fünf Tage. Hingegen gab es bei verpaarten Meerschweinchen keine Verbesserung", erklärte Studienautor Ivo Machatschke vom Department für Verhaltensbiologie der Uni Wien.

Machatschke hatte aber gleich auch einen Trost für die Pärchen parat: Auch wenn ihre Lernleistung und Erinnerungsvermögen unter den Werten einzeln gehaltener Tiere liegen, sind sie ebenso in der Lage, räumliche Informationen zu erarbeiten und auch zu behalten. "Die Leistung der als dumm verschrienen Meerschweinchen entspricht jener der vermeintlich klügeren Ratten", so der Biologe.
Meerschweinchen (Bild: Universität Wien/ Ivo Machatschke)
Forscher sehen langfristig Nachteile für einzeln gehaltene Tiere.
Liebe verursacht Stress
Eine der möglichen Ursachen für das schlechtere Abschneiden der Paare vermuten die Wissenschafter in der unterschiedlichen Stressbelastung, die sich anhand des Nebennierenhormons Kortisol messen lässt: "Einzeln gehaltene Meerschweinchen wiesen vor dem Experiment wesentlich geringere Werte als Paare auf."

Dies deute auf einen weniger stark belasteten Hippocampus - den Ort im Gehirn, an dem Informationen verschiedener sensorischer Systeme zusammenlaufen - und damit bessere Verarbeitung räumlicher Information hin.

Trotz der Forschungsergebnisse sehen die Wissenschafter langfristig aber Nachteile für einzeln gehaltene Tiere. So hätten frühere Untersuchungen an Ratten und Mäusen gezeigt, dass ein intaktes soziales Umfeld die räumliche Lern- und Gedächtnisleistung verbessert. Tiere, die isoliert aufgewachsen waren, lagen dagegen in ihrer Leistung deutlich darunter.
Liebe beeinflusst Organismus
"Durch die gesteigerte Ausschüttung und das Zusammenspiel verschiedenster Hormone und Neurotransmitter werden Verhalten und Kognition stark beeinflusst", so Machatschke.

Er und sein Team konnten bereits in einer früheren Studie nachweisen, dass als Paare gehaltene Meerschweinchen deutlich höhere Mengen des vom Gehirn produzierten "Liebes- und Glückshormons" Oxytocin aufweisen als einzeln gehaltene Tiere.

Die aktuelle Arbeit wurde kürzlich in der Fachzeitschrift "Physiology & Behavior" veröffentlicht, teilte die Uni Wien mit.
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