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MI | 11.04.2012
Demo gegen WRK-Ball (Bild: APA/HERBERT P. OCZERET)
CHRONIK
500 Teilnehmer bei Protesten gegen WKR-Ball
Rund 500 Personen haben Freitagabend laut Polizei bei den nicht-genehmigten Kundgebungen gegen den Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) teilgenommen. Zu gröberen Ausschreitungen kam es nicht.
Polizisten hinter Absperrung beim Alten AKH (Bild: ORF) Müllcontainer angezündet
Bei den Versammlungen wurden laut Polizei Verkehrszeichen umgeworfen, Müllcontainer in Brand gesetzt, Polizeifahrzeuge beschädigt und das Schaufenster eines Kleidergeschäfts eingeschlagen. Verletzte gab es bei den Aktionen keine.

Das bestätige die "Notwendigkeit für die Untersagung der Versammlung", hieß es von der Polizei. Bei den Kundgebungen wurden vier Personen festgenommen und 160 Identitätsfeststellungen durchgeführt.
Absperrung der Polizei vor Demonstranten (Bild: ORF) Altes AKH als Sammelpunkt der Gegner
Beim Alten AKH in Wien-Alsergrund hatten sich am Freitagnachmittag etwa 120 Personen versammelt. Das Alte AKH war schon in den Stunden davor ein Treffpunkt für Gegner des Balls.

Die Polizei hatte die Alser Straße zwischen Landesgerichtsstraße und Spitalgasse gesperrt, außerdem waren die Universitätsstraße und die ehemalige 2er Linie zwischen der Neustiftgasse und der Alser Straße gesperrt.

Eine nicht angemeldete Kundgebung hatte auch in der Mariahilfer Straße in Neubau für Behinderungen gesorgt. Auch dort waren Gegner des Balls unterwegs. Am Freitagabend blockierte eine Kundgebung dann die Westbahnstraße.
Sperre der Polizei in der Westbahnstraße wegen einer Demonstration gegen den Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) (Bild: APA/Georg Hochmuth)
Verkleidete Demonstranten protestieren gegen den Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) (Bild: APA/Georg Hochmuth) Demonstranten als Clowns maskiert
Mit Sprechchören wie "This is what democracy
looks like" und "Wiener Polizei wie immer rechts dabei" protestierten etwa 300 Menschen in der Westbahnstraße gegen den WKR-Ball.

Einer als Clowns maskierten Gruppe nahmen die Exekutivbeamten Trommeln ab und
führten Ausweiskontrollen durch. Nachdem vorerst nicht klar war, wo sich die Demonstranten treffen wollen, wurden etliche Straßenzüge gesperrt. Verkehrsstaus waren die
Folge.
Der Wiener Korporationsring
Ob Festkommers der Burschenschaften oder Ball des Korporationsrings: Im Ballausschuss sitzt auch FPÖ-Gemeinderat Udo Guggenbichler. Er spricht von einer unpolitischen Tanzveranstaltung mit 2.000 Gästen.

Der Ballveranstalter, also der Korporationsring, hat 21 Mitgliedsvereine. Sie bekennen sich zum angestammten Volkstum im Rahmen der abendländischen Kulturgemeinschaft und zur Körperertüchtigung. Burschenschaften wie Teutonia und Olympia sind dabei. Das Dokumentationsarchiv stuft sie als rechtsextrem ein.

Der Wiener Korporationsring (WKR) ist die Arbeitsgemeinschaft der farbentragenden Wiener Hochschulkorporationen. Dieser wurde am 18. Jänner 1952 durch Unterzeichnung des WKR-Abkommens ins Leben gerufen und eint die ihm angehörenden Korporationen, heißt es auf der Homepage des WKR.
Polizei und Demonstranten gegen WKR-Ball in der Westbahnstraße (Bild: APA/Herbert P. Oczeret) Verbot wegen befürchteten Ausschreitungen
Ursprünglich hatten mehrere Veranstalter für Freitag eine Demonstration am Praterstern gegen den Ball angemeldet. Die Polizei untersagte aber nicht nur diese Demonstration, sondern sprach auch ein umfangreiches Platzverbot rund um den Veranstaltungsort des Balls, die Wiener Hofburg, aus.

Es sei anzunehmen, dass eine "allgemeine Gefahr für Leben oder Gesundheit mehrerer Menschen und für Eigentum im großen Ausmaß" bestehe, hieß es in der Verordnung.

Verwiesen wurde unter anderem auf Aufrufe im Internet wie "Nazis aufs Maul hauen" oder "Wien muss Tunesien werden". Zudem rufe ein Video auf einer Plattform zu massiver Gewalt auf. Die FPÖ begrüßte das Verbot der Demonstration.
SJ-Kundgebung vor dem Parlament (Bild: APA/Herbert Neubauer)
Gegendemos abgesagt, während "Rechtsextreme in Hofburg feiern".
Heftige Kritik an Demonstrationsverbot
Das am Donnerstag ausgesprochene Verbot der ersten, angemeldeten Demonstration kritisierten zahlreiche Organisationen. Die ÖH sprach von "Polizeischikane, während Rechtsextreme in der Hofburg feiern dürfen".

Der Grüne Justizsprecher Albert Steinhauser sagte, die Polizei habe nichts dazugelernt. Im Vorjahr habe es bei einer untersagten Demo gegen den Ball 14 Festnahmen und mehrere Verletzte gegeben. Das Antinationale Bündnis Wien bezeichnete das Demoverbot als "bodenlose Frechheit", auf das Recht auf Versammlungsfreiheit pochte die KPÖ Wien.

Der Vorsitzende der Sozialistischen Jugend (SJ), Stefan Jagsch, zeigte sich über die Absage entsetzt. Erst die über FPÖ-Kontakte herangekarrten Rechtsextremen und Neonazis würden die öffentliche Sicherheit gefährden. Freitagvormittag hielt die SJ eine Kundgebung vor dem Parlament gegen den Ball des Korporationsrings in der Hofburg ab.
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