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MI | 11.04.2012
Aktion von Homöopathie-Kritikern am Stephansplatz (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
CHRONIK
Homöopathie-Kritiker demonstrierten in Wien
"Nichts drin, nichts dran" - unter diesem Motto haben sich Gegner der Homöopathie am Wiener Stephansplatz versammelt. Die Aktion war Teil einer weltweiten Initiative, mit der am Samstag gegen die Homöopathie demonstriert wurde.
Gemeinsamer Start in allen Ländern um 10.23 Uhr.
Aktion mit "Überdosis" in 26 Ländern
In 26 Ländern und 53 Städten sollte auf die "unkritische und irreführende Vermarktung der Homöopathie" aufmerksam gemacht werden. Exakt um 10.23 Uhr haben in Wien rund 20 "Skeptiker" eine "Überdosis" eines homöopathischen Medikaments eingenommen, um die Sinnlosigkeit des Mittels zu beweisen.

Mit der Uhrzeit soll auf die sogenannte
Avogadro-Konstante hingewiesen werden. Diese gibt an, wie viele Atome eines Elementes in einer bestimmten Stoffmenge (Mol) des jeweiligen Materials enthalten sind.

Ab einer Verdünnung von eins zu zehn hoch 23 ist mit großer Wahrscheinlichkeit kein einziges Molekül der ursprünglichen Substanz mehr in dem homöopathischen Arzneimittel.
Aktion von Homöopathie-Kritikern am Stephansplatz (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
Homöopathisches Mittel bei Aktion von "Skeptikern" gegen Homöopathie am Stephansplatz (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer) Skeptiker: Mittel bestehen oft aus Zucker
Zur Aktion hatte die Wiener Gruppe der "Skeptiker - Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) aufgerufen. Für den Mathematiker Ulrich Berger, Vorstandsmitglied der GWUP, wird in wissenschaftlichen Studien die Placebowirkung der homöopathischen Mittel bewiesen. Oft würden die Mittel aus reinem Zucker bestehen.

Für Berger ist Homöopathie "eine der letzten Bastionen des modernen Aberglaubens. Ihre Grundprinzipien sind wissenschaftlicher Unfug, ihre Wirksamkeit kann sie seit 200 Jahren nicht nachweisen."

Dass die Ärztekammer ein Homöopathie-Diplom vergebe und Homöopathie sogar an manchen Universitäten unterrichtet werde, habe kommerzielle Gründe und sei im Grunde "eine Schande für die österreichische Medizin".
Wirksame Therapie verschleppt?
Das Argument "Hilft´s nichts, so schadet´s nichts" ließ Berger bei der "nicht ganz ernst gemeinten" Demonstration nicht gelten: "Eine wirksame Therapie kann verschleppt werden."

Darüber hinaus habe es bereits
gesundheitsgefährdende Fälle gegeben. "Eine junge Frau hatte unlängst nach einer homöopathischen Selbstbehandlung eine Arsenvergiftung." Es könne auch zu indirekten Nebenwirkungen kommen.
Schweiz als Vorbild für Homöopathie
Homöopathie-Ärzte hatten sich in den letzten Tagen gegen die Aktion und die Kritik gewehrt. Für die Befürworter "liegen eindeutige Belege zur Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Homöopathie im Gesundheitssystem vor".

So wird auf die Schweiz verwiesen, wo nach einer fünfjährigen Bewertung von Methoden der Komplementärmedizin und einer Volksbefragung die Krankenkassen die Behandlungskosten für Homöopathie in den nächsten sechs Jahre
übernehmen. Dabei soll es keine nennenswerten Mehrkosten für das Gesundheitssystem geben.

Aus Sicht der Befürworter wurde für die Aktion der Kritiker "schon im Vorfeld mit höchster Wahrscheinlichkeit vorausgesagt", dass dieser Selbstversuch nicht zu Symptomen bei den Teilnehmern führen wird: "Daraus kann keine wissenschaftliche Aussage bezüglich homöopathischer Arzneien abgeleitet werden."
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