Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
 Im Bild Rapid-Spieler vor dem Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen Schalke 1941 in Berlin (Bild: APA/Rapid Archiv)
SPORT
Die Rolle von Rapid in der Nazi-Zeit
Bis heute schmückt sich Rapid mit den Titeln, die zwischen 1938 und 1945 errungen wurden. Die Rolle des Vereins zur Zeit der NS-Diktatur haben die Historiker Jakob Rosenberg und Georg Spitaler nun in einem neuen Buch erforscht.
Vereinsgeschichte spiegelt "menschliche Schicksale" in der NS-Zeit wider.
Ruf als eher "angepasster" Verein
"Grün-Weiß unterm Hakenkreuz - Der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus" lautet der Titel der historischen Untersuchung. Die Vereinsgeschichte Rapids in jenen Jahren spiegelt demnach "die gesamte Bandbreite menschlicher Schicksale in dieser Zeit" wieder.

In den Reihen der Rapid-Spieler und -Funktionäre gab es ebenso Opfer wie Täter, Mitläufer und Opportunisten. Sie konnten sich - und manche wollten es auch nicht - dem politischen Umfeld nach dem "Anschluss" 1938 nicht entziehen.

Der Ruf als eher "angepasster" Verein dürfte auch daher kommen, dass Rapid damals gute Pressearbeit leistete. So stieß die Beteiligung an nationalsozialistischen Kampagnen - wie der NS-Metallspende als "Geburtstagsgabe für den Führer" - auf ein positives Medienecho.
Das Buch "Grün-Weiss unterm Hakenkreuz Der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus (1938 - 1945)" (Bild: APA/Herbert Neubauer)
Studie "Grün-Weiß unterm Hakenkreuz - Der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus" untersucht. Im Bild Metallspende 1941 - Geburtstagsgabe für den Führer (Bild: APA/Rapid Archiv) Autoren arbeiteten mit DÖW zusammen
Allerdings wiesen die Autoren in der mit Unterstützung des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands (DÖW) angestellten Untersuchung auch darauf hin, dass Rapid damals zwar von der sportlich-kulturellen Codierung als "bodenständiger" Club und Rivale der als "jüdisch" geltenden Austria profitierte, diese einer wissenschaftlichen Prüfung aber nicht standhält.

Immerhin konnte bei den in dieser Zeit aktiv gewesenen Spielern Rapids trotz intensiver Recherchen (auch in Berlin) keine einzige NSDAP-Mitgliedschaft gefunden werden, während etwa Austria-Wunderteamspieler Hans Mock sich als SA-Mann und Parteimitglied gerne zur "großdeutschen Idee" bekannte.

Im Gegensatz zu den Spielern der späten 1930er- und frühen 1940er-Jahre sah sich aber etwa Josef Uridil, Rapid-Star der 1920er-Jahre, nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem Entnazifizierungsverfahren konfrontiert, weil er der NSDAP angehört hatte. Urudil selbst gab 1948 an, von dieser Mitgliedschaft nichts gewusst zu haben. Er wurde - wie auch Wunderteam-Spieler Pepi Smistik - als "minderbelastet" eingestuft.
 Im Bild Rapid-Spieler vor dem Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen Schalke 1941 in Berlin (Bild: APA/Rapid Archiv)
Rapid-Spieler vor dem Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen Schalke 1941 in Berlin.
Funktionäre oft auch NSDAP-Mitglieder
Anders sieht die Situation bei den Funktionären aus. "Rapid zeigte sich auch mit der Hauptversammlung im Jänner 1939 und der Wahl des NSDAP-Mitglieds Josef Kalenberg zum neuen 'Vereinsführer' an die neuen politischen Verhältnisse angepasst", so Rosenberg und Spitaler.

Und weiter: "Neben der personellen Kontinuität des überwiegenden Teils der Funktionäre, ist v. a. der hohe Anteil an NSDAP-Mitgliedern oder Parteianwärtern im Vorstand interessant."

Schlussfolgerung: "Auch wenn über die Motive der Parteieintritte wenig bekannt ist, ist weiters auffällig, dass sich der überwiegende Teil der Parteianwärter schon sehr früh nach dem 'Anschluss' um eine Mitgliedschaft in der NSDAP bewarb." Nach dem Krieg wurde nach kurzem Zögern ein Bruch gemacht.
1946: Dreiviertel des Vorstandes noch aus Nazi-Zeit.
Jüdische Rapid-Mitglieder von Nazis ermordet
Noch 1946 stammten drei Viertel der Vorstandsmitglieder aus der Nazi-Zeit. "Dann schieden - bedingt durch die Entnazifizierungsgesetzgebung - alle NSDAP-Mitglieder aus dem Vorstand aus", hieß es.

Was bisher laut den Autoren oft nicht angesprochen wurde, ist die Tatsache, dass es vor 1938 vor allem in der Frühzeit des Vereins eine Reihe von jüdischen Spielern und Funktionären gab.

Auch wurden jüdische Rapid-Mitglieder von den Nationalsozialisten ermordet. Anderen - wie dem späteren ÖFB-Funktionär und Buchautor Leo Schidrowitz - gelang die Flucht ins Exil. Auf der Gegenseite - jener der Täter - sticht der Rapid-Verteidiger Fritz Durlach hervor, der 1948 wegen Kriegsverbrechen ("Quälerei und Misshandlung") zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt wurde. Durlach war aber ein Einzelfall.
Rapid-Präsident erleichert
Rapid-Präsident Rudolf Edlinger zog jedenfalls erleichert Bilanz. Er hatte die Studie anlässlich des Freundschaftsspiel gegen Schalke 04 - Gegner beim 4:3-Sieg im Meisterschaftsfinale 1941 von Berlin - zum 110-jährigen Vereinsjubiläum 2009 in Auftrag gegeben.

"So können wir jenen, die fragen, ob wir stolz sind auf den Titel eines deutschen Meisters, antworten: Die sportlichen Leistungen der beteiligten Spieler sind ohne Einschränkung zu würdigen. Wir sind stolz darauf, dass sich Rapid dem Zugriff der Nazis weitgehend entziehen konnte und viele anständig geblieben sind", so Edlinger im Vorwort.
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News