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MI | 11.04.2012
Zentrales Röntgenzentrum an der TU-Wien (Bild: ORF)
WISSENSCHAFT
TU Wien erhält zentrales Röntgenzentrum
An der Technischen Universität (TU) Wien wird am Freitag ein zentrales Röntgenzentrum eröffnet, das auch von Wien mitfinanziert wird. Die Stadt verwendet dafür Gelder aus der Grundsteuer, die die Universitäten zahlen.
Finanzierung mittels Uni-Infrastrukturprogramm der Stadt.
Unis bekommen Grundsteuer refundiert
Das neue Röntgenzentrum wird allen Instituten und Fächern zur Verfügung stehen, wie die designierte TU-Rektorin Sabine Seidler betonte. Die Finanzierung erfolgte mit Mitteln des Wiener Universitätsinfrastrukturprogramms, kurz UIP. In dessen Rahmen refundiert die Stadt den Universitäten die jährlich geleistete Grundsteuer.
"In Zeiten knapper Mittel leiden jene Universitäten doppelt, die im naturwissenschaftlich-technischen Bereich tätig sind", verwies Seidler auf die angespannte Finanzlage. Teuer seien nämlich sowohl "helle Köpfe" als auch die Infrastruktur.

"Das UIP ermöglicht uns, gezielt in den Gerätepark zu investieren", lobte Seidler das städtische Engagement. Insgesamt wurden 405.000 Euro in das Zentrum investiert, wobei die Finanzierung mit Mitteln des UIP 2008 erfolgte.
Röntgenstrahlen für tiefe Einblicke
Die Wissenschafter nutzen die von Wilhelm Conrad Röntgen 1895 entdeckten Strahlen vor allem zur Materialforschung. Über die sogenannte Röntgendiffraktion - Röntgenbeugung - lassen sich Strukturen bis zur Ebene von Atomen und Molekülen untersuchen, erklärte die Leiterin des Zentrums, Klaudia Hradil.

"Die Wellenlänge der Röntgenstrahlung entspricht ungefähr den Abständen der Anordnung von Atomen und Molekülen in Kristallen", so Hradil. Dadurch kommt es bei der Wechselwirkung zwischen den Strahlen und Teilchen zu sogenannten Beugungserscheinungen. Über einen Detektor können die Wissenschafter dann aus den Signalen die Position von Atomen und Molekülen errechnen.

Die Sache funktioniert mit Materialien mit festen Strukturen, vor allem Kristallen. Dabei ist der Begriff Kristall deutlich weiter gefasst, als man annehmen könnte. "So besteht beispielsweise auch das Metall einer Autokarosserie aus solchen 'Kristalliten', aus der Analyse der kleinsten Einheiten lassen sich Aussagen auf die Materialeigenschaften treffen", sagte die Forscherin. Selbst Holz können die TU-Experten analysieren.
Wunschstandort der Stadt abgelehnt
Auch die Entscheidung über die Förderung aktueller Projekte ist bereits getroffen: 2010 wurde die Rückerstattung der Steuerbeiträge zum fünften Mal durchgeführt. Laut Vizebürgermeisterin Renate Brauner (SPÖ) werden neun Anträge mit insgesamt 1,4 Mio. Euro unterstützt.

Sie reichen vom Geräteankauf auf der Veterinärmedizinischen Universität bis hin zur technischen Infrastruktur für die Erstellung einer österreichischen Klangbibliothek an der Universität für Musik und darstellenden Kunst.

Keine intensivere Partnerschaft zwischen Stadt und TU wird es hingegen in Sachen Standort geben. Das Rathaus hätte die Universität gerne am Stadtentwicklungsareal in Aspern gesehen. Doch diese lehnte nach internen Diskussionen eine Übersiedlung von der Innenstadt an den Stadtrand ab. Seidler ist froh darüber, wie sie betonte: "Es gibt keinen Anlass, die Entscheidung zu bereuen."
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