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MI | 11.04.2012
Depressionen (Bild: ORF)
GESUNDHEIT
Depressionen: Defizite bei Versorgung
Der Wiener Psychiater Siegfried Kasper kritisiert die unzureichende Versorgung von Menschen mit Depressionen. Diese galten 2010 als zweitwichtigste Erkrankungsursache in der EU.
Kasper: Einsparungen behindern Therapie.
Auf dem Vormarsch
Immer mehr Menschen erkranken laut Kasper, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (MedUni Wien/AKH), an Depressionen. Sowohl bei der Diagnose als auch bei der Wahl der richtigen Behandlung gebe es aber schwere Defizite, sagte der Mediziner.

Auch Innovationen im Bereich der Therapie psychischer Erkrankungen finden in Zeiten der Einsparungen nicht immer ihren Weg zum Patienten, so Kasper anlässlich des Europäischen Psychiatriekongresses mit mehr als 4.000 Teilnehmern in Wien.

Die Häufigkeit psychischer Erkrankungen ist in Österreich - genauso wie in der EU - im Steigen begriffen. Rund 27 Prozent der erwachsenen EU-Bevölkerung sind bzw. waren 2010 von zumindest einer psychischen Erkrankung betroffen.
Österreich: Jeder Elfte leidet an Depression
"In Österreich leiden rund neun Prozent der Bevölkerung an Depressionen, und die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens mindestens einmal an einer Depression zu erkranken, liegt zwischen zwölf und 20 Prozent", so der Experte.

Das psychische Gesundheitsniveau und das Wohlbefinden der Bevölkerung werde deshalb im "European Pact for Mental Health and Well-being" (2008) als Schlüsselfaktor für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg in der EU definiert.
Krankenstand und Berufsunfähigkeit oft Folgen unbehandelter Depressionen.
Indirekte Kosten höher als Therapie
Psychische Erkrankungen sind häufige und gut behandelbare Störungen, so die Experten. Neben moderner Antidepressiva gebe es zahlreiche Therapieformen.

"Leider scheitert der Einsatz neuer Therapiealternativen häufig an fehlender oder eingeschränkter Erstattung durch die Krankenkasse", so Kasper. Aufgrund des Altersspektrums der Betroffenen komme es bereits sehr früh zu gesundheitsökonomischen Problemstellungen wie Krankenstand und Berufsunfähigkeit.

Die indirekten Kosten wie beispielsweise Produktivitätsausfälle am Arbeitsplatz durch Langzeitkrankenstände und Frühpensionierungen beeinträchtigten auch die Beitragszahlungen für die Sozialversicherungsträger und seien weit höher als die direkten Kosten einer adäquaten modernen Behandlung, hieß es.
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