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MI | 11.04.2012
Kantinen-Mittagessen (Bild: ORF)
WIRTSCHAFT
Arbeitnehmer sind ziemliche "Pausenmuffel"
Die heimischen Arbeitnehmer sind ziemliche "Pausenmuffel": Das besagt eine aktuelle IFES-Studie. "Wir sind Anwesenheitsweltmeister", warnte die Gewerkschaft.
Umfrage unter 500 Arbeitnehmern.
Je mehr Verantwortung, desto weniger Pause
Jeder zehnte Arbeitnehmer, der mehr als 35 Wochenstunden arbeitet, gab bei der Umfrage im Auftrag der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) an, dass in seinem Unternehmen keine Schicht- oder Mittagspause vorgesehen sei, erläuterte Studienautor Georg Michenthaler gegenüber wien.ORF.at.

Und auch unter jenen, die eine Pause haben, sind immer noch 23 Prozent, die diese Gelegenheit nur hie und da wahrnehmen. Die gesundheitlichen Langzeitfolgen bleiben dabei häufig unbeachtet.

Interessantes Detail der IFES-Umfrage unter 500 Arbeitnehmern: Je mehr Verantwortung jemand hat, desto eher neigt er dazu, keine Pause zu machen. Während es bei einfachen Angestellten noch 62 Prozent sind, die eigentlich immer pausieren, sind es bei den leitenden Angestellten nur noch 47 Prozent.
Machen Sie zumindest einmal täglich eine halbe Stunde Pause?
55.18 % Ja, eigentlich schon
22.12 % Geht sich manchmal nicht aus
22.7 % Komme fast nicht dazu
Schlusslicht ist die Gesundheitsbranche
Dabei sei das Bewusstsein für eine vernünftige "Pausenkultur" durchaus vorhanden. "Nur wird sie von den Führungskräften vielfach nicht vorgelebt", betonte Meinungsforscher Georg Michtenthaler.

Schlusslicht beim Pausemachen ist die Branche Gesundheit und Soziales: 27 Prozent gaben an, keinerlei Unterbrechungen in Anspruch zu nehmen, 33 Prozent legen zumindest für eine halbe Stunde die Arbeit nieder.

Dabei sind laut GPA Pausenräume oder andere Aufenthaltsbereiche in durchaus akzeptabler Anzahl vorhanden sowie auch "einladend und gepflegt".
Gewerkschaft: Jeder 15. Krankenstandstag hat psychische Ursachen.
Gewerkschaft kritisiert Mehrarbeit
"Wir sind Anwesenheitsweltmeister", warnte Karl Proyer, Vizebundesgeschäftsführer der Angestelltengewerkschaft Druck-Journalismus-Papier, und verwies darauf, dass jeder 15. Krankenstandstag psychische Ursachen habe, ebenso wie der Anstieg bei Frühpensionen.

Diesbezüglich führte Proyer auch den Umstand ins Feld, dass die Österreicher offiziell, also laut Kollektivvertrag, durchschnittlich 38,5 Stunden pro Woche arbeiten, tatsächlich aber auf 43 bis 44 Stunden kämen.
Pausen mit "wichtiger Präventivwirkung"
Pausen einzuhalten und sich auch richtig einzuteilen habe eine "eminent wichtige Präventivwirkung", bestätigte Arbeitsmedizinerin Gudrun Kaspar.

Wer Durst, Hunger oder Müdigkeit permanent ignoriere, dessen Stresshormonspiegel sei dauerhaft zu hoch, was zu hohem Blutdruck, Hauterkrankungen und erhöhtem Infektrisiko bis hin zu Depression und Burn-out führen könne.

Grundsätzlich gelte: Je länger die Pause, desto geringer der Erholungswert, sprich: Die Lust aufs Arbeiten sinkt. Gesunde Ernährung (Getreide, Obst, Nüsse, Trockenfrüchte) würden zusätzliche Energie liefern und die Konzentrationsfähigkeit erhöhen, so Kaspar.
Pausen gesetzlich festgeschrieben
Obwohl in der Praxis sehr unterschiedlich konsumiert, ist die Dauer von Mittagspausen rechtlich sehr klar definiert. Wer länger als sechs Stunden arbeitet, hat Anspruch auf eine halbe Stunde Pause, die auch auf zweimal 15 oder dreimal zehn Minuten aufgeteilt werden kann.

Der Arbeitgeber muss diese Arbeitsunterbrechungen zwar nicht bezahlen, jedoch gewähren. Personen, die länger als zwei Stunden täglich Bildschirmarbeit verrichten, dürfen übrigens nach 50 Minuten zehn Minuten pausieren.
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