Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Niko Alm bei Pressekonferenz zu "Nudelsieb-Affäre" (Bild: APA/Georg Hochmuth)
CHRONIK
Nudelsieb-Foto "nicht nur Spaß"
Das Führerscheinfoto mit einem Nudelsieb hat dem Wiener Unternehmer Niko Alm im In- und Ausland eine auch für ihn unerwartete Medienpräsenz beschert. Nun unterstrich Alm, dass "das Ganze nicht nur Spaß" gewesen sei.
Niko Alm bei Pressekonferenz zu "Nudelsieb-Affäre" (Bild: APA/Georg Hochmuth) Interviewanfragen aus aller Welt
Vor allem das internationale Interesse hätte sich Alm nicht erwartet. Anfragen kamen unter anderem von BBC, CNN sowie von "Spiegel", "Bild", "FAZ" und "Süddeutscher Zeitung". Mit diesen Medien hat Alm gesprochen, die übrigen Interviewanfragen aus aller Welt seien für ihn allerdings kaum noch zu bewältigen.

"Pastafari" aus anderen Staaten wollten Alm nacheifern, wie das deutsche Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete. "Nutzen wir Nikos Vorarbeit, um unserer Religion mehr und mehr zu ihrer zweifellos zustehenden Anerkennung zu verhelfen", sagte der Vorsitzende der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters.

Zudem haben zahlreiche Nachahmer Alms Aktion aufgegriffen, so haben im Sozialen Netzwerk Facebook viele Benutzer ihr Profilbild in ein Foto mit Nudelsieb auf dem Kopf geändert.
Gegen "Buckeleien" vor der Kirche
Für Alm war die mediale Aufmerksamkeit auch Anlass, bei einer Pressekonferenz auf den Hintergrund der Aktion zu verweisen: dass nämlich nach wie vor staatliche Ausnahmegenehmigungen für Religionsgemeinschaften gelten würden. Die Republik Österreich müsse "nicht weitere Buckeleien vor der Kirche verrichten".

Unterstützung erhielt er unter anderen von Wissenschaftler Heinz Oberhummer. Dieser kritisierte, dass der Ethikunterricht für Konfessionsfreie auch von Religionslehrern abgehalten werden kann. Und auch die nun erhöhte Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags stört ihn: "Wir werden alle zur Kasse gebeten, damit die reichsten Katholiken keine Steuern zahlen."
Sprecher des Kirchenvolksbegehrens
Alm will "Pastafarianismus" als Religion
Alm will mit dem Kirchenvolksbegehren, für das derzeit Unterstützungserklärungen gesammelt werden, gegen Privilegien der Kirche kämpfen. Alm ist Sprecher des Volksbegehrens und sicher, die notwendigen rund 8.000 Unterschriften zu erreichen.

Zudem arbeitet er an der weiteren Anerkennung des "Pastafarianismus". Die Religion soll als eingetragene Bekenntnisgemeinschaft angemeldet werden, danach als gesetzlich anerkannte Kirche samt eigenen Kindergärten, Fakultäten und Universitäten, Friedhöfen und rechtlichen Vorteilen.
Amtsarzt bestätigte psychische Gesundheit
Die Idee für das Führerscheinfoto mit einem Nudelsieb kam Alm, als er 2008 in einem Folder des Verkehrsministeriums las, dass Kopfbedeckungen auf Führerscheinfotos untersagt sind - außer für Angehörige von Religionsgemeinschaften. Also gab er sich als Anhänger des "Pastafarianismus" aus, ließ das Foto anfertigen und stellte den Antrag.

Die Behörden untersagten zunächst das Foto und schickten Alm zum Amtsarzt, der ihm aber Fahrtüchtigkeit bestätigte: "Ich bin wahrscheinlich einer der wenigen Österreicher, denen ausdrücklich bescheinigt wurde, psychisch gesund zu sein."

Alm fragt sich nun, ob etwa Kardinal Christoph Schönborn, eine Nonne oder Muslimin ebenfalls zum Amtsarzt geschickt würden, wenn sie eine geistliche Kopfbedeckung auf dem Führerscheinfoto tragen.
Führerschein schon seit 2009 genehmigt
Einer Vorladung zur Verkehrsbehörde kam Alm nie nach. Der Führerschein wurde im April 2009 genehmigt, Alm sagt aber, dass er nie verständigt worden sei: "Man war offenbar der Meinung, ich hätte eine Holschuld."

Nachdem er von einem "Freund eines Bekannten eines Bekannten" erfahren habe, dass das Dokument längst ausgestellt sei, hatte Alm dann am Dienstag den neuen Scheckkartenführerschein samt ungewöhnlicher Kopfbedeckung in der Hand.
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News