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MI | 11.04.2012
Medikamente (Bild: fotolia/ Fuhr)
GESUNDHEIT
Ärztekammer für E-Medikation, Wien dagegen
Die Österreichische Ärztekammer hat den Ärzten empfohlen, wieder in das Pilotprojekt zur E-Medikation einzusteigen. Hingegen rät die Wiener Ärztekammer ihren Mitgliedern davon ab. Die Rede ist von einem "gewissen Dilemma".
Rechtssicherheit für Hauptverband gegeben
Der Hauptverband hatte im Mai eine Geldbuße von 24.000 Euro erhalten, weil die Vergabe der Software zur E-Medikation für das Pilotprojekt in Teilen Wiens, Oberösterreich und Tirol nicht ausgeschrieben worden war. Die Ärztekammer empfahl daraufhin im Juni, nicht mehr an dem Pilotprojekt teilzunehmen, weil die Rechtssicherheit nicht gewährleistet sei.

Jetzt sieht die Ärztekammer die Rechtssicherheit durch die Zusage von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) und ein Gutachten der Finanzprokuratur als wieder gegeben an.
Entscheidung über Teilnahme bleibt aber Ärzten selbst überlassen.
Wiener Ärztekammer hält dagegen
Die Wiener Ärztekammer sieht das aber anders. In einem Beschluss hieß es, dass sich die rechtliche Ausgangssituation, die zum Teilnahmestopp am Pilotprojekt geführt habe, vorläufig noch nicht geändert habe. Weiters fehle noch ein Erkenntnis aus Brüssel bezüglich der beeinspruchten Vergabe des Zentralsystems an die Pharmazeutische Gehaltskassa.

Es werde daher "ausdrücklich empfohlen, bis auf weiteres am aktuellen E-Medikationsprojekt nicht teilzunehmen".

Ungeklärt bleibt damit aber die Frage, wie sich die Ärzte in den Wiener Bezirken verhalten sollen, in denen das Pilotprojekt stattfindet. Arthur Wechselberger, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, sagte, es müsse jeder Arzt für sich entscheiden, ob er der Empfehlung der Österreichischen oder der Empfehlung der Wiener Ärztekammer folge.
Über E-Medikation
Statistisch gesehen nimmt jeder Mensch ab dem 60. Lebensjahr im Durchschnitt drei rezeptpflichtige und fast ebenso viele nicht rezeptpflichtige Medikamente ein. Jeder bzw. jede Dritte zwischen 75 und 85 Jahren bekommt sogar mehr als acht Arzneimittel verordnet.

Die Risiken einer solchen Polymedikation sind nicht unerheblich. Mit steigender Zahl der Medikamente nimmt die Möglichkeit von Doppelverschreibungen, Wechselwirkungen, unerwünschten Arzneimittelwirkungen und Fehldosierungen zu. Nicht selten sind solche Medikationsfehler sogar Ursache für eine Krankenhausaufnahme.

Zu einer wesentlichen Verbesserung dieser Situation und damit zu einer Erhöhung der Patientensicherheit soll das Projekt E-Medikation beitragen. Es bedeutet, dass sämtliche von einer Person eingenommenen Medikamente elektronisch in einer zentralen Datenbank - natürlich auf der Grundlage des Datenschutzes - gespeichert werden und von Ärzten, Apothekern und Krankenhäusern abgerufen werden können.
Es bleibt ungewiss, ob Pilotprojekt nach Problemen verlängert wird.
Neustart "innerhalb kürzester Zeit"
Zuletzt hatten beide Seiten Gutachten eingeholt und bei der letzten Verhandlungsrunde anhand dessen nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums die rechtlichen Fragen geklärt. Zudem wurde eine Verbesserung der technischen Systeme zugesichert.

Das Pilotprojekt soll nun laut Wechselberger "innerhalb kürzester Zeit" wieder anlaufen. "Möglichst bald" sollen alle teilnehmenden Ärzte mit neuer Software ausgestattet sein. Keinen Beschluss gab es zu der Frage, ob das mit Ende des Jahres auslaufende Pilotprojekt angesichts der Probleme und Verzögerungen verlängert werden soll.
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