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MI | 21.03 | 17:55
Gerhard Geiger, Augustinverkäufer. (Bild: ORF / BeLicht)
Augustin
Wirtshausierer
Er ist eine Legende unter den Augustin-Verkäufern: Gerhard Geiger zieht Nacht für Nacht durch die Lokale Wiens, um den Augustin an den Mann zu bringen. Die Straßenzeitung hat ihm geholfen, von der Straße zu kommen.
Gerhard Geiger, Augustinverkäufer. (Bild: ORF / BeLicht)
"Pumukel" verkauft Augustin
"Guten Abend! Augustin gefällig?" Mit der Obdachlosenzeitung in der Hand und einem Lächeln auf den Lippen steht Gerri Geiger vor dem Tisch. Er ist auf seiner Tour durch das Wiener Nachtleben. Für ein Bier bleibt er gern eine Weile zum Plaudern.

"Am Gürtel kennen mich die Leute", sagt er nicht ohne Stolz. Kein Wunder: Jeden Abend außer Sonntag dreht er seine Runde, von der Donaustadt bis Ottakring, von Mariahilf bis zum Alsergrund, acht bis 16 Stunden täglich, "am Wochenende länger, weil da mehr Leute unterwegs sind."

In fast jedem Lokal trifft Gerri Bekannte, die ihn mit einem seiner Spitznamen begrüßen. "Hutgerhard" zum Beispiel heißt er, weil er immer irgendwelche ausgefallenen Hüte trägt - im Dezember ist es eine stilsichere weiße Weihnachtsmütze. Den Namen "Pumukel" verdankt er einer Wette, für die er sich die Haare knallrot färben ließ.
Seit acht Jahren verkauft Gerri Geiger den Augustin. (Bild: ORF / BeLicht)
Mit seinem unverkennbaren Schmäh zieht Gerri seine Runden. "Manche Leute sagen, ich mach's leiwand. Ich mache halt einfach meinen Job", meint er.

Und den macht er gut: Pro Ausgabe verkauft er "100 bis 180 Stück - das ist nicht wenig." Von jedem verkauften Augustin bleibt ihm ein Euro. "Reich kann man mit dem Augustin nicht werden", sagt Gerhard schulterzuckend. Am besten laufe das Geschäft am Wochenende und wenn eine neue Nummer rauskommt.
Nach drei Jahren auf der Straße lebt Gerhard Geiger jetzt in einer Gemeindewohnung. Leute sekkieren für eine Wohnung
Mit dem Geld aus dem Verkauf und seiner Invaliditätspension kann sich Gerri eine kleine Gemeindewohnung in Floridsdorf leisten. Davor hat er drei Jahre auf der Straße gelebt, nachdem er zuerst wegen einer Auseinandersetzung mit seinem Chef die Arbeit und anschließend wegen Zahlungsunfähigkeit die Wohnung verloren hat.

"Einen einzigen Tag habe ich in der Gruft verbracht. Sonst habe ich drei Jahre lang mein eigenes geheimes Platzerl gehabt und bin viel herumgerannt", erinnert sich Gerri. Beim Augustin hat er mitgekriegt, "wie man die Leute sekkieren muss", um zu einer Wohnung zu kommen.
Seit acht Jahren verkauft Gerri Geiger den Augustin. (Bild: ORF / BeLicht)
Acht Jahre durch die Beisln
Auch sonst hat er der Straßenzeitung einiges zu verdanken. "Ich könnte ohne den Augustin nicht arbeiten", sagt Gerri. Seit etwa acht Jahren ist er als Verkäufer unterwegs und schreibt gelegentlich auch für das Blatt.

Insgesamt hat der Augustin eine Auflage von 40.000 Stück. Zweimal im Monat marschieren die zirka 450 Augustinverkäufer mit der neuesten Nummer zu ihrem Stammplatz. Nur wenige ziehen so wie Gerri von Beisl zu Beisl.
"Guten Abend! Augustin gefällig?" (Bild: ORF / BeLicht)
Im Dezember hat er in seiner Tasche auch den Augustin-Kalender dabei. Vom Verkaufspreis - vier Euro - bleibt ihm die Hälfte. 80 Stück hat er schon verkauft.

Für das Jahr 2008 möchte Gerri selber einen Kalender mit seinen eigenen Bildern machen. "Dafür suche ich derzeit noch Sponsoren."
Spaß bei der Arbeit
Gerri Geiger trinkt sein Bier aus und steht auf. Er muss ins nächste Lokal weiter. Während er sich seine Tasche mit den Zeitungen umhängt, erklärt er noch mal, warum er Augustin-Verkäufer ist: "Ich habe Spaß bei meiner Arbeit. Das haben nicht viele."
Bernhard Lichtenberger, wien.ORF.at