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MI | 21.03 | 17:58
"Dear Deer" von "Walking Chair" (Bild: ORF/sb)
Designbüros
"Wildes" Design aus Wien
"Walking chair" heißt das international beachtete Designbüro, das für seine gehende Stühle, Müll-Luster und "wilden" Jagdbedarf Ansehen genießt. Variabel einsetzbare Möbel für die "flow generation" entwirft "Blumberg".
"Walking Chair" - gehender Stuhl von "Waling Chair" (Bild: ORF/sb)
Seit 2002 ist gibt es "Walking Chair" in Wien.
Kunst und Gebrauchsgegenstand vereint
Das Echo der vier kreativen Köpfe von "Walking Chair" hallte bereits bis nach Japan. Irgendwo im "Land der aufgehenden Sonne" steht jetzt ein "Walking Chair", ein wie der Name schon sagt, gehender Stuhl, nach dem der Schweizer Fidel Peugeot und der Südtiroler Karl Emilio Pircher ihr Designbüro in Wien-Landstraße benannten.

Auf allen Vieren beziehungsweise auf acht Beinen bewegt sich der Kunststoffstuhl mit eingebauter Elektronik in kleinen Schritten voran. Durch die Bewegung erfährt das sonst starre Sitzmöbel ein "humanes Element", erklärte Peugeot die Idee hinter der Verbindung zwischen Kunstprodukt auf der einen und Gebrauchsgegenstand auf der anderen Seite.
Fidel Peugeot, K. Pircher und H. Boesch (v.l.n.r.) von "Walking Chair" (Bild: ORF/sb)
"Monte Bello" Couch von "Walking Chair" (Bild: ORF/sb)
"Hinter den Möbel steckt immer eine Philosophie und ein Gedanke", sagte Peugeot.
Hirschgeweih für Vegetarier
Hinter allen Erfindungen made by "Walking Chair" steht ein Gedanke, manchmal auf den ersten Blick sichtbar, gelegentlich bedarf es eines zweiten Hinsehens.

Die grasgrüne Couch mit dem Namen "Monte bello" erinnert beim ersten Betrachten mehr an einen Krokodilrücken. Das für einen öffentlichen Raum konzipierte, eckige Möbel verweist jedoch auf die buckelige Bergwelt Österreichs.

Wie das Wandern in den Hügeln gehört Jagen hierzulande zum Freizeitvertreib. Wem Hirschgeweihe in den vier Wänden nicht wohl sind, der bediene sich der vegetarischen Version - dem hölzernen "Dear Deer": Das Holz-Element aus Eiche liefert "Walking Chair", Äste und Zweige sind vom Besitzer selbst zu "jagen" und dann als Geweih-Ersatz mit zwei Handgriffen in die vorgefertigten Löcher zu stecken.
"Dear Deer" von "Walking Chair" (Bild: ORF/sb)
"Pet Light" - Lampe aus leeren Plastikflaschen von "Walking Chair" (Bild: ORF/sb)
Luster aus alten Plastik-Flschen.
Aus Nutzlosem Nützliches machen
Verwendung finden Peugeot und Pircher sowie die neu ins Boot geholte Architektin Sylvia Sauermann und der für den Vertrieb zuständige Vorarlberger Heinz Bösch selbst für leere Pet-Flaschen in allen Größen und Farben.

Durch die Verarbeitung zu "Pet Light" - aus Plastik bestehende Lampenschirme - geben sie den Flaschen zwar nicht ihren ursprünglichen Nutzen zurück, dafür verleihen sie ihnen einen neuartigen Wert.
"Ping meets the Pong"-Tisch (Bild: Walking Chair)
Ein Tisch, mehrere Funktionen.
"Aus dem Kontext neue Wege einschlagen"
"Vielseitigkeit und Mulitfunktionalität" antwortet Peugeot auf die Frage, was "Walking Chair" ausmacht. Gemäß diesem Motto kreierten die Designer den "Ping meets the Pong"-Tisch.

Die runde Tischtennisplatte in blauer Farbe dient als Besprechungstisch. Nach getaner Arbeit lässt sie sich problemlos zum Esstisch mit Drehscheibe in der Mitte umfunktionieren - "witzig, praktisch und sinnvoll", bringt Peugeot Form und Funktion des Tisches auf den Punkt.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht auch hier der Inhalt: "An Verhandlungstischen spielen Geschäftsleute oft mit Argumenten 'Ping Pong'" - auf diesem Tisch darf das Match nicht nur verbal ausgetragen werden.
Regalsystem von "Blumberg", Designer Florian Harmer (Bild: ORF/sb)
Seit März 2006 existiert die Regalserie von "Blumberg".
Design nicht nur fürs Auge
Florian Harmer und sein Team entwerfen Möbel für die "flow-generation", wie er die Zielgruppe selbst nennt. Das sind Menschen, die durch beruflich oder privat sich häufig ändernde Lebenssituationen ständig in Bewegung, also im "Fluss" sind und bleiben müssen.

Wichtig sind dabei funktionale Produkte, die variabel einsetzbar sind, sich flexibel jeder Situation anpassen und dabei nach Möglichkeit ein Leben lang halten.

Gelungen ist das den jungen Designern mit einem Regalsystem namens "einfach vielfach". Die Bezeichnung geht Hand in Hand mit der Funktion der in einfacher und vielfacher Weise zusammensetzbaren Regalelemente.
Regalsystem von "Blumberg" (Bild: ORF/sb)
Geschäftslokal "Blumberg" (Bild: ORF/sb)
Aus Einzelteilen ein Ganzes
Unpraktisch und ausgeflippt: Designer-Möbel kämpfen oft mit dem Ruf nicht alltagstauglich zu sein. Dieses Vorurteil will das "Blumberg"-Team mit den in vier verschiedenen Größen erhältlichen Regalmodulen aus der Welt räumen.

Gerade oder schräg, einfach oder vielfach: Die verschieden großen Module können individuell kombiniert werden und sind als Tischobjekt oder Wandverbau einsetzbar.

"Die Idee ist, eines nach dem anderen zusammen zu bauen, aus vielen kleinen Einzelteilen ein Ganzes entstehen zu lassen", sagte Harmer.
"Flowchair" von "Blumberg" (Bild: Blumberg)
Praktisches Element steht vor der Optik.
Möbel aus und für den Alltag gedacht
Zentral bei "Blumberg" ist die individuelle Aneinanderreihung, mit der eine Verbesserung des Alltags erzielt werden soll. Design ist nicht mehr länger nur was fürs Auge.

Schräg an die Wand genagelte Regale begünstigen etwa, dass eine kleine Anzahl von Büchern nicht umkippen. Design tritt in diesem Fall in den Hintergrund, die praktische Funktion überwiegt. Im umgekehrten Fall spielt sich dasselbe ab: Ein prall gefülltes Regal lässt das Design ebenfalls verschwinden.

Beim Sitzen auf dem flexiblen Stuhl namens "Flowchair", dessen Sitzfläche aus zwei beweglichen Holzflächen besteht - "für jede Pohälfte eine" - ist das angenehme Sitzgefühl vordergründig, der Körper verdeckt das Design. "Bei erstem Hinsehen stößt die ungewöhnliche Form auf Irritation, im Gebrauch kommt jedoch der Aha-Effekt".
Stephanie Burtscher, wien.ORF.at