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MI | 21.03 | 18:00
Gerhard Bronner (Bild: APA)
Nachruf
Ein Meister des Kabaretts ist tot
Am 31. Dezember 2006 begeisterte Gerhard Bronner noch im Theater Akzent mit seinem Silvesterkabarett. Der Kabarettist, Komponist und Schriftsteller starb am 19. Jänner 84-jährig in einem Wiener Spital.
Gerhard Bronner (Bild: APA)
Dunkle Seiten der Wiener Seele
Der "Gschupfte Ferdl" wirft sich in Schale, "denn beim Tumser drausd in Neu-Lerchenföd is Perfektion." Doch das elegante Äußere und die Brillantine in den Haaren können seine Aggressivität und seine Ungehobeltheit nicht verbergen. So kommt, was kommen muss: Ferdl stänkert, andere Tanzgäste "beuteln den Ferdinand ausm Gwand."

Die hohe Kunst des Kabaretts: in einer kleinen Szene ein ganzes Weltbild zu skizzieren und anschließend auf den Kopf zu stellen. Wie kaum ein anderer verstand es der Kabarettist und Komponist Gerhard Bronner, in seinen Programmen und Liedern die dunklen Seiten der Wiener Seele einzufangen.
Konkrete Vorbilder Menschenportraits in Liederform
Viele der bissigsten Lieder des Kabaretts der 50er und 60er Jahre stammen aus der Feder von Gerhard Bronner. Legendär sind die Nummern, die er gemeinsam mit Helmut Qualtinger aufgenommen hat - zum Beispiel "Der Wilde mit seiner Maschin'" oder "Die alte Engelmacherin vom Diamantengrund".

Dass einige der besungenen Figuren ein konkretes Vorbild gehabt haben, steigert den Wert der Darstellung als Exempel: Der "Gschupfte Ferdl" war das Wiener Original Ferdinand Valek, der es auf 52 Vorstrafen gebracht haben soll. Der Komponist soll ihm einmal in einem Wiener Lokal begegnet sein.
Gerhard Bronner - ein bewegtes Leben
Geboren am 23. Oktober 1922 in Wien musste Bronner 1938 wegen rassistischer Verfolgung nach Palästina fliehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Wien zurück.

Mit "Brettl vorm Kopf" feiert Bronner am 12. November 1952 seine Kabarettpremiere. Co-Autoren des Stücks waren Michael Kehlmann, Carl Merz und Helmut Qualtinger. Nach einer mehrjährigen Phase beim deutschen Fernsehen folgen "Blattl vorm Mund" (1956), "Glasl vorm Aug" (1957), "Spiegel vorm Gesicht" (1958, im ORF übertragen), "Dachl überm Kopf" (1959) und "Hackl vorm Kreuz (1959).

Für den ORF moderierte Bronner die Sendung "Schlager für Fortgeschrittene" und gründete das Radiokabarett "Der Guglhupf".
Bronners Familie
Gerhard Bronner hinterlässt drei Söhne und eine Tochter. Sein Sohn Oscar Bronner ist der Gründer und Herausgeber der Tageszeitung "Der Standard".