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MI | 21.03 | 18:00
Richard Schuberth - oder Captain Flint? (Bild: Mario Lang)
Lesung
"Bobos" in Gefahr - Captain Flint kommt!
Im neuen Buch von Richard Schuberth, "Wartet nur, bis Captain Flint kommt", krachen linksliberale "Bobo"-Kultur und Piratenwahnsinn aufeinander. Bester Zeitpunkt zum Entern: bei der szenischen Lesung im Birdland am 29. März.
"Wartet nur, bis Captain Flint kommt" (Bild: Literaturedition Niederösterreich)
Captain Flint kapert eine "Bobo"-Wohnung.
Abenteurer der See gegen "Weicheier"
Säbelrasseln und Enterhaken, Seemannsgarn und 'ne Buddel voll Rum: In "Wartet nur, bis Captain Flint kommt" inszeniert Schuberth ein "ironisches, anarchisches Spiel mit den Mythen der Seefahrer" und lässt dabei die "Abenteurer der See" auf urbane, linksliberale "Weicheier" der "Bobo"-Szene ("Bourgeois Bohemiens", bürgerliche Hedonisten) treffen.

Die Geschichte spielt in einer Wiener Stadtrandwohnung, wo vier Kulturgourmets über aktuelle Kunstperformances diskutieren - bis drei "Piraten" ihre Wohnung entern: eine einbeinige Frau, die sich für Captain Horatio Flint hält, und ihre beiden "Adjutanten" Oscar Wilde und der osmanische Seeräuber Jimmy Fish.

Spätestens wenn Captain Flint Kurs auf Tortuga nehmen will, um dort die verhasste Südsüdwestliche Handelsgesellschaft zu bekämpfen, ahnt man: Die drei sind aus der nahe gelegenen psychiatrischen Anstalt entflohen.
Richard Schuberth - oder Captain Flint? (Bild: Mario Lang)
Buchpräsentation und Lesung am 29.3. im Birdland.
Stimmakrobatik und Seemannslieder
"Eine aberwitzige Farce" nennt Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek das Werk Schuberths, der Lesern der Obdachlosenzeitung "Augustin" von seiner Essayserie über Karl Kraus bekannt ist.

Schon in Buchform sprüht das Theaterstück vor Esprit, bei der Live-Lesung fällt der Funke in ein Pulverfass: Schuberth verkörpert alle Charaktere seines Stücks selbst - vom raubeinigen Seemann bis zum elitären Kunstfreak.

Begleitet wird er von einem internationalen Musikerquintett, das mit einem ambitionierten Programm für die richtige Stimmung an Bord sorgt. Wer jemals die Inszenierung von Schuberths Vorgängerwerk "Freitag in Sarajevo" gesehen hat, wird den "Captain Flint" am 29. März nicht versäumen wollen.
Richard Schuberth (Bild: Marko Lipus)
Richard Schuberth "in Zivil"
Idealistische Seeräuber gegen selbstgefällige Kulturgourmets. Piraten als Anti-Globalisierungshelden
"Surrealen Schmäh und Gesellschaftskritik" wollte Schuberth in seiner Komödie vereinen. Warum er dann ausgerechnet Piraten und nicht zum Beispiel Höhlenmenschen die Wohnung stürmen lässt, erklärte Schuberth damit, dass die Seeräuber in ihrem Kampf gegen die Handelskompanie locker mit der Globalisierungskritik der "Bobos" mithalten könnten.

Die Piraten stünden für bestimmte Ideale: der unbestechliche und tatkräftige Captain Flint, der witzige, gebildete Aphoristiker Oscar Wilde und der loyale und geradlinige Jimmy Fish. Ihnen gegenüber stehen die selbstgefälligen Kulturgourmets, für die linksliberales Multikulti-Gedankengut unreflektiert zum guten Ton gehört.

Hier beginnt gleichzeitig Schuberths Selbstironie: Als künstlerischer Leiter des "Balkan Fever"-Festivals bedient er genau diese Multikulti-Klientel.
Exotische Namen und Orte als Ausgangspunkt für Fantasiereisen. Schuberth: "Fröhliche Willkür" im Glossar
Diese Selbstironie setzt sich im Anhang fort: Dort befindet sich eines der surrealsten und vergnüglichsten Glossare seit langem.

In "fröhlicher Willkür" stellt Schuberth Begriffe wie "Wolford-Unterwäsche", die Namen osmanischer Piraten und Thomas Bernhard nebeneinander und spart dabei nicht mit satirischen Seitenhieben - auch gegen sich selbst, wie er sagte.

Hier offenbart der 1968 geborene Schriftsteller und Journalist ein Faible: In der Kindheit las er gern historische Romane, die im Anhang nautische Begriffe und exotische Namen und Orte erklärten. Von diesem Hafen der Worte trieb ihn die Brise der Fantasie hinaus aufs offene Meer der Abenteuer.