Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Cafe Landtmann (Bild: ORF Wien/Patricia Gassner)
Freud in wien.ORF.at
Ein Tag im Leben von Sigmund Freud
Der streng geregelte Tagesablauf gönnte Freud nicht viel Zeit. Doch in seiner Freizeit spazierte der Psychoanalytiker durch die Stadt, erforschte das eine oder andere Kaffeehaus und machte eine besondere Begegnung im Cafe Landtmann.
Freuds Garderobe in der Berggasse (Bild: ORF Wien/Patricia Gassner)
Sigmund Freuds Hut und Spazierstock
Ein ganz gewöhnlicher Tag
Sigmund Freud lebte diszipliniert und konsequent nach einem streng geregelten Tagesablauf. Er stand um 7.00 Uhr morgens auf, zwischen 8.00 und 12.00 Uhr empfing er seine Patienten und pünktlich um 13.00 Uhr setzte er sich gemeinsam mit der Familie an den gedeckten Mittagstisch.

Nach dem Essen unternahm er einen kurzen Verdauungsspaziergang, bevor er um 15.00 Uhr in die Sprechstunde zurückkehrte, um seine Patienten weiter zu analysieren. Oft kam Freud erst spät abends aus der Praxis.

Nach Feierabend folgte das Abendessen. Freud liebte italienische Artischocken, gekochtes Rindfleisch und Zwiebelrostbraten, von Hühnerfleisch hielt er jedoch nichts. Nach dem Abendmahl folgte noch ein Spaziergang. Doch wo spazierte Freud denn hin?
Sigmund Freud an seinem Arbeitsplatz (Bild: Sigmund Freud Copyrights)
Sigmund Freud in seinem Arbeitszimmer in der Berggasse.
Sigmund Freud mit seiner Chow-Hündin, 1937 (Bild: Sigmund Freud Copyrights)
Sigmund Freud: "Ich ziehe die Gesellschaft der Tiere der menschlichen vor. Gewiss, ein wildes Tier ist grausam. Aber die Gemeinheit ist das Vorrecht des zivilisierten Menschen."
Spaziergänge im Votivpark
Von Freuds Wohnung in der Berggasse waren es nur wenige Schritte zum Votivpark. Hier machte der Arzt oft kurze Abendspaziergänge, später begleitete ihn Jofi, seine Chow-Hündin oder deren Vorgängerin Lün.

Die dortige Votivkirche dürfte der aus einer jüdischen Familie stammende Freud allerdings weniger besucht haben. Er war nämlich Atheist.
Sigmund-Freud-Park (Bild: ORF Wien/Patricia Gassner)
Cafe Korb (Bild: ORF Wien/Patricia Gassner)
Im Cafe Korb fanden auch Sitzungen der "Wiener Psychoanalytischen Vereinigung" statt.
Freud: "Gemma auf an Cafe"
Gerne ging der junge Sigmund Freud ins Kaffeehaus und spielte dort des öfteren eine Partie Schach, so weit die Zeit es zuließ. Seine Lieblingscafes waren das noble Cafe Landtmann und das Altwiener-Cafe Korb.

Er war auch ein leidenschaftlicher Tarockspieler. "Samstag abends, nach elfstündiger Analysearbeit und am Ende einer Woche ohne Sonntag bin ich nicht zu gebrauchen und tue gut Kartenspielen zu gehen", so schreibt Freud seinem Schüler Sandor Ferenczi.
Sehen und gesehen werden
Kaffeehäuser an der Ringstraße (Bild: www.wiener.kaffeehaus.at)
Das Kaffeehaus war zur Jahrhundertwende Treffpunkt für Künstler und kreatives Millieu. Hier traf sich alles was Rang und Namen hatte, es ging ums "Sehen und Gesehen werden".

Die Ringstraßenära begann und rund 30 Kaffeehäuser entstanden auf der Ringstraße. Mit ihren Schanigärten und wunderbarern Innenräumen lockten sie die edlen Damen und Herren zum Verweilen ein.
Anna von Lieben (Bild: Sigmund Freud Copyrights)
Anna von Lieben hatte ständig Angst, in eine Anstalt eingewiesen zu werden.
Kaffeehausbekanntschaft: Anna von Lieben
Im 1873 eröffneten Cafe Landtman lernte der junge Freud Anna von Lieben kennen. Ein Jahr später erwarb die Familie Lieben ein Haus am Ring, das heute unter der Adresse Dr. Karl-Lueger-Ring 4 /Oppolzergasse 6 zu finden ist.

Anna von Lieben wurde von Freud selbst als seine Lehrmeisterinnen bezeichnet. Sie war relativ lange Zeit bei ihm in Behandlung und er genoss die Zeit mit ihr, da er viel über das Funktionieren der Psyche lernen konnte.

Die Baronesse von Lieben ermöglichte Freud auch seine ersten Erfahrungen mit der "Redekur" mit dem neuen Element der freien Assoziation.
Cafe Landtmann (Bild: ORF Wien/Patricia Gassner)
Die Familie Lieben und insbesondere Anna spielten sowohl für Freud und seine Finanzen, als auch für die Entwicklung der Psychoanalyse eine wichtige Rolle. Sigmund Freud war er ein gern gesehener Gast im ersten Stock des Cafe Landtmann, in der Wohnung der Familie Lieben.
"Es braucht eine begabte Patientin, um einen begabten Arzt hervor zu bringen", so Anna von Lieben.
Anna von Lieben - Opfer der Hysterie
Anna Todesco, verehelichte Lieben, war künstlerisch interessiert und hochbegabt. Sie litt jedoch unter "hysterischen Symptomen" und war daher oft ans Bett gefesselt. Nach ihrer Heirat mit Leopold und der Geburt ihrer Kinder wurde die exzentrische Baronesse morphiumsüchtig.

In den "Studien über Hysterie" wird Anna von Lieben als Cäcilie M. bekannt.
Sehnsucht nach Freiheit in Annas Gedichten
Leopold und Anna von Lieben (Bild: Kohlbauer Fritz, Fuks Evi -Hg.- Die Lieben. 150 Jahre einer Wiener Familie. Wien, 2004)
Wir fühlen die Liebe als Himmelslicht
Und möchten ihr gerne vertrauen,
Die fühlend zum sehnenden Herzen spricht
Zu uns armen, ehrbaren Frauen.

Wir suchen die Liebe als Sphärengedicht
Und wagen sie nimmer zu schauen,
Wenn sie menschlich aus liebenden Augen spricht
Zu uns armen, ehrbaren Frauen.

Denn zwischen uns und dem holden Gesicht
Da drängen sich Schatten voll Grauen,
Als Herrscherin sieget die eherne Pflicht
Bei uns armen, ehrbaren Frauen.
Cafe Freud (Bild: ORF Wien/Patricia Gassner)
Cafe Freud in der Berggasse
Wien, ein wahrer Freud-en-Platz
Würde Freud heute durch Wien spazieren, wäre er wohl sehr erstaunt über seine "Präsenz". Nicht nur ein Park und ein Kaffeehaus wurden nach ihm benannt, mittlerweile ist er zu einem der größten Markenzeichen und Werbeträger für Wien geworden. Interessierte können bei einem der vielen Freud-Spaziergänge auf den Spuren Freuds in Wien wandeln.

Zahlreiche Gedenktafeln und eine eindrucksvolle Büste im Arkadengang der Universität Wien erinnern zudem an das Leben und Schaffen des großen Psychoanalytikers.
Patricia Gassner, wien.ORF.at
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